Faustball Der Brettorfer Sönke Spille organisiert die Weltmeisterschaft

Sönke Spille ist erst 26 Jahre alt und dennoch zum Chef des Organisationskomitees für die Faustball-WM berufen worden. Sein Ziel: 12.000 Zuschauer in der SAP-Arena. Welche Aufgaben auf den Brettorfer warten.
23.09.2022, 15:12
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Der Brettorfer Sönke Spille organisiert die Weltmeisterschaft
Von Michael Kerzel

Sönke Spille hat einige aufregende Monate vor sich: Der 26-Jährige ist vom Weltfaustballverband (IFA) zum Geschäftsführer der Faustball Männer WM 2023 berufen worden. Diese wird vom 22. bis 29. Juli in Mannheim ausgetragen. Die Vorrunde wird im Rhein-Neckar-Stadion gespielt, die Finalspiele in der SAP-Arena. 12.000 Zuschauer passen dort hinein und Spille hat sich zum Ziel gesetzt, für ein ausverkauftes Haus zu sorgen. "Ich bin zuversichtlich, dass das klappt. Aber man muss die Leute erstmal hinbekommen", blickt der Brettorfer voraus. Eine besondere Weltmeisterschaft wird es nicht nur, weil diese in Deutschland über die Bühne geht. "Vor den Finalspielen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird in der Arena Naturrasen verlegt und ab Freitag dann darauf gespielt", erklärt Spille. Das gab es so noch nicht: 12.000 Zuschauer in einer Halle beim Faustball auf Naturrasen. Wenn es gut läuft, tritt Deutschland in Mannheim dann um den Titel an und Spille sitzt auf der Tribüne und freut sich über möglichst gute Stimmung.

Er will ein gewisses Faustballfieber entfachen. "Faustball hat teilweise das Image eines Altherrensports. Aber Faustball ist eher ein Insidersport. Den kennen nicht alle, aber wer mal ein Spiel gesehen hat, ist begeistert", sagt Spille. Der Brettorfer will diesen dynamischen und durchaus jungen Sport entsprechend präsentieren. Bei den World Games sahen 2017 rund 300.000 Zuschauer im TV bei Sport1 das Finale mit deutscher Beteiligung. Keine andere Sportart hatte bessere Werte. Auch in diesem Jahr kletterten die deutschen Faustballfrauen bei der TV-Quote ganz nach oben. Die Sportart hat Potenzial, wie es so schön heißt. Und Spilles Aufgabe ist es, nicht nur für ein reibungsloses Turnier für die Sportler zu sorgen, sondern auch die Bevölkerung zu erreichen. "Wir versuchen, dass die Spiele im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Und, dass die Zuschauer sich mitreißen lassen und dann selber ins Stadion und in die Halle kommen", blickt der 26-Jährige voraus.

Mit Faustball Geld verdienen

Gut neun Monate mit vielen Terminen liegen vor ihm. Er hat seinen Lebensmittelpunkt nach Darmstadt verlegt – in die Mitte zwischen dem Sitz des Faustballverbandes in Frankfurt am Main und dem Veranstaltungsort in Mannheim. An diesem Wochenende ist er beim Deutschland-Pokal in Bamberg, demnächst fliegt er nach Brasilien zur Faustball World Tour. Zwischendurch inspiziert er die Spielorte, sucht Hotels für die 16 Mannschaften von allen Kontinenten und verhandelt mit der Stadt Mannheim, dem Betreiber der SAP-Arena und diversen Sportverbänden. Die nächste große Aufgabe ist die Entwicklung eines umfassenden Marketingkonzeptes, das bis Ende Oktober stehen soll.

Seit dem 1. August hat Spille das Amt inne und verdient damit gerade mit Faustball sein Geld. "Dass es mal so weit kommt, hätte ich selbst nicht gedacht. Aber es macht viel Spaß und ist toll, dass ich mich jetzt ab morgens mit Faustball beschäftigen kann und nicht erst abends als Hobby", sagt er. Spille qualifizierte sich für den Vollzeit-Job durch die Organisation von Events wie der deutschen Meisterschaft in Brettorf. "Die WM ist natürlich nochmal eine andere Größenordnung", weiß er. Bange ist dem Brettorfer dabei jedoch nicht.

Erfahrung bei Eventorganisation

Das liegt auch an seinem Team. "Ich habe mit vielen Leuten, die jetzt dabei sind, schon zusammengearbeitet. Das passt gut und wird klappen", ist er sich sicher. Seine Stelle bei der Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land hat er Ende Juli aufgegeben und wechselte zum Faustballverband. „Wir freuen uns, mit Sönke einen ausgewiesenen und engagierten Eventprofi mit an Board zu haben, der sich Vollzeit auf die WM fokussieren kann“, teilte IFA-Generalsekretär Christoph Oberlehner mit.

Tickets zum Faustball-Event des Jahres 2023 sind ab sofort unter www.fistballmwc.com /ticketing erhältlich. Die Auslosung und finale Spielplangestaltung stehen erst im Frühjahr 2023 an, bereits heute ist aber klar, dass es keine Parallelspiele geben wird. Mit dabei sind auf jeden Fall Titelverteidiger Deutschland und die Mitfavoriten aus Österreich, der Schweiz und Brasilien. Dazu kommt Außenseiter Namibia. Weitere Qualifikationsturniere laufen noch. "Wahrscheinlich werden es Japan, Indien, Australien, Neuseeland und auch die USA schaffen", tippt Spille.

Manche Teams reisen nur mit 13 Leuten, darunter zehn Spielern, an. Andere bringen noch Betreuer, Ärzte, Physiotherapeuten und weitere Mitglieder mit. Das muss Spille bei der Hotelorganisation und den Fahrdiensten bedenken. "Wir setzen beispielsweise auch auf den ÖPNV. Von einem Hotel ist es nur eine Station zum Spielort", sagt er.

Die Faustball-WM findet alle vier Jahre statt, in Deutschland war sie zuletzt 2007. "Damals hat das Niedersachsen organisiert und ich bin erstmals mit so einem großen Event in Kontakt gekommen", erinnert sich Spille. Dass er die nächste WM federführend plant, hätte er sich nicht erträumen lassen, betont er: "Man macht sich natürlich einen gewissen Druck. Wir wollen die größte und beste WM schaffen. Die Vorfreude überwiegt, auch wenn Anspannung da ist", ordnet der Brettorfer ein.

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