Wassermühle Bruchmühle

Neues Leben für die Mühlengemeinde

Johann Hüneke hat die Wassermühle in Bruchmühlen an Bea Tilanus und Romke Schievink verkauft. Die beiden haben viel mit dem Schmuckstück vor: Unter anderem soll eine Sternwarte entstehen.
31.07.2020, 17:10
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Neues Leben für die Mühlengemeinde
Von Micha Bustian
Neues Leben für die Mühlengemeinde

In gutem Zustand: Die Bruchmühle wurde zuletzt im Jahre 2000 renoviert. Daher brauchen Bea Tilanus und Romke Schievink nicht viel machen.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. Johann Hüneke muss das Herz geblutet haben. Der ehrenamtliche Müller hat die Wassermühle in Bruchmühlen verkauft. Seit 1868 war das Schmuckstück in Besitz seiner Familie. Bis jetzt. „Mir wurde das zu viel“, begründet Hüneke diesen Schritt. Seit dreieinhalb Jahren habe er auf dem riesigen Gelände „nur das Nötigste getan“. Seine Kinder wollten sich um Gebäude und Grundstück nicht kümmern, also reifte vor etwa eineinhalb Jahren der Entschluss, die Mühle zu verkaufen. Jetzt schlug Bea Tilanus zu.

Die Niederländerin hat die Bruchmühle gemeinsam mit ihrem Freund Romke Schievink erworben. Beide haben viel mit dem guten Stück vor. Für das Gebäude – 1532 erstmals als Neddermühle in Zusammenhang mit dem Prämonstratenserkloster am Heiligenberg genannt – wurde 1749 ein massives Grundwerk angelegt, zudem das Mühlenhaus repariert. 1990 folgten Restaurierungen am Rad und am Wasserzulauf. Bis 1996 wurden dort täglich drei Tonnen Getreide gemahlen. Und 2000 wurde das Haus äußerlich renoviert. „Für uns ist es natürlich ein Glück, dass die Mühle so gut erhalten ist“, findet Bea Tilanus, die schon in den Niederlanden als ehrenamtliche Müllerin aktiv war. Die Mühlentechnik sei komplett erhalten, Stromerzeugung sei möglich.

Bea Tilanus und Romke Schievink waren schon länger auf der Suche nach einer Wassermühle. Sechs Exemplare haben sie sich im Laufe der vergangenen Jahre angeschaut. „Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben“, erzählt Schievink. Vielleicht waren aber auch seine Ansprüche zu hoch: „Ich bin in Denekamp geboren, dort steht die schönste Mühle der Welt.“ Nun ist es vollbracht: Die Wassermühle in Bruchmühlen gehört den beiden Niederländern. „Wir müssen hier nicht mehr viel tun“, sagt Tilanus. Holz konservieren beispielsweise „und ein paar hübschere Lampen aufhängen“.

Bea Tilanus und ihr Lebensgefährte Romke Schievink haben es sich in der Bruchmühle schon mal gemütlich gemacht. Die beiden haben viel vor mit dem historischen Gebäude.

Bea Tilanus und ihr Lebensgefährte Romke Schievink haben es sich in der Bruchmühle schon mal gemütlich gemacht. Die beiden haben viel vor mit dem historischen Gebäude.

Foto: Vasil Dinev

Bea Tilanus war laut eigener Aussage „als Kind schon begeistert von Mühlen“. Sie ist ehrenamtliche Müllerin, besitzt alle notwendigen Zertifikate. „Mir ist die Romantik wichtig“, sagt sie. Entsprechend soll die Wassermühle richtig geöffnet sein. „Die Leute sollen hineinschauen können.“ Jeden Tag, nicht nur an den Mühlentagen. Gästezimmer wollen die beiden einrichten, selbst in die ehemalige Scheune ziehen. Zwei Stellplätze für Wohnmobile sind geplant. Beide liebäugeln zudem mit einem Bioladen in ihren Räumlichkeiten. „Die Mühlenarbeiten machen wir nur zum Spaß.“ Beide kommen beruflich aus dem pädagogischen Spektrum, können sich also auch vorstellen, Schulklassen zu empfangen. Und: Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Müller wird weiterhin in der Wassermühle in Bruchmühlen stattfinden.

Die Kirsche auf das Sahnehäubchen setzt allerdings Romke Schievink. Er ist im Besitz eines alten Zeiss-Teleskops, hat es selbst renoviert. „Die alte Technik kann durchaus mit der neuen mithalten.“ Das Teleskop möchte er nun auf dem Mühlengelände aufstellen. Bruchmühlen eigne sich überaus gut für eine Sternwarte, nachts sei es richtig dunkel. „Hier kann man sogar die Milchstraße sehen.“ Selten geworden bei der Lichtverschmutzung heutzutage. Dazu kommt die Möglichkeit, vom Computer aus die Bilder eines hochwertigen modernen Teleskops zu verfolgen, das in einem Schuppen am Mühlenteich stehen soll. Und letztlich will Schievink noch einen Planetenweg einrichten. Bis dahin wird aber noch eine Menge Wasser das Mühlrad der Wassermühle Bruchmühlen hinunterfließen.

Bruchhausen-Vilsen ist eine Mühlengemeinde. Der Samtgemeinde-Mühlentag wird gefeiert, der Deutsche Mühlentag obendrauf. Bea Tilanus findet die Aktionen „ein bisschen tot“, will dem Ganzen neues Leben einhauchen. „Die Räder müssen rollen“, erklärt Bea Tilanus. Dafür brauche es aber noch einige Reparaturarbeiten. So ist die Übersetzung vom Mühlrad bis zum Mahlwerk verrottet. Nur eine von vielen Aufgaben, die das niederländische Duo noch vor der Brust hat.

Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen hat schon Oldtimer und die Museums-Eisenbahn, jetzt kommt noch eine alte Wassermühle mit einem historischen Teleskop hinzu. Auf der Wiese vor dem Gebäude grasen mit Erlaubnis der neuen Besitzer weiterhin die schottischen Hochlandrinder von Johann Hüneke. Was für ein Idyll. Das findet auch Bea Tilanus: „Es ist großartig hier.“

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