Handball-Oberliga Frauen

Mit Cordula Schröder-Brockshus auf zu neuen Ufern

Ab der kommenden Saison steht beim TV Neerstedt eine neue Trainerin an der Seitenlinie. Im Interview wagt sie einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.
02.04.2020, 12:18
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Franke
Mit Cordula Schröder-Brockshus auf zu neuen Ufern

Cordula Schröder-Brockshus übernimmt die 1. Damen des TV Neerstedt von Maik Haverkamp.

JÖRN FRANKE
Frau Schröder-Brockshus, bevor wir einen Blick auf Ihre zukünftigen Pläne werfen, lassen Sie uns die durch das Coronavirus unterbrochene Saison kurz Revue passieren. Wie haben Sie als Team-Managerin, sogar mit einigen eigenen Spieleinsätzen, das Abschneiden des Teams gesehen?

Cordula Schröder-Brockshus: Im Sport gibt es immer wieder das Phänomen, dass man sich als Team in einen Rausch spielt und plötzlich Leistungen zeigt, von denen man nie zu träumen gewagt hätte. Gleiches gibt es leider auch umgekehrt und ist uns in dieser Saison widerfahren. Einige herbe Niederlagen zu Saisonbeginn haben dazu geführt, dass unser Selbstvertrauen quasi nicht mehr vorhanden war. Wenn man erst einmal an diesem Punkt ist, ist es sehr schwer, sich da rauszuarbeiten. Auch wenn wir Spiele hatten, in denen wir über weite Strecken auf Augenhöhe mit dem Gegner waren, haben ein, zwei Fehlpässe und daraus folgende Gegenstöße ausgereicht, uns das Genick zu brechen. Insgesamt haben wir aus meiner Sicht in dieser Saison weit unter unseren Möglichkeiten gespielt und dann steht man als Abstiegskandidat natürlich wirklich mies da.

Zur neuen Spielzeit steigen Sie zur Cheftrainerin der Frauenmannschaft auf, nachdem sie ja schon andere Teams beim TV Neerstedt trainiert haben. Sie haben sicherlich schon einige Pläne entwickelt. Müssen wir uns eine Zäsur beim TV Neerstedt vorstellen oder stehen Sie für Kontinuität?

Grundsätzlich steht außer Frage, dass zum aktuellen Zeitpunkt etwas verändert werden muss, um als Team wieder erfolgreich sein zu können. Das sind jedoch viele kleine Stellschrauben, die ich angehen möchte, und betrifft weniger das große Ganze. Maik Haverkamp und Michael Kolpack (aktuelles Trainergespann, Anm. d. Red.) haben uns in die Oberliga gebracht und in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Doch zuletzt sind wir auf Abwege geraten und ich möchte das Team nun wieder zurück in die Spur führen.

Wie agieren Sie mit Ihrer neuen Mannschaft in Zeiten des Coronavirus, in denen niemand weiß, wann die Krise vorüber sein wird? Wie bereiten Sie da Ihr Team auf die neue Spielzeit vor?

Aktuell ist das Team noch in der Hand von Maik und Michael. Ich habe den Mädels aber auch einen Trainingsplan geschickt, den ich für die 2. Damen und weibliche Jugend A erstellt hatte. Die Spielerinnen sind zurzeit selbst gefordert, sich fit zu halten. Da gibt es zwar genug Möglichkeiten, jedoch sind wir Mannschaftssportler, und da hat nicht jeder die notwendige Selbstdisziplin und Motivation. Mit meiner 2. Damen habe ich daher nun eine Trainingseinheit als Videokonferenz getestet. Das ist auf Dauer nicht optimal, aber Handballer trainieren lieber gemeinsam als allein, daher ist es in der aktuellen Zeit keine schlechte Alternative. Zudem gibt es derzeit auch viele gute Live-Workouts in den sozialen Medien, beispielsweise von Bundesliga-Spielerinnen oder Athletiktrainern. Auch das ist eine Form, die für viele interessanter ist als komplett allein und selbstständig zu trainieren. Letztendlich können wir alle nur hoffen, dass es bald wieder möglich sein wird, als Mannschaft zu trainieren – auch wenn es erst einmal nur draußen sein sollte.

Ist Ihre Kader-Zusammenstellung schon beendet? Gibt es schon Informationen im Hinblick auf Neuzugänge, Abgänge und das Saisonziel?

