Stromtrasse Ganderkesee – St. Hülfe 20 Masten bis Jahresende fertig

Die Freileitung Nord, die im Rahmen der 380-Kilovolt-Leitung Ganderkesee – St. Hülfe in Harpstedt entsteht, kommt planmäßig voran. Bis zum Jahresende sollen 20 der 50 Masten dieses Bauabschnitts fertig sein.
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20 Masten bis Jahresende fertig
Von Jochen Brünner

Harpstedt. Etwa ein halbes Dutzend Monteure sitzt in leuchtend orangen Wetterjacken in etwa 45 Meter Höhe auf dem Strommast und wartet darauf, dass der Autokran die etwa zehn Meter hohe Erdseilspitze in Position bringt. Anschließend befestigen die Mitarbeiter das Bauteil mit großen Schrauben per Hand am bereits aufgestellten Rumpf. Wieder ein Mast, an dem das Team um Lars Holze-Lentas, Projektleiter Freileitung, einen Haken machen kann.

Die Freileitung Nord, die der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zurzeit im Rahmen der 380-Kilovolt-Leitung Ganderkesee – St. Hülfe in der Samtgemeinde Harpstedt baut, kommt planmäßig voran. „Bis zum Jahresende werden wir 20 der 50 Masten dieses Bauabschnitts fertiggestellt haben“, teilten Holze-Lentas und Projektsprecher Andreas Jaeger am Dienstag bei einem Ortstermin in Wohlde mit. Die Arbeiten auf dem etwa 20 Kilometer langen Streckenabschnitt, die im April begonnen haben, sollen bis September 2020 abgeschlossen sein. Schon jetzt ist der Trassenverlauf in diesem Bereich durch die bereits aufgestellten „Donaumasten“ gut zu erkennen. Einen Großteil des kommenden Jahres werden die Arbeiter damit beschäftigt sein, die entsprechenden Kabel zu ziehen. Das wird ab Februar der Fall sein. Denn am Ende wird jeder Mast 26 Seile tragen.

Insgesamt 10 000 Kubikmeter Beton, 750 Tonnen Bewehrung, 3000 Tonnen Maststahl, 500 Kilometer Seile und 40 Kilometer Lichtwellenleiter (Blitzschutz) verbaut Tennet allein in der Samtgemeinde Harpstedt. Während die Gründung der einzelnen Mast-Standorte etwa vier Wochen in Anspruch nimmt, dauert es jeweils weitere ein bis zwei Wochen, bis die angelieferten Stahlteile vormontiert sind. Mit Hilfe zweier großer Autokräne werden die Masten dann aufgestellt und von Hand endgültig zusammengeschraubt. „Das geschieht in zwei Tagen“, erklärt Holze-Lentas. Jeder Strommast wiegt je nach Größe zwischen 40 und 90 Tonnen.

„Im Bereich der Freileitung Nord sind wir uns mit allen Privateigentümern einig“, vermeldete Jaeger. Und auch in den anderen Bauabschnitten der Trasse seien die Verhandlungen mit den Grundbesitzern „weit fortgeschritten“. So soll es 2020 zunächst im Bereich Barnstorf im Landkreis Diepholz weitergehen, ehe in der zweiten Jahreshälfte dann auch die Arbeiten für die Erdkabelabschnitte im Bereich der Gemeinde Ganderkesee beginnen werden.

Während es sich bei den Mast-Baustellen für die Freileitung immer nur um punktuelle Einrichtungen handelt, werden sich die Ganderkeseer, in deren Bereich das Erdkabel verläuft, auf eine größere Baustelle einstellen müssen. „Die Baubreite im Bereich dieses Streckenabschnitts wird etwa 45 bis 50 Meter betragen“, kündigte Jaeger an. Parallel dazu soll auch mit dem Bau der Kabelübergangsanlagen im Bereich Landwehr begonnen werden, an denen das Kabel aus der Erde auf die Strommasten verlagert wird.

„Ein Kilometer Freileitung kostet im Schnitt 1,5 Millionen Euro“, erklärte Andreas Jaeger bereits im Mai. Beim Erdkabel seien die Kosten je nach Baugrund vier bis achtmal so hoch. Die Gesamtkosten für die Starkstromtrasse Ganderkesee – St. Hülfe bewegen sich demzufolge im dreistelligen Millionenbereich.

Um die Öffentlichkeit zu informieren und auf die Bauarbeiten vorzubereiten, will Tennet im Laufe des ersten Quartals 2020 in Klein-Henstedt ein Erdkabel-Informationszentrum (EKIZ) in Betrieb nehmen. Das Kommunikationszentrum hatte bereits beim Bau der Trasse Dörpen/West – Niederrhein im Emsland gute Dienste geleistet. „Den Standort haben wir bereits gefunden, aber zurzeit steht noch die Genehmigung des Landkreises aus“, steht Jaeger bereits in den Startlöchern.

Im Sommer haben sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Bundesnetzagentur sowie Tennet darauf verständigt, dass die komplette Trasse Ganderkesee – St. Hülfe im ersten Quartal 2023 fertiggestellt werden soll. Wann dann tatsächlich Strom durch die Leitungen fließt, hängt unter anderem auch davon ab, wie schnell der Übertragungsnetzbetreiber Amprion mit der Anschlusstrasse St. Hülfe – Wehrendorf voran kommt. So wie es in den Projektbeschreibungen aussieht, soll der dortige 33 Kilometer lange Streckenabschnitt aber deutlich früher fertig werden.

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