Diesellok elf Jahre lang restauriert Eisenbahnfreunde ausgezeichnet


Elf Jahre lang haben die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde an der Diesellok 222 geschraubt. Jetzt sind sie dafür mit dem Dieter-Junker-Preis geehrt worden.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jacqueline Schultz

Elf Jahre haben die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) an der Aufarbeitung ihrer 1935 gebauten und 1994 in Hamburg wieder entdeckten Diesellok 222 gearbeitet, jetzt kann sich der Verein noch über eine besondere Ehrung freuen. Anlässlich der Tagung des Verbandes der Deutschen Museums- und Touristikbahnen (VDMT) wurden die Aktiven für die erfolgreiche Restaurierung und ihre ausführliche und ansprechende Dokumentation mit dem diesjährigen Dieter-Junker-Preis ausgezeichnet.

„Die Auszeichnung ist einer von zwei Preisen der Stiftung Deutsche Eisenbahn (SDE) und wird seit 2013 alle zwei Jahre vergeben“, erklärt Joachim Kothe, Sprecher der DHEF. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert. Da sich die Harpstedter die Auszeichnung mit einer anderen Bahn teilen, erhalten sie also 2000 Euro Preisgeld.

„Dieter Junker war ein engagierter Eisenbahnfreund, der nach seinem Tod im Jahre 2011 sein Vermögen in eine eigene von der SDE verwalteten Stiftung eingebracht hat, um im Zwei-Jahres-Turnus einen Förderpreis an diejenigen zu vergeben, die sich um den Erhalt von alten Eisenbahnen in besonderer Weise verdient gemacht haben“, erläutert Kothe. Wichtig seien ihm dabei nicht unbedingt die großen Dampflokomotiven gewesen, sondern eher die kleinen Bahnen, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen.

Stellvertretend für das Team nahm Museumsbahner Torben Kluwe den Preis für die Eisenbahnfreunde bei der Tagung in Meiningen entgegen. Ihm hatte laut Kothe die Aufarbeitung der Lok 222 bis zu ihrer Einsatzfähigkeit immer besonders am Herzen gelegen. Zunächst hatten die Eisenbahnfreunde die Lok mit Hilfe der Delmenhorster Neue Arbeit restauriert, dann in Eigenregie, bis sie 2018 schließlich wieder fahrbereit war.

Die ehrenamtlichen Werkstattexperten hatten dabei mit einigen Problemen zu kämpfen. „Unter anderem mussten wir erst einmal einen originaltreuen passenden Motor finden“, erinnert sich Kothe. Außerdem seien die Arbeiten immer wieder unterbrochen worden, etwa weil die Reparatur der Dampflok 2 Vorrang hatte oder anstehende Hauptuntersuchungen von Personenwagen dazwischen kamen. Doch die Museumsbahner gaben nicht auf, überarbeiteten die Elektrik, die Bremsanlage wie auch das Fahrwerk und den Kühler, sorgten für Motor und Getriebe und ließen in einer Fachwerkstatt die Radsätze neu bereifen und Radsatzlager erneuern.

Mit der reaktivierten Kleinlok ist eine wechselhafte Geschichte in enger Beziehung zur Weser-Ems-Region verbunden. 1935 vom Hersteller Deutz in Köln gebaut wurde sie zunächst in der Munitionsanstalt (MUNA) in Dünsen von der Wehrmacht für Munitionstransporte genutzt. Nachdem die rund 20 Tonnen schwere und 100 PS starke Lok kurz vor Kriegsende bei einer Versuchssprengung schwer beschädigt wurde, war sie nach erfolgreicher Instandsetzung von 1954 bis 1964 bei der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn als Strecken- und Rangierlok im Einsatz. Es folgten 14 Jahre bei der Hamburger Firma Rethe-Speicher im Einsatz, bevor sie 1979 aufgrund eines Getriebeschadens aufs Abstellgleis geschoben wurde. Als Denkmal- und Spielplatzlok ging sie später an den Fußballklub Hamburg-Wilhelmsburg, wo Mitglieder der DHEF sie zufällig entdeckten und 1994 in einem Tauschgeschäft erwarben – gegen eine Gedenktafel aus Bronze und einen Speichenradsatz als Ersatzdenkmal.

In Kürze wird die Lok 222 die betagte Lok 7 der DHEF als Rangierlok auf dem Bahnhofsgelände ablösen, für die im Ernstfall kaum noch Ersatzteile zu bekommen seien, wie Kothe erklärt. Und sicherlich werde sie dann auch den einen oder anderen Zug auf die Gleise zwischen Harpstedt und Delmenhorst bringen.

Das wird allerdings bei den anstehenden Fahrten im Dezember nicht der Fall sein. Bei den Nikolausfahrten am Sonntag, 15. Dezember, um 11 Uhr, 13.30 und 16.15 ab Harpstedt kommt der Dampfzug zum Einsatz, teilt Joachim Kothe mit. Bei den Heiligabendfahrten am Montag, 24. Dezember, um 11 Uhr und um 13.15 Uhr werde wahrscheinlich der Triebwagenzug im Einsatz sein. Für alle Züge gibt es weitere Informationen und auch noch Tickets auf www.jan-harpstedt.de/xmas.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+