Stunde der Gartenvögel

Insektenfresser haben es schwerer

Immer weniger Insektenfresser gibt es, während es die Vegetarier einfacher haben. Der Blaumeisenbestand hat sich derweil wieder erholt. Das sind die Erkenntnisse der diesjährigen Stunde der Gartenvögel.
04.06.2021, 14:52
Lesedauer: 3 Min
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Insektenfresser haben es schwerer
Von Esther Nöggerath
Insektenfresser haben es schwerer

Die Zahl der Mehlschwalben nimmt deutschlandweit ab. Im Landkreis Diepholz landete die Vogelart immerhin noch mit 300 gezählten Exemplaren auf Platz neun bei der diesjährigen Stunde der Gartenvögel.

Patrick Pleul/DPA

Landkreis Diepholz. Der Bestand der Blaumeisen hat sich im Landkreis Diepholz und auch bundesweit wieder erholt. Zu diesem Ergebnis kommen Naturschützer nach der diesjährigen Stunde der Gartenvögel. 404 Menschen aus dem Landkreis Diepholz haben sich in diesem Frühjahr an der Mitmachaktion von Naturschutzbund (Nabu) und dem Landesbund für Vogelschutz beteiligt. Besonders interessiert waren die Ornithologie-Begeisterten dabei an der Entwicklung der Blaumeisen-Bestände. Denn im vergangenen Jahr waren viele Tiere dieser Art an einer Infektion mit dem Bakterium Suttonella ornithocola gestorben.

Die gesammelten Rohdaten der Stunde der Gartenvögel sind inzwischen von den Vogelschutzexperten des Nabu analysiert und statistisch korrigiert worden, wie Leonie Jordan von der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte, mitteilt. So konnten bundesweit pro Garten knapp 33 Vögel von 11,4 unterschiedlichen Arten entdeckt werden – deutlich mehr als noch im Vorjahr. Allein im Landkreis Diepholz zählten die Teilnehmer in 278 Gärten 9199 Vögel.

Am häufigsten wurde dabei im Landkreis Diepholz der Haussperling mit 1215 gezählten Tieren beobachtet. Die Amsel landete mit 839 Erscheinungen auf Rang zwei, gefolgt von der Kohlmeise mit 746 Zählungen. Auf Platz vier schaffte es in diesem Jahr die Blaumeise mit 618 gesichteten Exemplaren. Damit zeigt sich auch im Landkreis Diepholz der deutschlandweite Trend. Denn auch auf Bundesebene belegten Haussperling, Amsel und Kohlmeise auf den ersten drei Plätzen, gefolgt von Blaumeise und Star. Das Rotkehlchen, erstmals öffentlich gewählter Vogel des Jahres, lag bundesweit auf Platz neun (im Landkreis Diepholz auf Rang zehn) und erzielt damit seine bisher beste Platzierung.

Deutschlandweit gibt es unter den 66 am häufigsten beobachteten Arten ein leichtes Übergewicht deutlich abnehmender Arten. So stehen 20 Arten mit sinkenden Beständen 16 Arten mit zunehmenden und 30 Arten mit stabilen Zahlen gegenüber.  „Unter den großen Verlierern finden sich mit Mauersegler, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Grauschnäpper auffallend viele Fluginsektenjäger“, berichtet Jordan über die Ergebnisse. Mit Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Zilpzalp, Kuckuck, Nachtigall und Klappergrasmücke seien weitere ausschließlich von Insekten lebende Vogelarten dabei.

Langfristig deutliche Zunahmen zeigen dagegen einige Vegetarier wie Ringeltauben (die im Kreis Diepholz auf Platz sieben im Ranking landeten), Stieglitze, Gimpel oder auch Kernbeißer.  „Nicht umsonst rufen wir regelmäßig dazu auf, den eigenen Garten möglichst naturnah zu gestalten, damit sich Insekten dort wohlfühlen und Gartenvögel ausreichend Nahrung vorfinden", merkt Leonie Jordan an. "Es empfiehlt sich, heimische Laubgehölze zu pflanzen, Ecken mit Wildpflanzen anzulegen und selbstverständlich auf Umweltgifte zu verzichten.“

Erfreut zeigt sich die Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte auch über die große Beteiligung an der Aktion. Mehr als 1300 Vogelfreunde haben laut Jordan in dieser Region an der Mitmachaktion teilgenommen und aus mehr als 900 Gärten und Parks Vögel gemeldet. Bundesweit machten mehr als 140.000 Menschen mit und zählten mehr als 3,1 Millionen Vögel. „Die Rekord-Teilnahme während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr konnte zwar nicht erreicht werden, dennoch zeigt sich auch dieses Jahr ein hohes Interesse der Menschen an der natürlichen Vielfalt vor ihrer Haustür“, freut sich Leonie Jordan.

Insekten stehen auch bei der nächsten Aktion des Naturschutzbundes im Fokus, die bereits seit Freitag läuft und noch bis 13. Juni andauert. Unter dem Titel "Insektensommer" werden jetzt allerdings keine Vögel, sondern, wie der Name es schon vermuten lässt, Sechsbeiner gezählt. Seit 2008 gibt es diese Aktion, die neben der nun anstehenden Zählung eine weitere vom 6. bis 15. August umfasst. Das Prinzip ist wie bei den Vogelzählungen: Die Teilnehmenden nehmen sich eine Stunde Zeit, um in ihrem Garten oder in der Natur Insekten zu zählen.

Bestenfalls sollten sich Interessierte für die Zählung einen sonnigen, warmen, trockenen und windstillen Tag aussuchen. Außerdem rät der Nabu, „ruhig einmal in die Blumentöpfe, an Bäumen oder unter Steinen“ nachzuschauen. Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter www.insektensommer.de. Auch die ausführlichen Ergebnisse der Stunde der Gartenvögel sind online unter www.stundedergartenvoegel.de zu finden.

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