Türöffner-Kindertag mit der Maus

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Rund 500 Kinder waren zum Maustag bei der Muselbahn in Bruchhausen-Vilsen gekommen. Dabei lernten sie allerhand über die Funktion und Bedienung von Lokomotiven.
03.10.2019, 18:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
Wer nicht fragt, bleibt dumm

Ein Blick aus dem Führerstand der Lokomotive: Das war für die jungen Besucher beim Maustag möglich.

Michael Galian

Bruchhausen-Vilsen. Wieso dampft eigentlich die Lokomotive? Warum werden da Kohlen rein geschaufelt? Darf ich auch mal die Fahrkarte knipsen? Das und noch viel mehr galt es am Donnerstag bei der Museumsbahn von Bruchausen-Vilsen den neugierigen, jungen Besuchern am sogenannten Maustag zu beantworten.

Anmeldung erbeten, hieß es zuvor. Es war dann tatsächlich ein Gewimmel von mehr als 500 Kindern. In der Fernsehsendung beantwortet die schlaue Maus die Fragen. Bei der Museumsbahn sind das zum Abschluss der Saison beim traditionellen Türöffner-Kindertag diejenigen, die als Schaffner, Heizer, Lokführer, Rangierer, Schlosser, Tischler, Stationsvorsteher – sowohl Frauen als auch Männer – und anderen Tätigkeiten rund um den Betrieb und die Instandhaltung der Züge im Einsatz sind.

Allrounder Mirko Wischer, der für alle Arbeiten zuständig ist, die anfallen, stellte zuerst einmal den Kindern einige Fragen, um sie aus der Reserve zu locken. „Wisst ihr, was rangieren ist?“, fragte er. „Hin- und herfahren“, ertönte es im Chor. „Was darf man gar nicht bei der Eisenbahn?“, wollte er von den Kindern wissen. Stille, keine Antworten. „Na, auf den Gleisen stehen!“, lautete die Lösung. Flugs kletterten alle auf den Bahnsteig. „Wie kann eine Lok denn abbiegen?“, fragte Wischer weiter. Ein paar Schlaue riefen gleich: „Da gibt es Weichen.“ Nun durfte der Hebel von jedem Kind, das Lust hatte, umgelegt werden, um die Weichenbewegung zu erkennen.

Mit Trillerpfeife, entsprechenden Armbewegungen und mithilfe der eifrig fuchtelnden Kinder dirigierte Wischer den Lokführer Daniel Friedrich mit seiner roten Lok heran, um sie an die Wagen zu koppeln. Der siebenjährige Milan aus Wietzen wusste: „Es heißt Puffer, woran die Lok stößt.“ Und er erfuhr: „Bei Schmalspurbahnen wie in Vilsen gibt es nur einen Puffer. Die normalen Eisenbahnen haben zwei."

„Wir haben es gerade noch geschafft, pünktlich aus Bremen herzukommen“, erzählte der Vater von Thies. Sein kleiner Sohn, obwohl noch nicht ganz vier Jahre alt, mischte sich intensiv ins Frage- und Antwortspiel ein und wusste so einiges. Kein Wunder, denn sein Papa hat einmal als Lokführer gearbeitet und ist jetzt bei der Feuerwehr. Ein Regenschauer ließ sich im Lokschuppen gut abwarten. Johanna aus der Nähe von Buxtehude bemalte dort mit Filzstiften ein Frühstücksbrettchen mit dem Konterfei der Maus. Anderen Kindern am großen Tisch gefiel es besser, eine Lok zu zeichnen.

Kleinste Eisenbahn Europas

Das Ehepaar Horst Werstat und Hannelore Hafermalz aus Hamburg zeigte die Spur Z, die mit 6,5 Millimetern kleinste Eisenbahn Europas. „In Asien gibt es noch kleinere“, sagte Werstat, der mit seiner Frau zu allen Maustagen in Deutschland reist. Ihre Mini-Züge fuhren im Kreis auf einer Erdbeertorte aus Pappe oder im Inneren von beleuchteten Radios. Im Gegensatz dazu stand die Fünf-Zoll-Lok, die René Bierkötter aus Hannover stilecht nachgebaut hat, unter Dampf. Ein kleines Feuer loderte im Feuerloch. Er ist Fan dieser Gartenbahnen.

Ein Blick auf die parkenden Autos draußen zeigte, dass von Kassel über Fulda, von Oldenburg bis Winsen an der Luhe, von Goslar bis Siegen Besucher angereist waren. Natürlich waren auch einige ortsansässige Kinder vor Ort. Tilda aus Vilsen feierte an diesem Tag ihren siebten Geburtstag. Mit ihren Freundinnen Jantje, Alina und Sinika war sie in Begleitung ihrer Mama zum Maustag gekommen und kletterte in jeden offen stehenden Waggon in der Halle. Die Frage, ob es denn zu Hause später Kuchen und Kakao gäbe, wurde lautstark bejaht.

Lokführerin Insa Drexler stand an der Lok Franzburg und hatte ganz schwarze Finger, weil sie Brocken von Steinkohle hochhielt. „Die Lok ist 125 Jahre alt und die Steinkohle 300 Millionen Jahre“, erklärte sie. „Die Kohle im Feuerloch muss Wasser, das durch Rohre im Kessel läuft, heiß machen.“ Die Kinder waren erstaunt, weil der Brocken kein Feuer fing, als ein Streichholz daran gehalten wurde.

Wie Dampf entsteht

Geduldig erklärte die Lokführerin dann all die Schritte: Wie erst ein Holzfeuer angefacht wird, bevor Kohle dazu kommt, wie Dampf entsteht und wie es möglich ist, dass sich die Räder bewegen. Im Nu rannten dann nach dem Zuhören alle los, um auf dem Führerstand der Lok Hebel zu bedienen und die Klappen auf- und zumachen zu dürfen, wo es doch sonst für Kinder ganz oft heißt: „Finger weg, berühren verboten!“

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