Branche schwer von Corona-Umständen betroffen DJs ist nicht zum Feiern zumute

Durch die Umstände der Corona-Pandemie gibt es trotz der Lockerungen viele Einschränkungen. Die Veranstaltungsbranche ist davon stark betroffen. DJs aus der Region fehlen die Aufträge.
08.09.2020, 16:01
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DJs ist nicht zum Feiern zumute
Von Desiree Bertram

Landkreis Diepholz. Partys mit ausgelassener Stimmung, lauter Musik und voller Tanzfläche sind eigentlich fester Bestandteil im Veranstaltungskalender. Doch durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie sieht das seit rund einem halben Jahr ganz anders aus. Das macht vor allem auch den DJs zu schaffen. „Im März ging es los mit den ersten Fällen in der Region und die ersten größeren Gruppen haben zum Beispiel Kohlfahrten abgesagt. Kurze Zeit später kam dann auch das offizielle Verbot für Veranstaltungen“, berichtet Harald Schumacher, bekannt als DJ Harald von Schumis Musikbox aus Stuhr.

Sein DJ-Kollege und Freund Heiko Winkelmann, bekannt als DJ Baloo aus Barrien, ergänzt Schumacher perfekt: „Wir planen das ein oder andere zusammen, teilen uns ein Lager und tauschen uns über die Termine aus.“ Seit Mitte März erreicht sie allerdings eine Absage nach der anderen. Harald Schumacher hat mit starken Verlusten zu kämpfen. „Es läuft bescheiden. Ein paar kleinere Gesellschaften feiern, aber die großen Veranstaltungen wie Schützenfeste sind alle auf Eis gelegt“, erzählt er. Diese hätten sonst immer in den Sommermonaten stattgefunden. Gleichzeitig entstehen Probleme, wenn sich die Termine, die verschoben werden sollen, mit den regulär geplanten Terminen im kommenden Jahr überschneiden. „Oft ist es so, dass die Gastgeber feiern wollen, aber die Gäste absagen und sich dann die Feiern oft nicht mehr lohnen“, erklärt der Hobby-DJ.

Diese Erfahrung hat auch DJ Stephan Kohlmann aus Stuhr gemacht: „Ich weiß noch, dass ich am 7. März das letzte Event, eine Kohlfahrt, hatte. Erst hieß es, das klappt alles noch weiterhin, aber dann haben die Leute doch abgesagt, weil deren Gäste auch nicht mehr kommen wollten.“ Etwa 90 Prozent seiner Aufträge sind Hochzeiten, die oft ein bis eineinhalb Jahre im Voraus gebucht werden, sagt Kohlmann. „Erst wurden viele Feiern in den Herbst verschoben, aber mittlerweile wurden diese schon ins kommende Jahr oder sogar auf 2022 verlegt. Einige haben auch komplett absagt.“

Harald Schumacher ist offiziell seit 2012 als DJ nebenbei tätig und hat dafür ein Kleingewerbe angemeldet. Hauptberuflich arbeitet der 56-Jährige als LKW-Fahrer. Bei jeder Feier achtet er auf eine individuelle Gestaltung, die vorher mit dem Kunden abgestimmt wird. So werde zum Beispiel die ein oder andere persönliche Geschichte eingebunden. „Klassiker aus den 70er- bis 90er-Jahren und deutsche Schlager kommen besonders gut an. Das kann jeder mitsingen und es macht gute Laune“, verrät der Hobby-DJ. Kundenkontakte entstehen hauptsächlich über Mundpropaganda, sagt er: „Es werden auf Feiern Kontakte geknüpft oder man wird weiterempfohlen. Das fällt natürlich jetzt weg.“ Zudem moniert der Musikbegeisterte, dass bei den Unterstützungen nicht an die kleineren Selbstständigen gedacht wurde und nur große Konzerne Hilfe bekommen: „Uns Kleine hat man total vergessen. Die jetzigen Verluste sind nicht wieder einzuholen.“

Bereits gebuchte Termine versucht Schumacher ohne zusätzliche Kosten zu verschieben: „Ich denke, dass die Leute nichts dafür können. Ich freue mich, wenn die Kunden bei den nächsten Feiern wieder an mich denken.“ Auch Kohlmann fordert keine Stornierungsgebühren: „Letztendlich haben wir uns aber alle immer sehr gut verstanden und versucht, Lösungen zu finden.“ Seine Kunden müssen ausschließlich die Kosten begleichen, die bereits im Vorfeld angefallen sind. „Diese Situation hat sich ja keiner ausgesucht, da kann man keinem die Schuld für geben“, sagt Kohlmann und betont sein Verständnis gegenüber den Kunden.

Stephan Kohlmann sieht die derzeitige Situation relativ locker: „Wir sitzen alle im selben Boot. Daran können wir nichts ändern.“ Er vermutet, dass die ganze DJ-Branche langsam wieder anlaufen muss und die Menschen noch Zeit brauchen. „Ich kann immer nur sagen, dass die Gesundheit das Wichtigste ist. Da müssen wir durch“, sagt Kohlmann, der ebenfalls nebenberuflich als DJ unterwegs ist. Hauptberuflich arbeitet er im Online-Marketing und erstellt unter anderem Internetseiten für Unternehmen. „Man muss immer einen Plan B haben. Selbst wenn man ab morgen wieder normal feiern dürfte, dann wollen die Leute noch nicht. Ich denke, dass auch Kohlfahrten erstmal nicht stattfinden werden“, sagt Kohlmann.

Das sieht DJ Matthias Horstmann aus Syke ähnlich: „Wir hoffen, im Privatfeierbereich ab 2021 wieder durchstarten zu können. Aber bei öffentlichen Veranstaltungen wie etwa Kohltouren sehe ich schwarz. Wir werden sehen und müssen abwarten.“ Hauptberuflich ist der Musikliebhaber als Oberbrandmeister bei der Berufsfeuerwehr Bremen tätig und hobbymäßig Teil der DJ-Gemeinschaft Final Sound mit insgesamt fünf DJs: „Da wir das alle nicht hauptberuflich machen, sind wir etwas gelassener. Die hauptberuflichen DJs erleben aber von 100 auf 0 einen totalen Einsturz.“

Termine, die bei Horstmann bereits gebucht wurden, sind bis mindestens Ende September abgesagt. Auch neue Buchungsanfragen für spätere Termine sind betroffen, weil die Entwicklung der Lage nicht vorhersehbar ist. „Das ist aber jedem bewusst“, sagt Horstmann und erklärt, dass auch er den Kunden keine Gebühren bei coronabedingten Absagen berechnet. Neben den finanziellen Problemen sieht Horstmann auch den sozialen Aspekt und das fehlende Zusammensein: „Rückblickend konnten wir immer alles machen, alles war normal – wie etwa ein Kneipenbesuch am Wochenende. Diese Normalität ist plötzlich weg und die Leute sehnen sich wieder danach. Die Leichtigkeit und einfach dieses Lebensgefühl fehlen momentan.“

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