Radinfrastruktur im Landkreis Oldenburg

Fahrräder gehören nicht auf Gehweg

Der Kommunalverbund Niedersachsen-Bremen stellt in Harpstedt sein regionales Mobilitätskonzept für den Radverkehr vor. Auch zwei Kreistagsfraktionen wollen den Radverkehr im Landkreis Oldenburg verbessern.
30.10.2020, 16:10
Lesedauer: 4 Min
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Von Gloria Balthazaar und Kerstin Bendix-Karsten

Gut ausgebaute und sichere Radwege sowie die Stärkung des Radverkehrs – dazu will der Kommunalverbund Niedersachsen-Bremen mit einem regionalen Mobilitätskonzept für den Radverkehr einen Beitrag leisten. Dieses Konzept stellte Geschäftsführerin Susanne Krebser in der jüngsten Sitzung des Bau-, Umwelt- und Planungsausschusses der Samtgemeinde Harpstedt vor.

Konkret geht es darin um ein über 1600 Kilometer langes Radwegenetz, das in etwa 15 Jahren entsprechend ausgebaut sein soll. Im Fokus stehen auch regionale Radverbindungen rund um die Stadt Bremen als Zentrum. Mögliche Radschnellverbindungen sind vorgesehen. „Von den Strecken weiß man, dass die heute schon als Pendlerstrecken genutzt werden. Die müssen eine bestimmte Breite haben“, erläuterte Krebser. „Strecken erster Ordnung“ wie von Harpstedt nach Wildeshausen, Ganderkesee, Twistringen oder Richtung Stuhr müssten natürlich ebenso sicher sein, aber eben nicht so breit. Hinzu kommen noch „Strecken zweiter Ordnung“, die ein ergänzendes Netz darstellen. Das Konzept des Kommunalverbunds solle als Grundlage für die eigene Planung, die Abstimmung der Gemeinden untereinander und der Prioritätensetzung dienen, meinte Krebser. Entsprechend hätten sich die Gemeinden und Städte im Verbund an der Erarbeitung beteiligt.

„Was den Radwegebau angeht, sind wir in der Samtgemeinde vernachlässigt worden“, meinte Hartmut Post (CDU). Gleichzeitig stellte er fest, dass auf manchen Radwegen nicht viel los sei. Man solle daher genau abwägen, wie man die Prioritäten einteilt. Götz Rohde (Grüne) berichtete derweil von seinen Beobachtungen auf kombinierten Rad- und Fußwegen, wie sie vor allem an Landesstraßen zu finden seien: „Da donnern vor allem E-Bike-Fahrer mit einer enormen Geschwindigkeit vorbei. Das ist gefährlich.“ Ziel ist laut Krebser, auf den regionalen Radverbindungen den Rad- und Fußverkehr zu trennen. „Der fahrende Verkehr gehört nicht auf die Gehwege“, sagte sie. Klaus Stark (SPD) freute sich, dass auch die Gemeinde Stuhr dem Konzept zustimmen will. „Wenn man von Kirchseelte das Samtgemeindegebiet Richtung Stuhr verlässt, endet nämlich der Radweg“, erklärte er.

Die Ausschussmitglieder sprachen sich einstimmig dafür aus, dass der Stimmführer der Samtgemeinde Harpstedt dem Beschluss zum „Regionalen Mobilitätskonzept Radverkehr“ in der Mitgliederversammlung des Kommunalverbunds zustimmen soll. Und Heinz-Jürgen Greszik (SPD), Stimmführer für Harpstedt, sicherte zu, dieser Bitte nachzukommen.

Keine Insellösungen

Auch die SPD-Kreistagsfraktion hat sich jüngst der Fahrradmobilität angenommen und in der vergangenen Woche beim Landkreis Oldenburg einen Antrag zur Verbesserung der Radwegeinfrastruktur gestellt. Zur Begründung heißt es, dass sich die Möglichkeiten zur Fahrradnutzung durch E-Bikes stark verbessert haben. Das Fahrrad könnte deshalb für Fahrten zur Arbeit oder zum Einkauf viel selbstverständlicher und für weitere Strecken eingesetzt werden als bisher. „Dafür aber müssen die Voraussetzungen stimmen“, schreibt die SPD. Als Stichworte nennen die Sozialdemokraten angemessen breite Radwege, Vorrangstraßen für Fahrradmobilität, Fahrradschnellstraßen oder Fahrradstationen an Bahnhöfen. Dabei sollte der Landkreis Oldenburg nicht allein unterwegs sein, sondern sich mit den Städten und Gemeinden sowie den regionalen Nachbarn abstimmen. Insellösungen seien nicht sinnvoll.

Frust bei den Nutzern

Konkret schlägt die SPD-Kreistagsfraktion vor, dass die Gemeinden und die Stadt Wildeshausen über die Tourismusagenturen eine Meldestruktur über schadhafte Radwege einrichten. Eine kontinuierliche Radwegeschau mit den kommunalen Akteuren aus den Gemeinden zur Abstimmung für die gesamte Radwegeinfrastruktur im Landkreis Oldenburg halten die Sozialdemokraten ebenso für angebracht und verweisen auf den schlechten Zustand einiger Radwege. „Trotz der jährlichen Wegeschau schlummern einige Radwege der Unbefahrbarkeit entgegen“, heißt es in dem Antrag. Als Beispiel nennt die SPD: Huntlosen-Alte B69, Huntlosen-Sannum-Wardenburg, Sage-Beverbruch. Diese Wege würden von Jahr zu Jahr schlechter, Wurzelwerk drücke den Asphalt hoch und bereits geflickte Stellen brächen wieder auf oder würden nur notdürftig wieder hergerichtet. „So etwas sorgt für Frust bei den Nutzern“, ist die SPD überzeugt.

Unterstützung bei ihrem Antrag – zumindest in Teilen – könnte die SPD-Kreistagsfraktion von der Kreistagsgruppe der FDP/Freie Wähler bekommen. Denn auch diese hat vergangene Woche einen Antrag bezogen auf die Radwege gestellt. Konkret will die Gruppe einen Haushaltsansatz für die Verbreiterung der Radwege im Radwegesanierungsprogramm erreichen. Zur Begründung heißt es: „Im Landkreis Oldenburg ist die Breite der kreiseigenen Nebenanlagen oft unter zwei Metern. Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen wurde eine Verbreiterung bisher in der Regel nicht vorgesehen, obwohl die gültigen Richtlinien breitere Geh- und Radwege empfehlen. Dabei ist eine Breite von mindestens 2,5 Metern anzustreben.“ Sowohl Marion Daniel (FDP) als auch Arnold Hansen (Freie Wähler) ist bewusst, dass die Verbreiterungsmaßnahmen einerseits durch den in vielen Fällen erforderlichen Grunderwerb und andererseits durch einen erhöhten Arbeits- und Materialaufwand zu einer Kostenerhöhung führen. Damit diese nicht zu Lasten der finanziellen Mittel für das Radwegesanierungsprogramm gehen, beantragt die Kreistagsgruppe, für die Verbreiterungsmaßnahmen jährlich zusätzlich 200 000 Euro in den Haushalt einzustellen. „Der Betrag ist projektbezogen einzustellen und fließt in den allgemeinen Haushalt zurück, wenn im jeweiligen Haushaltsjahr Verbreiterungsmaßnahmen nicht erforderlich sind“, heißt es weiter in dem Antrag der Gruppe.

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