Schweren Herzens wird uns unsere Spielmacherin Agnieszka Blacha in Richtung SG SV Friedrichsfehn/TuS Petersfehn verlassen. Sie wird eine Lücke hinterlassen, ist nach aktuellem Stand aber zum Glück auch unser einziger Abgang. Hinter Ria Schnitger steht aus beruflichen Gründen noch ein Fragezeichen, ansonsten haben aus dem aktuellen Kader alle ihre Zusage für nächste Saison gegeben. Hinzu kommen einige Spielerinnen aus unserer Verbandsliga-A-Jugend. Sie haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und sollen nun die Chance bekommen, den nächsten Schritt zu gehen. Dies betrifft Leonie Voigt, Anna Rippe, Alina Windhorst und Antonia Kallifidas. Damit ist der Kader grundsätzlich vollständig, auch wenn ich mir noch eine erfahrene Rückraumspielerin wünsche. Über ein Saisonziel kann ich aktuell noch nichts sagen, schließlich wissen wir noch nicht einmal, in welcher Liga wir antreten werden. Da müssen wir nun leider abwarten, wie der HVN entscheidet.

Wie häufig werden Sie mit dem Team trainieren und welche Unterstützung erfahren Sie durch einen Co- oder Torwart-Trainer?

Wir trainieren in der Saison zweimal wöchentlich mit dem gesamten Team, eine dritte Einheit erfolgt im Zwei-Wochen-Rhythmus positionsspezifisch. Dies werden wir voraussichtlich beibehalten. Ich freue mich sehr, dass Andrej Kunz mich als Co-Trainer unterstützen wird. Ich glaube, dass er auch noch einmal neuen Input geben kann und dass wir uns gut ergänzen. Zudem wird Tim Gersner für den gesamten Damenbereich das Torwart-Training übernehmen.

Wie sieht Ihre Handball-Philosophie aus? Unterscheiden Sie sich hier von Ihrem Vorgänger Maik Haverkamp?

Die grundsätzliche Handball-Philosophie geht sicherlich in die gleiche Richtung wie die von Maik, da er mich als Trainer in meiner eigenen Jugendzeit sehr erfolgreich geprägt hat. Jedoch bin ich im Vergleich eher taktisch und technisch orientiert. Ich lege besonders großen Wert auf die richtige Auswahl von Taktiken und die richtige Ausführung von Techniken. Mir bereitet es viel Spaß, mit der Theorie zu arbeiten beziehungsweise zu versuchen, diese bestmöglich auf das Team zu übertragen und sie ihm zu vermitteln. Maik ist da vergleichsweise eher der Pragmatiker.

Stichwort Unterbau: Wie schaut es da in den weiblichen Jugendteams des TV Neerstedt aus?

Aktuell profitieren wir zur kommenden Saison hoffentlich von einem starken Jahrgang 2001, der seine erste Landesliga-Saison vor vier Jahren mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz beendete und nun, ohne externe Zugänge, die Vorrunde zur Oberliga gespielt und somit eine großartige Entwicklung absolviert hat. Das setzt sich im Jahrgang 2002 noch fort. Darunter müssen wir aber ehrlich gesagt froh darüber sein, immerhin alle Altersklassen besetzt zu haben. Wir haben sicherlich einige Talente dabei, die wir versuchen, bestmöglich weiterzubringen, um sie in einigen Jahren an unsere 1. Damen heranführen zu können. Es mangelt aber grundsätzlich an Qualität in der Breite der Teams. Für einen „Dorfverein“ sind wir da aus meiner Sicht aber schon sehr gut aufgestellt.

Das Interview führte Jörn Franke.

Info

Zur Person

Cordula Schröder-
Brockshus

war viele Jahre selbst als Handballerin im Leistungsbereich in Neerstedt und in Oyten aktiv, ehe Verletzungen ihre aktive Karriere beendeten. Zur neuen Saison übernimmt die 26-Jährige bei ihrem Stammverein TV Neerstedt das Amt der Trainerin der Frauenmannschaft. Noch steht nicht fest, in welcher Leistungsklasse die angehende B-Lizenz-Inhaberin mit ihrem Team angesiedelt sein wird. Eine vorzeitige Beendigung der Saison müsste für den Tabellenletzten der Oberliga Nordsee nicht unbedingt den Abstieg bedeuten.

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