Faustball

Ein Traum soll wahr werden

Der TV Brettorf ist Ausrichter der diesjährigen Faustball-DM und hofft, dass das Ereignis im August auch tatsächlich über die Bühne gehen kann. Zwei Aktive wirken nicht nur bei der Organisation mit.
04.03.2021, 11:56
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Ein Traum soll wahr werden
Von Justus Seebade
Ein Traum soll wahr werden

Karen Kläner und Malte Hollmann halten sich derzeit individuell zu Hause fit. Im Sommer sind sie für den TV Brettorf bei der Faustball-DM aktiv – wenn das dann möglich ist.

Sönke Spille

Brettorf. Karen Kläner und Malte Hollmann fiebern dem Termin entgegen. Diesem einen Wochenende im Sommer dieses Jahres, das für die beiden ein ganz besonderes Erlebnis werden soll. Eigentlich sogar noch mehr. Wenn alles so klappt, wie es aktuell geplant ist, erfüllt sich für Karen Kläner und Malte Hollmann ein kleiner Kindheitstraum. Der 14. und 15. August sollen Festtage für den Faustballsport werden, denn der TV Brettorf richtet die Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen aus – wenn das dann tatsächlich möglich ist.

Faustball spielt in dem kleinen Ortsteil der Gemeinde Dötlingen bekanntermaßen eine große Rolle. Vor mehr als 16 Jahren, genauer im Juli 2004, wurde Brettorf schon einmal zum Mekka dieses Sports. Und schon damals waren Karen Kläner und Malte Hollmann ganz nah dran am Geschehen. „Für mich als Achtjährige war das ein tolles Ereignis“, erinnert sich Kläner an die nationalen Titelkämpfe der Männer und Frauen. An den beiden Tagen ließen sich mehr als 5000 Zuschauer das Spektakel nicht entgehen. „Die Veranstaltung kam mir als Kind damals unglaublich riesig vor“, blickt Hollmann zurück. Die beiden erlebten das Turnier, bei dem das Männerteam des TVB siegte, nicht nur als Fans, sondern waren auch selbst aktiv. Sie nahmen an einem Mini-Mixed-Turnier teil, das sogar Finalspiele auf dem Center Court beinhaltete. Hier durften sie Hand in Hand mit ihren Idolen aufs Spielfeld laufen. „Natürlich saugt man das als Kind auf und träumt davon, dass man das einmal selbst als Spieler erlebt“, bekennt Hollmann.

Sechs Jahre später richtete der TVB die DM der männlichen und weiblichen U14 aus. Kläner und Hollmann waren erneut dabei – und diesmal auch mittendrin. Als Führungsspieler standen sie für ihre Teams auf dem Feld. „Für uns war es eine der ersten Deutschen Meisterschaften“, berichtet Kläner und ergänzt: „Wir haben mit Marion Einemann und Silvia Düßmann extra neue Trainer bekommen, haben Trainingslager absolviert. Das Feeling war toll und ich fand es beeindruckend, dass das ganze Dorf mitgeholfen hat, um die Meisterschaft auszurichten.“

Auch Hollmann sind die Erinnerungen an den Wettbewerb noch sehr präsent: „Unser Trainer Tobias Kläner hat damals Video-Sessions samt Taktikbesprechungen gemacht. Das war für uns alle Neuland. Und die Aufregung war natürlich groß.“ Wenngleich die beiden Brettorfer Mannschaften nicht auf dem Podest landeten, konnte sich ihre Bilanz durchaus sehen lassen. Die männliche U14 schloss die DM auf einem respektablen sechsten Platz ab, das weibliche Pendant musste sich erst in einem spannenden Duell um die Bronzemedaille dem Wardenburger TV geschlagen geben. So stand am Ende der vierte Platz zu Buche.

Das Gefühl des Medaillengewinns

Aus einer ganz anderen Perspektive erlebten Kläner und Hollmann die bis dato letzten Deutschen Meisterschaften in Brettorf. Im Jahr 2017 reisten die besten U18-Teams aus ganz Deutschland in die Gemeinde Dötlingen. Die beiden coachten damals als Trainergespann die weibliche U18 des Gastgebers. „Auch wenn ich als Trainerin nervöser bin, als wenn ich auf dem Spielfeld stehe, hat es unheimlich viel Spaß gemacht“, meint Kläner rückblickend. „Man kann in den Spielen nur begrenzt eingreifen, hat aber zwischen den Spielen mehr Zeit, das Drumherum wahrzunehmen“, fügt Hollmann hinzu. Die Brettorferinnen verpassten den Sprung aufs Treppchen als Vierte nur knapp.

