Flugplatz Ganderkesee

50 Jahre „Touristisches Highlight“

Der Flugplatz in Ganderkesee besteht seit 50 Jahren. Das feierte Gründerfamilie Sauer nun am Wochenende zusammen mit Gästen aus der Fliegerszene und der Gemeinde.
23.06.2019, 13:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Wolff
50 Jahre „Touristisches Highlight“

Flugplatzbetreiber Ralf Sauer und sein Vater Jochen Weyhausen-Sauer (vorn, von links) der den Flugplatz vor 50 Jahren gründete, feierten mit Gästen das Jubiläum.

INGO MÖLLERS

Ein wichtiges Jahr für die Fliegerei war 1969: Apollo 11 startete zum ersten benannten Flug zum Mond, das größte Flugzeug der Welt, die Boeing 747 hob zum Erstflug ab – und auch in Ganderkesee tat sich etwas in Sachen Fliegerei: Vor 50 Jahren wurde der Flugplatz in Ganderkesee gegründet. Das feierten Piloten und Mitglieder der Fliegerszene und der Gründerfamilie Sauer nun am Sonnabend bei einem Festakt auf dem Flugplatzgelände.

Recht humorvoll sollte der Abend werden. Dafür sorgte der Performer Tim Verbarg. Als kurioser Butler Dr. Jonny Walker zog er zunächst mit Frack mit deformiertem Hut durch das Publikum. Die Rede des Flugplatzbetreibers Ralf Sauer übersetzte er in ein launiges Englisch – im Zweifel mit: „Hello again.“

Aber auch so war Sauers Rede schon recht kurzweilig, weil er seine Erlebnisse mit kleinen Anekdoten auflockerte. Sein Vater Jochen Weyhausen-Sauer hatte vor über 50 Jahren dafür gesorgt, dass Ganderkesee einen Flugplatz bekommt. Die eher symbolische Formulierung „Ich bin also auf dem Flugplatz geboren worden. Ich erinnere mich noch daran, als ich acht Jahre alt und der Flugplatz in den Startlöchern war“ übersetzte der Butler Dr. Jonny Walker mit: „He was eight years old, when he was born.“ Unbeirrt erzählte Sauer weiter, wie er mit seinem Vater auf eine Wiese gefahren ist, auf der der Flugplatz entstehen sollte: „Ich durfte dann auch mal ans Steuer und habe den Wagen zielsicher in ein Schlammloch gelenkt. Wir waren so festgefahren, dass wir ohne Hilfe nicht wieder herauskamen.“

Jochen Weyhausen-Sauer, der bei dem Fest natürlich ebenfalls nicht fehlen durfte, erwähnte in seiner Ansprache stolz, dass Ganderkesee weltweit auf allen Flugplatzkarten verzeichnet ist und fasste die Geschichte des Flugplatzes zusammen: Ein erster Grundstein für die Basis der Flugplatzgründung war der 23. Mai 1969, der Tag des Grundstückkaufvertrages. Am 22. Juni, auf die Minute genau 50 Jahre vor dem Festakt, fiel die Investitionsentscheidung: „Wir hatten mit zwei Millionen Mark gerechtet“, sagte Weyhausen-Sauer nach seiner Ansprache. „Sechs Millionen hat er dann schließlich gekostet. Das muss man aber ins Verhältnis setzen: Ein Einfamilienhaus hat damals 50 000 bis 60 000 Mark gekostet.“ Die Genehmigung zum Bau und Betrieb des Flugplatzes ging am 26. November ein.

Am 27. März 1970 gab Flugbetriebskontrolleur Walter Löwe den Flugverkehr frei, die befestigte Start- und Landebahn wurde am 21. August 1970 freigegeben. Am 7. November versammelten sich die Mitglieder des Luftsportvereins Ganderkesee und anderer Vereine, des Rates und der Verwaltung der Gemeinde, Bewohner Ganderkesees und Gäste aus den Nachbarorten auf dem Flugplatz. Denn an diesem Tag wurde der Flugplatz eingeweiht. Bis aber alle Baumaßnahmen gemäß der Investitionsplanung vom 22. Juni 1969 fertiggestellt waren und sogar das Airfield Hotel und Restaurant eingeweiht werden konnte, dauerte es noch bis zum 10. April 1974. Die Atlas Air Service als Luftfahrttechnischer Betrieb und Flugzeughandel wurde am 8. April 1970 gegründet. Auch dann soll noch das 50-jährige Bestehen gefeiert werden.

Bürgermeisterin Alice Gerken bezeichnete in ihrer Rede den Flugplatz – oder Verkehrslandeplatz wie er im Behördendeutsch heißt – als „touristisches Highlight“ und mit fast 100 Arbeitsplätzen als einen der „großen Arbeitgeber“ in der Gemeinde. „Wenn ich Besuchern unserer Gemeinde erzähle, sage ich, dass Ganderkesee 32 000 Einwohner und einen Flugplatz hat. Dann sagen die Leute: 'Ja, in Bremen.' Und ich korrigiere dann: 'Nein, hier in Ganderkesee.'“

Zur Feier des Jubiläums hielt auch der ehemalige Manager Reiner Meutsch den Vortrag „Abenteuer Weltumrundung“. Meutsch hat 2010 die Welt umrundet und Schulen in der Dritten Welt erbaut. Er selbst bezeichnete den Vortrag als „Liveshow“, denn er sprach bei seinem Vortrag nicht nur am Stehpult. „Wir haben Yma América eingeladen, die im Musical 'König der Löwen' gesungen hat, es kommt noch die Körperperformance-Künstlergruppe Adesa aus Ghana und noch weitere Künstler aus aller Welt“, verriet Meutsch bereits vor seinem Auftritt. In seiner Liveshow zeigte er Videos und hunderte von Bildern aus aller Welt und brachte den Zuschauern so die unterschiedlichen Kulturen näher, die er auf seiner Weltumrundung im Kleinflugzeug kennengelernt hat.

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