Tourismusausschuss Bruchhausen-Vilsen

Weniger Routen, weniger Kilometer

Drei Themen bearbeitete der Tourismusausschuss der Samtgemeinde-Bruchhausen-Vilsen am Donnerstagabend: die Förderung von Gästebetten, Wanderwege am Heiligenberg und die Überprüfung des Siegels Luftkurort.
10.07.2020, 17:20
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Weniger Routen, weniger Kilometer
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Fünf Monate und zwei Wochen ist es her, dass sich der Tourismusausschuss Bruchhausen-Vilsen zu einer Sitzung getroffen hat. Am Donnerstagabend war es wieder soweit. Zum ersten Mal seit dem 28. Januar. Die Technik klemmte anfangs noch ein wenig, es herrschte fast andächtige Stille. Bei den drei Themen allerdings zeigten sich die Ausschussmitglieder außerordentlich diskussionsfreudig.

Förderung von Gästebetten: Die Richtlinie zur Förderung von Gästezimmern sowie Ferienwohnungen und -häusern soll vom Flecken Bruchhausen-Vilsen auf die Samtgemeinde ausgeweitet werden. Heißt: Auch wer in Asendorf, Martfeld und Schwarme Gästebetten anbieten will, kann aus dem Samtgemeindehaushalt Geld dafür beantragen. So weit hat der Samtgemeinderat das bereits beschlossen. Am Donnerstagabend ging es um die Feinheiten.

Im Einzelnen, das berichtete Sarah Verheyen vom Tourismus-Service, sei „nicht viel“ geändert worden in der Beschlussvorlage. Gefördert werden sollen künftig nur Projekte ab vier Betten, „damit nicht einfach Kinderzimmer zu Gästezimmern umgebaut werden“. Des Weiteren würden nach Beschluss des Samtgemeinderates am 16. Juli auch Terrassen und barrierefreie Zugänge finanziell unterstützt.

Andree Wächter (SPD) fand die Vorlage „ein bisschen schwammig“, Torben Garbers (CDU) wollte das Förderprogramm zeitlich begrenzen. Hermann Schröder (UWG) indes konnte sich grundsätzlich nicht mit der Ausweitung auf die Samtgemeinde anfreunden. „So ganz viel touristische Attraktionen gibt es nicht in Martfeld und Schwarme“, meinte er. „Der Tourismus findet nicht in den Gemeinden statt.“ Zudem fand er die Summen als Förderung unzureichend: 1500 Euro seien „kein Startschuss für jemanden, der loslegen will“. Zudem hätte das Coronavirus die Steuereinnahmen verringert. „Der Zeitpunkt für Mehrausgaben ist nicht gut gewählt.“

Letztlich wurde der Antrag der Christdemokraten auf zeitliche Befristung mit 3:7 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt, die Beschlussvorlage indes mit 7:3 Stimmen angenommen. Auch hier enthielt sich eins der Ausschussmitglieder.

Wanderwege am Heiligenberg: Die Samtgemeinde will die Routen am Heiligenberg ändern und neu ausweisen. Die Strecken aus dem Jahre 2002 seien relativ lang, berichtete Sarah Verheyen. Nun habe es eine Begehung mit den Landesforsten gegeben, wobei „erhebliche Mängel festgestellt“ worden seien. Ein Teil des Ringwalls müsse sogar abgesperrt werden. Zeit also, das Wegenetz zu überarbeiten. Fünf Routen sollen es sein anstatt der bisherigen sechs. Und sie sollen auch kürzer werden. Maximallänge: vier Kilometer. Verheyen zeigte einen Vorschlag, „aber das ist noch nicht die endgültige Streckenführung“.

Aus dem Besucherraum im Forum des Schulzentrum kamen Fragen. Wer ist zuständig für die Wegeerhaltung? Wer haftet bei Unfällen? Christa Gluschak antwortete in beiden Fällen: „Der, der die Wanderwege ausgeschrieben hat“. Also nicht zwangsläufig der Grundbesitzer. Hans-Jürgen Wachholz erinnerte an ein Konzept, das schon vor vielen Jahren ausgearbeitet worden sei. Danach könne man den aktuellen Vorschlag ja noch einmal anpassen. Der Gästeführer ging noch einen Schritt weiter und fragte, ob es nicht sinnvoll sei zu versuchen, die Touristen dort auch für längere Zeit zu halten. Familien zudem. „Der Heiligenberg ist eine besonders schöne Ecke, aber die Aufenthaltsqualität ist für einen Familienurlaub ein bisschen dürftig.“ Christa Gluschak erwiderte, Familienurlaub sei immer ein Thema, aber es seien keine konkreten Maßnahmen geplant. Das Gremium nahm dies zur Kenntnis.

Luftkurort: Bruchhausen-Vilsen ist noch immer der einzige Luftkurort zwischen Bremen und Hannover. Das nunmehr seit 1976. Das zuständige Fachministerium, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, überprüft die Anerkennung alle zehn Jahre, also dieses Jahr wieder. Die Unterlagen muss die Verwaltung bis zum 25. November abgegeben haben, anschließend erfolge eine Ortsbesichtigung. Christa Gluschak präsentierte, was alles an Vorgaben erfüllt werden muss, um das Qualitätssiegel für einen Luftkurort zu erhalten: Ein Klimakontrollgutachten müsse alle zehn Jahre vorgelegt und die Luftqualität überprüft werden. Ein weiteres Beispiel: das Gutachten über Rattenfreiheit.

Hermann Schröder fragte nach, wie das Bestreben, Luftkurort zu sein, mit der Bauleitplanung zu Vilsa-Brunnen vereinbar sei. Christa Gluschak beruhigte: „Das ist alles mit dem Amt für regionale Landesentwicklung abgesprochen.“ Auch dies nahm der Tourismusausschuss zur Kenntnis.

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