Volkstrauertag im Nordkreis Diepholz Gedenken in kleiner Form

Im Nordkreis Diepholz wird der Volkstrauertag in diesem Jahr durch Corona anders begangen als sonst. Während an einigen Orten Kranzniederlegungen im kleinen Kreis erfolgen, hat Weyhe einen Gedenkfilm gedreht.
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Von Alexandra Penthund Yannik Sammert

Landkreis Diepholz. In diesem Jahr ist vieles anders, auch der Volkstrauertag. So empfiehlt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Gedenkfeiern zum Volkstrauertag nur in kleinem Kreise. Kranzniederlegungen sollten etwa unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. „Dieser Einschnitt ist für viele Bürgerinnen und Bürger schwer, jedoch zwingend erforderlich“, sagt Landrat Cord Bockhop, der auch der Vorsitzende des Kreisverbandes Diepholz beim Volksbund ist. In den Kommunen werden aber teilweise Alternativen oder kleinere Gedenkveranstaltungen abgehalten.

Stuhr

In Stuhr werden in den Ortsteilen am Volkstrauertag Kränze unter Ausschluss der Öffentlichkeit niedergelegt. Das übernehmen Vertreter von Gemeinde und Volksbund. „Aufgrund der Corona-Situation wird der Schützenverein Heiligenrode nicht wie sonst gewohnt offiziell am Gottesdienst teilnehmen. Wer zum Kirchgang möchte, sollte dieses selber entscheiden“, teilt außerdem Henning Rogge, Vorsitzender der Heiligenroder Schützen, in Bezug auf das Prozedere in Heiligenrode mit. Auch dort erfolgt die Kranzniederlegung am Denkmal nur in kleinem Kreis.

Der Gedenkgang von Schülern der Lise-Meitner-Schule zur Gedenkstätte Obernheide fällt in diesem Jahr aufgrund der Corona-Situation ebenfalls aus. Stattdessen soll es laut Bürgermeister Stephan Korte eine „kleinere Lösung“ geben. Gemeinsam mit Hartmut Müller, Autor des jüngst neu aufgelegten Buches über die Frauen von Obernheide, Pastor Robert Vetter und Jürgen Böckmann, Leiter der Lise-Meitner-Schule, wird er am Mittwoch, 18. November, einen Kranz an der Gedenkstätte ablegen.

Weyhe

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Gemeinde Weyhe im Rathaus entfällt in diesem Jahr ebenso. Dafür aber wird am 15. November ab 11 Uhr zwei Wochen lang online unter www.weyhe.de ein Gedenkfilm abrufbar sein, den Medienwissenschaftsstudentin Franziska Gröne gedreht hat. Darin wird die Geschichte der Erichshoferin Waltraut Haferkamp erzählt, die sechs Jahre alt war, als sie ihre Mutter mitten im Krieg durch einen Fliegerbombenangriff verlor. Ihr Vater war da bereits tot – gefallen in der Kesselschlacht von Demjansk im Jahr 1942. „Für sie ist das ein Stück Abarbeitungsprozess“, sagt Weyhes Gemeindearchivar Hermann Greve über die 84-Jährige. In dem Film erzählt die professionelle Sprecherin Melanie Neuhöfer die Geschichte der Familie Haferkamp. Ergänzt wird der Zeitzeugenbericht im Film durch Bilder von Weyhe aus der damaligen Zeit – und einen anschließenden Brückenschlag ins Hier und Jetzt, wie Gemeindesprecher Sebastian Kelm mitteilt.

Weitere Teile des Films sind Grußworte des Bürgermeisters Frank Seidel sowie von Manfred Streich vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Das Gedenken verlagert sich in Weyhe aber nicht vollständig in den virtuellen Raum. Eine Delegation der Gemeinde wird Kränze und Gestecke an den neun Mahnmalen und zwei Kriegsgräberstätten an den Kirchen in Leeste und Kirchweyhe platzieren.