Das Gefühl, bei einer DM eine Medaille zu gewinnen, lernten die beiden dann in den vergangenen Jahren kennen. Für Hollmann galt das gleich mehrfach. Mit den Brettorfer Männern holte er fünfmal Bronze. Kläner durfte sich mit ihren Teamkolleginnen im Jahr 2019 über den ersten DM-Medaillengewinn einer TVB-Frauenmannschaft freuen. Es waren Erfolge, an die sie nun in diesem Jahr anknüpfen wollen. Da richtiges Training momentan nicht möglich ist, steht neben individuellen Laufeinheiten zweimal wöchentlich Fitnesstraining per Videokonferenz auf dem Plan. „Klar steht dort der Sport im Vordergrund, es dient aber auch zum Austausch mit den Mitspielern“, erklärt Hollmann. Kläner betont, dass die gemeinsamen Einheiten das Team voranbringen – „und die Heim-DM ist schon ein super Ansporn.“

Als optimal lässt sich eine solche Vorbereitung auf den großen Höhepunkt aber natürlich nicht bezeichnen. „Wir hatten die Hoffnung, mit unserem neuen Trainer Tim Lemke die Saison nutzen zu können, und wollten richtig Gas geben“, berichtet Kläner. Daraus wurde nun nichts. Auch für die Männer ist die Situation aktuell schwierig. „Eigentlich war der Plan, dass wir uns als junge Truppe jede Saison weiterentwickeln und so zu den arrivierten Teams weiter aufschließen. Da ist die Pause natürlich bitter“, sagt Hollmann.

Lange Pause dauert noch an

Bereits die Feldsaison 2020 hatte nur in einer Mini-Version mit zwei Qualifikationsspieltagen für die Deutschen Meisterschaften stattgefunden. Die TVB-Frauen schnitten hierbei gar nicht schlecht ab, als Dritte wäre ihnen beinahe der Sprung nach Kellinghusen gelungen. Aufgrund einer Wildcard für den Gastgeber zogen sie jedoch den Kürzeren. „Dafür, dass wir eigentlich eine Hallenmannschaft sind, lief es ganz gut. Am Ende hat nicht viel gefehlt, um dabei zu sein“, resümiert Kläner.

Anders sah es bei den Männern aus, die mit Rang fünf auch sportlich die Teilnahme verpassten. „Am ersten Spieltag haben wir zwar nicht geglänzt, uns aber eigentlich eine ganz gute Ausgangslage verschafft“, blickt Hollmann zurück. Den zweiten Tag bezeichnet er jedoch als rabenschwarz. „Es ist natürlich bitter, wenn man mit solch einem Ergebnis in so eine lange Pause geht“, bemerkt Hollmann. Die Pause ist deshalb lang, weil es der bis dato letzte Spieltag für die Brettorfer Faustballer war. Die geplante Hallenrunde wurde abgesagt. Frühestens Anfang Mai kann wieder gespielt werden. Bis zum ersten Mannschaftstraining müssen sich die Aktiven selbst fit halten.

Trotz der Widrigkeiten wollen die Brettorfer in diesem Jahr unbedingt wieder Edelmetall bei ihrer Heim-DM holen. Gleichwohl wissen sie, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. „Wir müssen im Angriff wieder sicherer werden und an die Leistung anknüpfen, die wir alle schon einmal gebracht haben“, fordert Hollmann. „So eine lange Pause wie diese hatte noch niemand von uns. Es wird wichtig sein, dass wir jetzt den Grundstein in Sachen Fitness legen. Dann können wir die restliche Zeit nutzen, um Spielpraxis zu sammeln.“

Auch die Frauen wollen noch einmal ein besonderes Augenmerk auf ihre Offensive richten. „Wir sind nicht die Spielerinnen, die die Bälle bis auf die Grundlinie schlagen. Da müssen wir noch etwas drauflegen“, meint Kläner, zeigt sich aber optimistisch: „Wir haben in der Vergangenheit schon gezeigt, dass wir mithalten können. Für 2021 wird es wichtig sein, dass wir in den Spielen unsere Führungen nicht mehr aus der Hand geben.“

Hollmann und Kläner haben als Kapitäne und Führungsspieler einen festen Platz in den jeweiligen Bundesliga-Kadern, die zu den Top-Teams in Deutschland zählen. Entsprechend wichtig sind ihre Rollen in sportlicher Hinsicht – aber mit Blick auf die Heim-DM auch unter weiteren Aspekten. Die beiden gehören zum Organisationsteam, sind für den Schriftverkehr und die Erstellung der Ablaufpläne verantwortlich. „Die Arbeit in diesem Team macht unheimlich viel Spaß“, sagt Hollmann. „Gemeinsam versuchen wir, dass wir eine ähnliche Veranstaltung wie 2004 auf die Beine stellen.“

Info

Zur Person

Karen Kläner und Malte Hollmann (beide 24)

spielen seit Kindheitstagen beim TV Brettorf Faustball. Seit einigen Saisons führen sie die Bundesliga-Mannschaften des TVB als Kapitäne an. Die Deutschen Meisterschaften 2021 in Brettorf wären ihre zweiten nationalen Titelkämpfe als Spieler auf der eigenen Anlage. Die beiden sind seit neun Jahren ein Paar und leben gemeinsam in Neerstedt.

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