Umnutzung des Gebäudes für Krippe Schulschluss in Dünsen

Dünsen. Die Grundschule Dünsen ist Geschichte. Zwar müssen sich formal gesehen noch der Schulausschuss der Samtgemeinde Harpstedt in einer am gestrigen Freitag kurzfristig für den 16.
07.11.2015, 00:00
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Von Ute Winsemann

Die Grundschule Dünsen ist Geschichte. Zwar müssen sich formal gesehen noch der Schulausschuss der Samtgemeinde Harpstedt in einer am gestrigen Freitag kurzfristig für den 16. November angesetzten Sondersitzung und zehn Tage später der Rat mit der Aufhebung des Schulstandorts befassen. Doch faktisch ist der Beschluss bereits in einer Sondersitzung des Rats am Donnerstagabend gefallen. Denn da hat nach Auskunft von Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse eine Mehrheit von 14 gegen elf Stimmen bei einer Enthaltung das bisherige Schulgebäude als Standort einer neuen Kinderkrippe festgelegt. Und für Krippe und Schule zusammen reicht der Platz nicht. Der Beschluss vom Januar dieses Jahres, die Grundschule Dünsen zu erhalten und dafür sogar den Einzugsbereich zu erweitern, ist damit hinfällig.

Wenn die Planungen für die nötigen Umbauten zügig vorangingen, könnten die Arbeiten im Sommer beginnen, sagte Wöbse. Das heißt aber auch, dass die Grundschüler schon zum nächsten Schuljahr Dünsen verlassen müssen. Sie kommen dann in der einzigen in der Samtgemeinde verbleibenden Grundschule im Flecken Harpstedt unter. Wie sich der Übergang im Einzelnen vollziehe, müsse noch festgelegt werden, sagte Wöbse. Teils sei das Sache der Samtgemeinde, teils aber auch nur schulintern oder mit der Landesschulbehörde zu klären. Es gelte, den pädagogisch sinnvollsten Weg zu finden.

Das wird insofern nicht ganz einfach, als die beiden bislang eigenständigen Schulen nach unterschiedlichen Systemen gearbeitet haben. Während in Dünsen die ersten beiden Klassen zu einer Eingangsstufe zusammengefasst sind, laufen in Harpstedt die Jahrgänge jeweils einzeln. Zumindest räumlich sei es aber kein Problem, sämtliche bisher in der kleinen Dorfschule unterrichteten Kinder in der größeren Schule im Flecken unterzubringen, sagte Wöbse. „Das lässt sich mit null Veränderungsbedarf machen.“

Die Umwandlung der Grundschule Dünsen für die beiden Krippengruppen, die dort einziehen sollen, dürfte dagegen laut einer Schätzung der Verwaltung unterm Strich mit etwa 250 000 bis 300 000 Euro zu Buche schlagen. Damit verrechnet sind bereits die auf 300 000 Euro veranschlagten Kosten, die sonst für eine zukunftsgerechte Gestaltung des Gebäudes für die weitere Nutzung als Schule angefallen wären. Damit war die nun vom Rat bevorzugte Variante deutlich billiger als alle anderen, die von der Verwaltung vorgeschlagen worden waren, oder auch zwischenzeitlich aufgekommene weitere Vorschläge für eine Beherbergung der Krippe im Dorfgemeinschaftshaus Groß Ippener oder Neubau-Standorte in Dünsen.

Die standen in der Sitzung aber gar nicht ernsthaft zur Debatte, Anträge gab es nur für die Umnutzung des Schulgebäudes in Dünsen (Günter Wöbse, CDU) oder einen Neubau an der bestehenden Kindertagesstätte „Zwergnase“ im Flecken (SPD-Fraktion). Die Befürworter der Dünsener Lösung führten dafür aber nicht nur finanzielle Gründe an, sondern auch die mangelnde Zukunftsperspektive für die kleine Schule, die mit immer geringeren Schülerzahlen zu kämpfen hatte, für die sich auch in zweiter Ausschreibung keine Leitung gefunden hatte, sodass sie schon seit geraumer Zeit kommissarisch von Harpstedt aus mit geleitet wurde, und von der sich – wie vor den Sommerferien bekannt geworden war – sämtlich noch vorhandenen Lehrkräfte wegversetzen lassen wollen. Diejenigen, die lieber weiterhin eine Schule in Dünsen gesehen hätten, verwiesen dagegen unter anderem auf die Bedeutung für die Dorfgemeinschaft und kritisierten darüber hinaus mangelnde Verlässlichkeit der Politik, wenn der Rat weniger als ein Jahr nach der Bestandszusage eine gegenteilige Entscheidung fälle.

Darüber abgestimmt wurde schließlich geheim. Dabei sei es noch zu einer „ungewöhnlichen Begebenheit“ gekommen, schilderte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse: Während der laufenden Abstimmung habe der Dünsener Bürgermeister Hartmut Post (CDU) erklärt, dass er sich enthalten wolle, das nach außen hin aber nur deutlich werden lassen können, indem er nicht mitstimme. Diesen Eingriff in den Abstimmungsvorgang habe anschließen Götz Rohde (Grüne) moniert. Daraufhin sei die Abstimmung wiederholt worden, dabei habe dann auch Post mitgemacht. Das erste Ergebnis sei gar nicht erst ausgezählt und nur das zweite gewertet worden.

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