Syke

In Syke standen die Vorbereitungen für die Feierstunden des Volkstrauertages kurz vor der Vollendung. Diese können aber nun aufgrund der aktuellen Lage nicht in der geplanten Form abgehalten werden. Das bedauert Sykes Bürgermeisterin Suse Laue sehr, wie sie mitteilt. Statt der geplanten Veranstaltung mit Musik und Reden wird es ab 11 Uhr eine Kranzniederlegung am Rathausplatz geben. Dabei folgt die Stadt der Volksbund-Empfehlung: Nur Laue und Rüdiger Jathe von der Schießsportkameradschaft Syke werden vor Ort sein. „Auch und gerade in der gegenwärtigen Gesundheitskrise – das muss die Botschaft des diesjährigen Volkstrauertages sein – dürfen wir nicht die Menschen aus dem Blick verlieren, die dringend unsere Hilfe benötigen“, sagt die Bürgermeisterin.

In den Ortschaften finden ebenfalls Kranzniederlegungen mit den jeweiligen Ortsbürgermeistern und einem Vereinsvertreter statt – so zum Beispiel in Gödestorf. Beim dortigen Schützenverein war ursprünglich eine größere Veranstaltung geplant. Die Schützen sollten antreten und auch die anderen Dorfbewohner waren eingeladen, am Gedenken teilzunehmen. Nach Rücksprache mit der Stadt Syke werden nun jedoch nur Ortsbürgermeister Andreas Schmidt und ein Vertreter der Vereine einen Kranz niederlegen. „Weitere Personen dürfen leider nicht anwesend sein“, heißt es vonseiten des Schützenvorstandes.

In Heiligenfelde lädt die Michaelskirchengemeinde zu einem Gottesdienst ein. „Seit 75 Jahren leben wir in Deutschland nun im Frieden – mit Blick in die Welt keine Selbstverständlichkeit, sondern Grund zur Dankbarkeit“, erklärt Ute Kahl von der Kirchengemeinde. Der Bittgottesdienst wird um 9.30 Uhr beginnen und von Pastorin Johanna Schröder gestaltet. Im Anschluss werden Heiligenfeldes Ortsbürgermeister Wilken Hartje und ein Vereinsvertreter das Ablegen des Kranzes am Denkmal übernehmen. Im Gottesdienst sowie im Freien gelten die gebotenen Abstands- und Hygieneregeln.

Bassum

In der Bassumer Stiftskirche, Stift 1, findet anlässlich des Volkstrauertags ab 11 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Bruchhausen-Vilsen

Auch die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen verzichtet auf öffentliche Gedenkfeiern. Stattdessen werden in Bruchhausen, Vilsen, Wöpse, Scholen, Oerdinghausen, Engeln, Weseloh, Süstedt, Uenzen, Ochtmannien, Martfeld, Kleinenborstel, Graue, Asendorf und Schwarme jeweils zwei Handlungsträger einen Kranz niederlegen. Dabei ist es den Orten selbst überlassen, ob dies Vertreter der Gemeinde, der Kirche oder der Vereine übernehmen. Zuschauer sind nicht erlaubt. Besonders gestaltete Gottesdienste finden jedoch statt – in Martfeld ab 9.30 Uhr, in Asendorf ab 10 Uhr und in Schwarme ab 11 Uhr. Die katholische Pfarrgemeinde Maria Königin in Bruchhausen-Vilsen begeht den Gedenktag ebenfalls mit einem entsprechenden Gottesdienst. Los geht es an der Bassumer Straße 3 um 10.30 Uhr.

Twistringen

Die Stadtverwaltung Twistringen hat entschieden, unter den gegebenen Corona-Umständen keine öffentliche Gedenkfeier auszurichten. „Gerade in diesem Jahr wäre es ein besonderer Anlass gewesen, auf das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren zurückzublicken“, bedauert die Verwaltung den Verzicht. Um den Tag dennoch zu würdigen, sollen an den Denkmälern Kränze von jeweils zwei Personen niedergelegt werden. So schlägt es ja auch die Deutsche Kriegsgräberfürsorge vor.

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