Krimi in der Zufluchtskirche Axtmord in Dünsen

Am Freitagabend improvisierte die Theatergruppe "Die anderen 6" innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kultur am Glockenturm“ in der Dünsener Zufluchtskirche einen Krimi.
16.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marcel Nobis

Am Freitagabend improvisierte die Theatergruppe "Die anderen 6" innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kultur am Glockenturm“ in der Dünsener Zufluchtskirche einen Krimi. Weder die Gruppe noch die Zuschauer kannten im Vorfeld den Ausgang oder die genaue Handlung.

Es ist ein dunkler und stürmischer Herbsttag in Dünsen. Aus einem alten Bunker der Luftmunitionsanstalt (Muna) hört man gegen kurz nach 23 Uhr einen lauten Schrei. Als am nächsten Tag die Polizei eintrifft, findet sie eine tote Frau – erschlagen mit einer Axt. Daneben: ein plattgetretener und übergewichtiger Hamster und ein Pfefferminz-Teebeutel. Doch keine Angst, der Vorfall ist reine Fiktion und das Ergebnis der Improtheatergruppe „Die anderen 6“ aus Bremen. Am Freitagabend improvisierten sie innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kultur am Glockenturm“ in der Dünsener Zufluchtskirche einen Krimi. Weder die Gruppe noch die Zuschauer kannten im Vorfeld den Ausgang oder die genaue Handlung.

„Wir improvisieren heute aus dem Moment. Daher bitten wir sie, uns Inspiration zu bringen“, meinte Schauspielerin Ina Kleiner vor dem Stück. Das Publikum konnte mit Zurufen eigene Ideen in den Krimi einbringen – vom Namen der Protagonisten bis zur Mordwaffe. Zunächst ging es um den Schauplatz der ersten Szenen. Ein Ort in Dünsen sollte es sein, Künstler und Zuschauer einigten sich auf die Turnhalle. Danach stand die Charaktererstellung an. Die vier Schauspieler kamen nacheinander auf die Bühne und fragten: Wie heiße ich? Wie alt bin ich? Als was arbeite ich? Eine jeweils individuelle Frage schloss sich an.

Den Anfang machte Schauspieler Andy Wallace. Das Publikum rief ihm munter Namen, Alter und Berufe entgegen, schlussendlich entschied er sich, einen 37-jährigen Postboten namens Paul Schröder zu spielen. „Jetzt müssen sie mir noch ein Geheimnis nennen, das ich habe“, sagte Wallace, woraufhin ganz frech und direkt aus dem Publikum kam: „Du gehst fremd.“ Wallace lief auf der Bühne einmal im Kreis, verinnerlichte seine Rollen und trat als junger Charmeur vor die Zuschauer.

Schauspielerin Ina Kleiner wurde kurzerhand zur 26-jährigen Turnhallenputzfrau Chantal Meyer, ihr Kollege Lars Vockensohn mimte auf der Bühne den introvertierten Leichenbestatter Gregor Kowalski. Als Vierte im Bunde trat die Schauspielerin Jasmin Zegula vor das Publikum. Aus ihr wurde eine junggebliebene 43-jährige Aerobic-Trainerin mit einem Lachen wie eine Ziege. Name: Carola Wagenknecht.

Mit den Namen lief aber nicht immer alles richtig. So wurde aus Wagenknecht gerne einmal Wagenfeld, und Schauspieler Andy Wallace vergaß kurzum, dass er Paul hieß. Doch die kleinen Aussetzer trugen noch zusätzlich zur Belustigung des Publikums bei. Die gut 85 Zuschauer waren es auch, die zu Beginn des Stückes über Leben und Tod entscheiden durften. Ihre Wahl fiel auf die Aerobic-Trainerin. Der Krimi baute sich entsprechend um sie auf.

So zeigten die ersten Szenen eine Liebschaft zwischen Trainerin Carola und Charmeur Paul, die von der Impotenz des Postboten peinlich gezeichnet war. Leichenbestatter Gregor hingegen offenbarte seine heimliche Zuneigung zu Carola. „Dürfte ich dich mal zu einem Saft einladen?“, fragte er, woraufhin ihm die Aerobic-Trainerin lachend entgegnete: „Du bist nicht mein Typ, du stocherst in Leichen rum.“ Und auch die etwas unbeholfene Putzkraft Chantal entwickelte einen Hass gegenüber der junggebliebenen Sportfanatikerin. Dem Publikum standen also drei Figuren mit potenziellen Mordmotiven gegenüber.

Als kurz das Licht ausging und ein lauter Schrei hinter der Bühne erklang, war es um Aerobic-Trainerin Carola geschehen. Nun begann die Suche nach dem Mörder. Einzig er selbst wusste davon, da nach dem Mord im Geheimen der Täter unter den drei Schauspielern ausgelost wurde. Da Jasmin Zegula ihre Figur Carola nicht mehr zu spielen brauchte, verwandelte sie sich – in Abstimmung mit dem Publikum – in die 64-jährige Kommissarin Hedwig Scheel. „Der kam mir einfach so“, meinte Zuschauerin Anja Helms aus Dünsen, die den Namen für die Kommissarin reingerufen hatte.

Als Tatort wählte das Publikum einen Bunker in der Muna, als Tatwaffe eine Axt. „Jetzt brauche ich noch zwei Gegenstände, die am Tatort liegen“, erklärte Ina Kleiner. Man einigte sich auf einen 600 Gramm schweren Hamster und einen unbenutzten Teebeutel. Pfefferminze um genau zu sein. Anschließend folgten die Befragungen, in denen jeder der drei Figuren den Verdacht auf sich zog. Paul zeigte seine abnormale Hingabe für Hamster und Gregor entpuppte sich als Axtliebhaber. Chantal trank zum Abnehmen nur noch Pfefferminztee und joggte nachts durch die Muna.

Schauspielerin Jasmin Zegula kannte den Mörder selbst nicht und musste am Ende des Abends in ihrer Rolle als Kommissarin den Täter ermitteln. Ihr Tipp fiel auf die Putzkraft Chantal, womit sie tatsächlich richtig lag. „Das ist in den letzten Krimiaufführungen das erste Mal, dass der Tipp wirklich richtig ist“, zeigte sich Ina Kleiner nach dem Stück überrascht. Und weiter: „Das ist immer ein wenig Bauchgefühl.“ Neben den vier Schauspielern auf der Bühne untermalte zudem Thorsten Misfeld am Keyboard den Abend mit Musik.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+