Lebenswege Begleiten

Vom Ehrenamt zum Hauptamt

Wachwechsel beim Verein Lebenswege Begleiten in Bruchhausen-Vilsen: Für Meina Fuchs, die in Rente geht, übernimmt Sozialpädagogin Imke Dirks die Flüchtlingsbetreuung.
03.04.2019, 08:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Mia-Julie Raddatz, Janne Staron und Micha Bustian
Vom Ehrenamt zum Hauptamt

Das Diensthandy als Staffelstab: Imke Dirks (links) ersetzt Meina Fuchs. Das Mobiltelefon ist das wichtigste Arbeitsmittel, weil damit alle Termine organisiert werden.

Janina Rahn

Bruchhausen-Vilsen. Mit der Übergabe des Diensthandys ist es nun endgültig beschlossene Sache: Die neue hauptamtliche Mitarbeiterin des Vereins Lebenswege Begleiten heißt Imke Dirks. Die Diplom-Sozialpädagogin übernimmt dieses Amt nun von Meina Fuchs, die dort seit 2015 tätig war. „Wir hatten eine hervorragende Übergabezeit“, so Imke Dirks, die nun ihr Ehrenamt zu ihrem Hauptamt werden lässt.

Aufgewachsen ist Imke Dirks in Oldenburg, doch nach einem Studium in Bremen zog sie nach Asendorf, um dort in der Landwirtschaft tätig zu werden. Als gelernte Käserin verarbeitete sie die Milch ihrer eigenen Ziegen. Dort bereits begann die Diplom-Sozialpädagogin einige Freundschaften mit neu Zugewanderten aufzubauen, was sie zu dem Bedürfnis brachte, Menschen in Deutschland zu integrieren. So nahm sie damals zwei geflüchtete Mädchen auf, die bei ihr Zuhause am täglichen Leben teilnahmen. Als Mitglied des Netzwerkes Nachbarschaft Asendorf erhielt sie im August 2018 den Niedersächsischen Integrationspreis.

Damit nicht genug: Imke Dirks wollte sich weiterhin mit Geflüchteten an einen Tisch setzen, um ihnen das Ankommen in einer neuen Kultur und Gesellschaft ein wenig leichter zu machen. Wichtig ist ihr vor allem, dass trotz einer unterschiedlichen Kultur, keine menschlichen Unterschiede bestehen. So erklärte sie: „Ob ich nun Meina Fuchs oder Fatima kennenlerne, das unterscheidet sich nicht.“ Vor allem rühre es sie, dass alle, denen geholfen wird, auch etwas zurückgeben wollen. Wie zum Beweis öffnet sich die Tür im Domizil des Vereins Lebenswege Begleiten. Eine Teilnehmerin eines Deutschkurses für Frauen kommt herein und serviert Gebäck aus ihrer Heimat.

Darüber freut sich auch Meina Fuchs, die nun mit dieser Übergabe ihren Ruhestand antritt. Trotzdem will sie zu den Neubürgern weiterhin Kontakt halten, um entstandene Freundschaften intakt zu halten. Die Zeit in diesem Verein hat ihr viele neue Sichtweisen beschert. Laut eigener Aussage sieht sie Nachrichten zum Thema Flüchtlinge heute ganz anders als vorher. Sie geht nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Rente. „Natürlich ist es auch ein wenig schwer für mich, nun zu gehen“, sagt sie und erinnert sich: „Einzelne Fälle kommen auf einen zu und sagen: Du hast mich damals vom Bahnhof abgeholt.“ Aber Fuchs freut sich auch auf die neu gewonnene Freizeit. Immerhin leitet sie ehrenamtlich das Internet-Kultur-Café Die Scheune in Bruchhausen-Vilsen und kümmert sich mit er Bürgerinitiative „Obama“ um den historischen Ostbahnhof im Luftkurort. Darüber hinaus erhofft sie sich, zukünftig öfter ihre in Bayern lebenden Enkel sehen zu können. Ihr Fazit: „Es war eine gute Zeit mit vielen schönen Erfahrungen.“

Von neu gewonnener Freizeit, kann bei Imke Dirks hingegen nicht die Rede sein. Sie übernimmt von der ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeiterin Meina Fuchs nun Aufgaben, wie das Ausführen der Asylbegleitung, zu der unter anderem Hausbesuche und das Helfen beim Ausfüllen der Einbürgerungsformulare gehören. Außerdem kümmert sich Dirks ab nun auch um die offene Beratung, in der es gilt, möglichst alle Fragen der Geflüchteten zu beantworten und Probleme zu lösen.

Doch sie freut sich sehr auf die neuen Herausforderungen und hofft, dass immer mehr Menschen ihre Berührungsängste verlieren. So also ihr Aufruf: „Traut euch! Lernt Neubürger kennen. Angst vorm Fremdsein, das muss es nicht geben, es verbindet uns doch so viel.“ Für sie ist klar: So lange man nicht aufeinander zugeht, werden Vorurteile nie beiseite geräumt: „Niemals gibt es so viele Vorurteile, als wenn man sich nicht kennt.“

Zum besseren Kennenlernen lädt der Verein Lebenswege Begleiten auf seinem Gelände, Auf der Loge 17a in Bruchhausen-Vilsen, am 15. Juni zu einem interkulturellen Fest ein. Dort ist jeder herzlich eingeladen, um Essen aus den Herkunftsländern der Geflüchteten zu probieren, sich mit Menschen aus anderen Kulturen auszutauschen und einfach einen schönen Nachmittag zu verbringen.

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