Stadtradeln in der Win-Region

Ein Gewinn für alle

Die Win-Region hat beim Stadtradeln 637.047 Kilometer absolviert, Twistringen lag am Ende in vielen Bereichen vorne. 2716 Teilnehmer ersparten der Atmosphäre so 94 Tonnen Kohlendioxid.
15.07.2021, 14:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustian
Ein Gewinn für alle

Starradler, Bürgermeister und Koordinatoren des diesjährigen Stadtradelns waren mit dem Ergebnis der Win-Region überaus zufrieden.

Michael Galian

Landkreis Diepholz. "Wenn Menschen sich verbinden, entsteht etwas Großartiges." Jens Bley wurde geradezu pathetisch, als es zusammen mit anderen Vertretern der Win-Region in der Hünenburg in Stöttinghausen die Bilanz der diesjährigen Stadtradeln-Aktion gezogen hat. Das Stadtradeln, das habe alle verbunden. Und am Ende stand, so der Twistringer Bürgermeister, "ein fantastisches Ergebnis": 2716 Menschen aus den Städten Syke, Bassum und Twistringen sowie den Gemeinden Weyhe und Stuhr haben vom 24. Mai bis zum 13. Juni gemeinsam 637.047 Kilometer auf ihren Drahteseln heruntergestrampelt. Damit sparten sie – wenn man das Auto als Vergleichswert nimmt – 94 Tonnen Kohlendioxid ein.

Auch Bleys Bassumer Amtskollege Christian Porsch fand "die Zahlen beeindruckend". Er hatte aber auch eine Erklärung für diesen Ansturm auf das Stadtradeln: das Coronavirus. "Die Leute wollten raus, sich bewegen", so der Verwaltungs-Chef der Lindenstadt, der hoffte: "Vielleicht kann man jetzt ja einige Fahrten tatsächlich mit dem Fahrrad machen und nicht mit dem Auto." In diese Kerbe schlug auch Sykes Bürgermeisterin Suse Laue: "Wenn wir einfach mal aufs Auto verzichten, können wir unseren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten."

Frank Seidel, Verwaltungs-Chef in Weyhe, gingen die Superlative gar nicht aus. Beeindruckend, gewaltig, unglaublich – so sprudelte es aus ihm heraus. Er erinnerte sich an die Radtour der Bürgermeister von Bassum nach Kirchdorf. "Das hat großen Spaß gemacht", sagte er. Gewonnen hätten bei der Aktion alle: die Umwelt, das Bewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl. Seidels Stuhrer Amtskollege Stephan Korte – leicht verspätet, weil er vorher noch die beste Stuhrer Stadtradler ehren musste – berichtete von einer Vierergruppe "ohne Akku", die 5500 Kilometer geschafft hat. Und er hörte Erfreuliches: "Manche überlegen jetzt, ob sie öfter mal mit dem Rad nach Bremen hineinfahren."

Zu den Ergebnissen: Twistringen lag am Ende in fast allen Belangen vorne. 1495 Menschen in 76 Teams fuhren in besagten drei Wochen 317.929 Kilometer. "Ich weiß nicht, wie ihr das macht?", fragte Christian Porsch rhetorisch in Richtung Jens Bley. Der hatte eine historisch belegbare Antwort: "Die Twistringer Jungen sind früher schon regelmäßig mit dem Fahrrad nach Bassum gefahren, um dort ihre Mädchen zu besuchen." Die Stadt Syke hat die 100.000-Kilometer-Marke geknackt, aus Bassum kamen die meisten radelnden Parlamentarier, Weyhe umrundete die Erde in Gemeinschaftsarbeit zweimal und Stuhr immerhin noch einmal. Für die ganze Win-Region wurde die Kilometerleistung verdoppelt. Und in Anbetracht von 94 Tonnen eingespartem Kohlendioxid formulierte Frank Seidel ein Ziel für das kommende Jahr: "Dann knacken wir die 100 Tonnen."

Wie das klappen kann, erklärten anschließend die sogenannten Starradler, Menschen, die während des Stadtradelns für drei Wochen den Autoschlüssel abgeben und ihre Wege ausschließlich auf dem Fahrrad bestreiten müssen. Peter Schwarze beispielsweise. Der Schulleiter des Gymnasiums Twistringen hatte alle Einkäufe für die Kommunion seiner Tochter per Pedal gemacht. Er sei zwei, drei Mal beim Weinhändler gewesen. Aber am Ende stand die Erkenntnis: "Das geht." 300 der 1495 Teilnehmer in Twustern kamen übrigens von den Schulen. Allen die ABC-Schützen der Grundschule am Markt radelten insgesamt eineinhalb Mal um den Erdball.

Gerd Harthus aus Stuhr fuhr auf seinem Rennrad sogar bis nach Oldenburg zu seinen Eltern. "Ich habe die Region kennengelernt", freute sich der pensionierte Lehrer. Sein Resümee: "Im Alltag lässt sich mit dem Rad alles machen, wenn man sich nur die Zeit nimmt." Klaus Nienaber aus Syke erzählte von seinem Ziel: 1000 Kilometer. Er habe sich Ziele gesetzt, sei in Heiligenrode Eis essen gewesen, habe den Wieltsee in Dreye und jede einzelne Ortschaft Sykes besucht. Der Höhepunkt war aber ein Besuch seines Sohnes in Braunschweig mit dem Fahrrad. "Da habe ich mich wahnsinnig verfahren."

Die Bürgermeister der Win-Region waren sich einig: "Das Stadtradeln bewegt etwas in der Bevölkerung." Nächstes Jahr wollen sich die Kommunen noch ambitioniertere Ziele setzen. Damit das klappt, hatte Gerd Harthus eine gute Idee: Er schlug eine Rundtour durch die ganze Win-Region vor. Ein Arbeitsauftrag für die Koordinatoren Max Serzisko (Weyhe), Daniel Unsworth (Stuhr), Ilse Hische (Syke), Claudia Voss (Bassum) und Silke Perin (Twistringen). Letztgenannte meinte abschließend, das Stadtradeln habe "einen positiven Schub", bewirkt.

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