TV Neerstedt Emotional und zielstrebig

Spielführerin Agnieszka Blacha erzählt im Interview, wieso der TV Neerstedt in der Handball-Oberliga gegen jeden direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt gewinnt, es aber für die Großen bislang nicht reicht.
14.03.2019, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Emotional und zielstrebig
Von Michael Kerzel

Frau Blacha, der TV Neerstedt steuert als Aufsteiger dem Klassenerhalt in der Handball-Oberliga entgegen, Sie haben 100 Tore geworfen. Sind Sie mit der Saison zufrieden?

Agnieszka Blacha: Insgesamt bin ich schon zufrieden, aber ich hätte mir auch gewünscht, gegen die stärkeren Teams der Liga eine bessere Leistung zu zeigen.

Gegen ein Team aus der oberen Tabellenhälfte gab es noch keinen Sieg. Was fehlt dazu?

Wir haben gegen die „Großen“ eigentlich nichts zu verlieren und wollen sie ärgern. Wir wollen zeigen, dass wir in die Oberliga gehören und uns nicht abschlachten lassen. Es geben auch alle ihr Bestes, aber die Teams oben sind schon abgezockter als wir. Dazu kommt, dass wir personell dünn besetzt sind, für den Rückraum beispielsweise nur vier Spielerinnen zur Verfügung haben. Die Gegner können meistens durchwechseln. Ich denke aber schon, dass es von Spiel zu Spiel besser wird. Wir müssen uns an das Tempo und die Aggressivität in dieser Liga gewöhnen. Im Training kann man das so nicht üben.

Der TVN hat dafür bisher alle sechs Partien gegen die vier in der Tabelle hinter ihm liegenden Teams gewonnen. Ist Ihre Mannschaft besonders nervenstark?

Ich hätte uns eigentlich für gar nicht so nervenstark gehalten. Ich denke, dass wir tatsächlich besser sind als die Teams hinter uns. In der Liga kann fast jeder gegen jeden gewinnen. Das sieht man beispielsweise daran, dass der Tabellenzweite Stade mehrfach gegen Teams von unten gepatzt hat. Gerade im Mittelfeld ist es sehr ausgeglichen.

Es gab in dieser Saison einige deutliche Klatschen. Wie geht man das an, gerade wenn man weiß, dass man in einem Spiel kaum eine Chance haben wird?

Vorher schauen wir natürlich auf das ganze Spiel, aber wenn es in der Halbzeit dann schon klar ist, steckt man sich schon mal einzelne Ziele für die zweite Hälfte. Weniger Tore kassieren, besser treffen etc.

Ein besonderes Spiel war das erste Derby gegen die HSG Hude/Falkenburg, das der TVN in der Hinrunde knapp mit 22:23 verloren hat.

Gegen Hude ist die Motivation natürlich besonders hoch. Die haben schon eine große Klappe (Blacha lacht, Anmerkung der Redaktion). Wir kennen uns gut. Spielerinnen von uns und ihnen spielen zusammen in einer Beachhandballmannschaft (Auch Blacha selbst spielt für die „Sandmöpse“, Anmerkung der Redaktion). In der Partie gegen Hude hat man gesehen, dass unser Kader dünn besetzt ist. Die Qualität der Spielerinnen war da, um zu gewinnen, aber Hude ist breiter besetzt. Das Rückspiel gegen Hude (24. März, die Red.) ist natürlich besonders, ebenso wie die Partie gegen GW Mühlen (28. April, die Red.). Die sind mit uns zusammen aufgestiegen, und damals haben wir beide Spiele verloren. In der Hinrunde haben wir gewonnen und wollen das wiederholen. In Mühlen sind die Zuschauer nah dran, die Halle ist eng und klein. Das ist ein Hexenkessel. Das gefällt mir und macht mehr Spaß, als vor wenigen Zuschauern zu spielen. Da ist man wacher und motivierter. Ich mag es, wenn es emotional und hitzig wird. Ich kann zwar auch einen kühlen Kopf bewahren, bin aber trotzdem ein emotionaler Mensch.

Wo liegen die Stärken beim TVN und bei Ihnen persönlich?

Die Tore sind bei uns sehr verteilt, andere Teams sind von einer oder zwei Spielerinnen abhängig. Wir kommen über das Kollektiv. Gegen die Mannschaften, die unten in der Tabelle stehen, ist unser Wille sehr groß zu gewinnen. Als Mitte-Spielerin bin ich schon der Kopf der Mannschaft, denke für alle mit. Ich sage die Spielzüge an und dirigiere. Als Kapitänin übernehme ich Verantwortung. Das macht Spaß und läuft gut. An der Aufgabe wächst man, auch außerhalb des Spielfeldes.

Woran hapert es noch, wo können Sie sich verbessern?

Ich war früher eine klassische Spielmacherin und habe kaum selber geworfen, das muss ich jetzt machen. Da kann ich besser werden.

Welche persönlichen Ziele verflogen Sie?

Ich bin ein zielstrebiger Mensch und möchte natürlich gerne hoch spielen, das wollen alle Handballer. Wir spielen ja auf Leistung. Oberliga sollte es schon sein, ob ich noch mal in der Landesliga spielen würde . . . Da müsste ich überlegen.

Nächste Saison spielen Sie Oberliga in Neerstedt?

Stand jetzt ja, aber das hängt auch von meiner beruflichen Zukunft ab.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Info

Zur Person

Agnieszka Blacha (24)

ist Kapitänin des Handball-Oberligisten TV Neerstedt. Sie spielt auf der Rückraum-Mitte-Position und dirigiert das Geschehen. Mit genau 100 Treffern ist sie die erfolgreichste Schützin der Grün-Weißen in dieser Saison. Aktuell spielt sie ihre vierte Saison in Neerstedt und lief zuvor für den VfL Oldenburg in der Jugend-Bundesliga sowie der Oberliga auf.

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