800 Jahre Heiligenberg Viele neue, umfassende Aspekte

Das Kloster Heiligenberg hat der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen mit seinem 800. Geburtstag schon viel Trubel beschert. Zum Abschluss gab es ein wissenschaftliches Symposium.
11.11.2018, 18:31
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Von Dagmar Voss

Bruchhausen-Vilsen. „Das gibt hier ja neue spannende Gesichtspunkte“, freute sich der ehrenamtliche Gemeindearchivar Karl Sandvoß. Und auch der ehemalige Vorsitzende des Samtgemeinderates Bruchhausen-Vilsen, Wolfgang Griese, meinte: „Es ist eine Veranstaltung, die die Erkenntnis über die Entwicklung Heiligenbergs nach vorne gebracht hat und viele neue, umfassende Aspekte. Und es ist fantastisch, dass wir Fachleuten aus ganz Deutschland und Dänemark zuhören können.“ Beide besuchten neben rund 50 weiteren Interessierten am Sonnabend das Symposium „800 Jahre Heiligenberg“ im Kulturforum Bruchhausen-Vilsen. Sie lauschten gespannt den ganzen Tag lang neun hochqualifizierten Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln genähert hatten.

Für Sandvoß galt sein Erstaunen unter anderem dem Vortrag Stefan Eicks und den Erkenntnissen, dass auf der Rangliste der wichtigsten Menschen im Mittelalter an erster Stelle die Geistlichen standen, erst dann die Adligen. Der Kieler Verleger wissenschaftlicher Bücher referierte zur Ausbreitung der Prämonstratenser nach Norddeutschland. Diese geistliche Vereinigung hatte schließlich von 1218 bis 1539 auf dem Heiligenberg ein Stift unterhalten, im Volksmund Kloster genannt. Eicks vertieftes Forschungs-Interesse galt dem Nachweis, ob es tatsächlich nur Adlige gewesen seien, die dort gewirkt hatten, es also ein Adelsreservat gewesen sei. Seine Folgerung lautete, dass es dort nicht nur Adlige gegeben habe. Aber er forsche derzeit weiter, so Eick.

Um auf den Verlauf des Symposiums zu kommen, so moderierten neben Professor Ulrich Hucker, der häufig auf dem Heiligenberg dabei war, noch andere Akademiker den Tag. Vier Blöcke benannte Hucker für die Zuhörern, die man mit hinein nehmen wolle in die „Werkstatt der Geschichte“: Es gehe um die Prämonstratenser, die Überreste in Memorien und der Baukunst, um Überreste und Wassermühlen sowie die Spätzeit des Klosters.

Zuerst standen die Ausgrabungen und Ergebnisse bis Ende September von Simone Arnhold aus Halle im Mittelpunkt. Die wenigen Objekte daraus konnten die Zuhörer in einer Vitrine ansehen. Zu den gefundenen Pfostenlöchern meinte sie: „Da muss nächstes Jahr grundlegender gegraben werden.“ Allerdings wies Hucker mit Erstaunen darauf hin, dass bei all den Grabungen keinerlei Gebeine gefunden wurden. Da könne die Vermutung entstehen, dass die Stiftsherren vielleicht rund um die Vilser Kirche bestattet worden sein könnten. Das wiederum lege die Vermutung nahe, der Frage nachzugehen, ob dieses Gotteshaus von Prämonstratensern gebaut worden ist.

Holger Kempkens vom Diözesanmuseum Bamberg hatte sich ausführlich damit befasst, hatte sich aus dem hiesigen Archiv alte Zeichnungen der Kirche angeschaut und gab dem Publikum spannende Einblicke in seine Forschungsergebnisse. Sein Fazit hieß, dass das Gootteshaus zwar aus derselben Zeit stamme wie das Kloster, sich aber nicht beweisen ließe, dass es von den Geistlichen in Auftrag gegeben wurde. Es sei halt eine anspruchsvolle Dorfkirche mit Ähnlichkeiten zu prämonstratensischen Sakralbauten an anderen Orten. Außerdem hätte die Stiftsherren für sich festgelegt, dass immer ein heiliger Ort bei ihrem Wohnraum sein solle – also müsste ein solcher auf dem Heiligenberg gewesen sein.

Weiter ging es mit einem ganz anderen Thema, ebenfalls spannend, denn Caroline Horch beleuchtete ein Kopf-Reliquiar, den Cappenberger Barbarossa-Kopf, bei dem sich unten ähnliche Drachenfüße befinden, wie der eine auf dem Heiligenberg gefundene. Das ebenfalls dort gefundene Siegel war Anlass zu Erwägungen für Barbara Klössel-Luckhardt. Sie analysierte das Bildzeugnis prämonstratensischer Frömmigkeit und ihre spezifischen Motive, die „ein Licht auf das Selbstverständnis und die Frömmigkeitsübung des Klosters und seines ersten Probstes Absalon werfen.“

Letztlich lässt sich die Fülle der Erkenntnisse, die auch Karl Sandvoß und Wolfrgang Griese so beeindruckt hatten, nicht komplett wiedergeben. Dennoch war es ein wertvoller Tag für alle, die ihrem Interesse am historischen Hintergrund der Ereignisse vor Ort nachgehen konnten. Davon dürfte es gern mehr geben, ließ sich aus den Reihen der Zuhörer vernehmen.

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