"Hof Feder" Ein Ort, an dem man glücklich alt werden kann

Jonas Tiemann und Marika Alashvili planen eine Senioren-WG in grüner Idylle in Twistringen – und versprechen maximale Selbstbestimmung für Senioren.
20.05.2022, 13:55
Lesedauer: 3 Min
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Ein Ort, an dem man glücklich alt werden kann
Von Lina Wentzlaff

Twistringen. Zu wenig Personal für zu viele Senioren – so sieht oft die Realität in Altenheimen aus. Nach ihrer Pflegeausbildung entschied sich Marika Alashvili deswegen für ein Studium in einem anderen Fachbereich. Nebenbei arbeitete die 27-Jährige in einer Senioren-Wohngemeinschaft. "Das hat mir viel mehr Freude bereitet." So konnte sie endlich wieder die Arbeit machen, die sie liebte – allerdings nun mit genügend Zeit für die Menschen, um die es dabei ging.

Ein paar Jahre später, als ein Familienmitglied ihres Verlobten zunehmend dementer wurde, kam das Dimhauser Pärchen auf die Idee, das Wohnhaus auf einer ehemaligen Hofstelle in Bissenhausen für Senioren herzurichten. "Das Gebäude war schon länge im Familienbesitz, stand aber über Jahre leer", sagt ihr Verlobter Jonas Tiemann, der sich nun um den Umbau kümmert. Ein Seniorenheim soll der "Hof Feder" – benannt nach dem ehemaligen Besitzer des Grundstückes – aber nicht werden, sondern eher eine klassische Wohngemeinschaft, nur eben für Senioren, erklären die Verantwortlichen. "Einfach ein Ort, an dem man glücklich alt werden kann."

Das Angebot richte sich vor allem an ältere Menschen, die alleinstehend sind und weiterhin selbstbestimmt leben wollen. Oder auch an Pärchen, die mehr und mehr Unterstützung in bestimmten Bereichen bräuchten. Denn auch bei Pflegebedarf sei für das Wohl der Bewohner gesorgt. Da häufig der Pflegebedarf für ältere Leute kurzfristig entstehe, sei das ganze Konzept sehr flexibel, erklärt Marika Alashvili, die dafür ihren Pflege- und Betreuungsdienst Communitas gegründet hat.

Zwei Senioren-WGs mit je rund zehn Zimmern mit eigenem Bad und einige sogar mit einer kleinen Terrasse sollen hier entstehen. Dazu erweitert das junge Pärchen das ehemalige Gebäude um eine nun ausgebaute zweite Etage, einen Fahrstuhl und einen großen Wintergarten. „Das Haus wird komplett barrierefrei sein“, sagt Jonas Tiemann. 

Umbau ermöglicht Barrierefreiheit

Rund 17 bis 30 Quadratmeter stehen am Ende jedem Bewohner neben einer großen Wohnküche und weiteren Gemeinschaftsräumen privat zur Verfügung. Wie in einer Wohngemeinschaft üblich, beteiligen sich die Senioren auch an den täglichen Aufgaben, um so aktiv ihr Leben mitzugestalten und sozial eingebunden zu bleiben. „Die räumliche Aufteilung haben wir bewusst so gewählt, um möglichst viel Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner zu bieten“, sagt Marika Alashvili und zeigt auf einen verwinkelten Raum mit traumhaften Ausblick, der bald als Leseecke dienen soll.

Insgesamt gibt es auf den mehr als 10.000 Quadratmetern Gelände knapp 1000 Quadratmeter Wohnfläche. „Wir planen gerade, auch das Außengelände neu zu gestalten“, berichtet die examinierte Pflegefachkraft. So soll dann zukünftig ein parkähnlicher Gartenbereich mit weitläufigen Spazierwegen das Wohnhaus umschließen. Ein Gemüsegarten, Obstbäume und Hochbeete geben den Senioren zudem die Möglichkeit, sich aktiv an Gartenarbeit zu beteiligen und vielleicht sogar selbst Marmelade herzustellen. "Wenn sie denn wollen", betont Marika Alashvili. "Wir schaffen nur die Angebote."

Freizeitangebote auf "Hof Feder"

Zwei kleinere Gebäude – unter anderem ein mehr als 100 Jahre altes Steinhaus – baut das junge Unternehmerpaar schon für die Freizeitaktivitäten auf dem "Hof Feder" um. "In dem ehemaligen Backhaus können die Senioren beispielsweise für Geburtstage mit ihren Familien zusammenkommen", sagt die 27-Jährige. Ein großer Carport soll Aktivitäten im Außenbereich auch bei Regenschauern ermöglichen. Zusätzlich sei eine Fläche für hofeigene Tiere in Planung.

Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Dank Erdwärme, Photovoltaik und Batteriespeicher soll sich der "Hof Feder" autark mit Energie versorgen können. Im und am Haus arbeiten zurzeit zahlreiche Handwerksbetriebe gleichzeitig. Denn der Starttermin steht bereits fest: Am 1. September sollen die Bewohner der ersten Wohngemeinschaft ihre Zimmer beziehen können. Einen Monat später werden die Zimmer dann auch für die zweite WG bereitstehen. „Es gibt schon etliche Interessenten“, freut sich Alashvili.

Ein zweites Projekt wollen Jonas Tiemann und Marika Alashvili voraussichtlich schon bald in einem früheren Wohn- und Geschäftshaus in der Bahnhofstraße in Bassum realisieren. "Da müssen wir allerdings noch die Genehmigung einiger Anträge abwarten." Wenn alles gut läuft, sollen in der Bassumer Innenstadt eine weitere Senioren-WG sowie Tagespflegeplätze entstehen.

Info

Anfragen zu den Wohnungen in der Senioren-WG nimmt Marika Alashvili ab sofort unter der Telefonnummer 0 15 12 / 9 90 43 22 oder per E-Mail an info@pflege-communitas.de entgegen. Weitere Informationen sind auf der Website www.pflege-communitas.de zu finden.

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