Lebenswege Begleiten Zurück auf neuen Pfaden

Bianka Hrabowski ist in Ost-Berlin inmitten von Plattenbauten groß geworden. Inzwischen arbeitet sie als Wildnispädagogin für den Verein Lebenswege Begleiten in Bruchhausen-Vilsen.
07.05.2019, 18:50
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Zurück auf neuen Pfaden
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Bianka Hrabowski grinst. Sie sitzt auf der Wiese neben dem Domizil des Vereins Lebenswege Begleiten vor einem Lagerfeuer und sagt: „Ich bin ein richtiges Plattenbaukind.“ Klar. Sie wohnt mit ihren drei Kindern in Harbergen, südlich von Staffhorst. Sie ist seit März bei Lebenswege Begleiten in Bruchhausen-Vilsen fest angestellt. Als Wildnispädagogin. Plattenbaukind, natürlich ...

Nun, ein Stück Wahrheit ist an dieser Aussage selbstverständlich dran. Bianka Hrabowski ist geboren und aufgewachsen in Ost-Berlin. Dort, wo der sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat Hochhaus um Hochhaus baute, um der Arbeiterklasse eine möglichst gleichförmige Unterkunft anbieten zu können. Als Kind streifte sie durch die Betonschluchten von Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf. Aber sie ging auch mit ihrer Mutter Pilze sammeln. „Ich war schon immer eine kleine Kräuterhexe“, erzählt die heute 38-Jährige.

Beruflich ging sie aber andere Wege. Erst lernte sie Friseurin, später legte sie noch ein Studium in Sozialer Arbeit nach. Der Grundstein für ihre berufliche Karriere. 2008 zog sie nach Siedenburg, arbeitete als Mini-Jobberin im Stephansstift in Hannover. Schon da hatte sie Kontakte zum Verein Lebenswege Begleiten geknüpft, unterrichtete Deutsch für Flüchtlinge. Es folgten drei Jahre Elternzeit, Zeit für die Ausbildung zur Wildnispädagogin in – was könnte besser passen? – Wildeshausen. „Lebenswege Begleiten ist immer dran geblieben an mir“, freut sich die quirlige Frau. „Sie haben gesagt: Ach Bianka, komm doch wieder.“ Und Bianka kam wieder. Im März. Diesmal fest angestellt.

Zuerst kümmerte sich Bianka Hrabowski um den Kurs „Mama lernt Deutsch“. Auch in der Schülerhilfe wird sie eingesetzt. Und dann bei öffentlichen Ferienprojekten. Wie schon in den Osterferien. Acht Kinder betreute die Wahl-Kreis-Diepholzerin da. Es wurde eine Feuerstelle gebuddelt, Feuer auf die echt altbackene Art gemacht. Ohne Feuerzeug und Streichholz, „das ist echt eine Kunst“. Mit der Glut und einem Schnitzmesser fertigten die Lütten aus einem Stück Holz einen Löffel. „So etwas will ich vorwiegend machen“, erklärt Hrabowski. Einen Platz bauen neben dem Vereinsheim, Tiere beobachten, in einem Mini-Wäldchen nach Tierspuren suchen. Zurück zur Natur. „Das ist drin in unserer DNA.“

Wildnispädagogik, das ist die neue Leidenschaft von Bianka Hrabowski. Wildnispädagogik, „was für ein bescheuerter Name für so eine tolle Sache“. Der US-Amerikaner Jon Young gilt neben seinem Landsmann Tom Brown als Vater dieser Bewegung. Er habe Naturvölker beobachtet, lässt Hrabowski wissen, erfahren, wie diese Feuer machen, musizieren, Geschichten übermitteln, Spuren lesen und handwerken. „Ich bin selber total Feuer und Flamme“, berichtet die 38-Jährige. „So etwas fehlt uns in unserem Alltag. Wir sollten die Verbindung zur Natur wieder herstellen.“ Das helfe auch bei der Überwindung von Ängsten. Sie habe während ihrer Ausbildung eine Laubhütte gebaut und darin geschlafen. „Erst hatte ich Schiss. Seitdem habe ich keine Angst mehr vor Spinnen.“

Den Grundstein von Bianka Hrabowskis Begeisterung legte ihre Mutter übrigens, als sie gemeinsam Pilze sammeln gingen. Ihre Tochter Charlotte (10) hat Bianka Hrabowski bereits infiziert, Sohn Emil (13) hat kein großes Interesse. Und Nesthäkchen Johanna (3) ist noch zu jung. Nun müssen die Kinder in Bruchhausen-Vilsen keine Angst haben, künftig nur noch Wildnispädagogikaktionen serviert zu bekommen. Hrabowski hat auch anderes im Gepäck für die öffentlichen Ferienprojekte des Vereins. Jonglieren beispielsweise, Malen, aber auch mal einen Beautytag für Mädchen. „Ich bin ein Allroundtalent“, verrät die gebürtige Berlinerin mit einem Lachen. Ihr Herz aber schlägt für die Wildnispädagogik. Ein Feld, auf dem sie bereit ist, ausgetretene Pfade zu verlassen. Eine Idee: „Wie wäre es denn mit einer Wildnis-Kohltour?“

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