Artenschutzprojekt der FDP

Rückzugsräume für Feldhase und Kiebitz

Die FDP in Ganderkesee schlägt ein ambitioniertes Artenschutzprojekt vor: Dafür sollen drei bis fünf Quadratkilometer Grünland zehn Jahre lang dem Schutz von Feldhase, Kiebitz und Co. gewidmet werden.
08.03.2021, 15:28
Lesedauer: 3 Min
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Rückzugsräume für Feldhase und Kiebitz
Von Jochen Brünner
Rückzugsräume für Feldhase und Kiebitz

Die Bestände von Feldhasen sind in den vergangenen Jahren ebenso zurückgegangen wie die verschiedener Vogelarten. Das Artenschutzprojekt soll unter anderem die Nahrungssituation und die Reproduktionsbedingungen für gefährdete Arten verbessern.

Julian Stratenschulte/dpa

Die FDP-Fraktion im Ganderkeseer Gemeinderat betreibt mit ihrem jüngsten Antrag aktiven Wahlkampf bei Feldhasen, Rebhühnern, Kiebitzen, Feldlerchen und anderen gefährdeten Arten: Mit einem amibitionieren, auf zehn Jahre angelegten Modellprojekt möchten die Liberalen Rückzugsräume für diese Tiere schaffen und damit die Nahrungssituation sowie die Reproduktionsbedingungen verbessern. Das Vorhaben sieht vor, für einen Zeitraum von zehn Jahren in der Gemeinde drei bis fünf Quadratkilometer Grünlandflächen für den Artenschutz auszuweisen. Die Idee: Interessierte Landwirte melden Flächen bei der Gemeinde, die dann in Kooperation mit Fachleuten überprüft, ob die benannten Areale für die Zwecke des Projekts infrage kommen.

Um die Jungtiere zu schützen, bleiben die ausgewählten Flächen ab Mitte März für einen festgelegten Zeitraum weitgehend unbearbeitet. Außerdem sollen sich die Landwirte verpflichten, Pflegemaßnahmen zeitlich gestaffelt zu erledigen. Gefundene Kiebitznester werden markiert und so geschützt. Zusätzlich sollen mindestens zehn Prozent der Projektfläche zu artenreichem Grünland, Grabenrändern und Säumen aufgewertet werden. „Diese Flächen sollen möglichst ungestört sein, also weitab von häufig begangenen Wegen liegen“, erklärt FDP-Fraktionschefin Marion Daniel das Anforderungsprofil. Um den Erfolg zu dokumentieren, solle die Verwaltung ferner eine fachliche Begleitung organisieren, die jeweils am Ende der Brut- und Setzzeit den Bestand an Feldhasen sowie all jener Kiebitze erfasst, die das Kükenalter überlebt haben.

„Im Prinzip warte ich seit 20 Jahre darauf, dass in der Gemeinde etwas in dieser Richtung passiert“, findet der Antrag auch die Zustimmung von Landschaftsökologe Klaus Handke. „Und es wäre höchst lobenswert, wenn die Gemeinde das selbst in die Hand nimmt und nicht auf Programme des Landes oder der EU wartet.“ Wichtig sei aber auf jeden Fall, dass das Vorhaben nachhaltig betrieben werde. „Der größte Ehrgeiz bringt nichts, wenn sich das nach einem Jahr schon wieder erledigt hat“, sagt Handke. „Und hier ist noch nicht alles so kaputt wie in anderen Landkreisen.“

Die FDP sieht ihren Antrag in Einklang mit dem „Niedersächsischen Weg“, den die Landesregierung, das Landvolk, die Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände mit dem gemeinsamen Ziel vereinbart haben, Natur-, Arten- und Gewässerschutz zu verbessern. Und das geht vor allem nicht ohne die Landwirte, die für Bewirtschaftungsweisen, die dem Erhalt seltener, gefährdeter oder geschützter Arten dienen, einen finanziellen Ausgleich erhalten sollen. „Als angemessene Förderung des veränderten Bewirtschaftungszeitraums ihrer Flächen für das Modellprojekt halten wir eine Pauschale von 120 bis 150 Euro pro Hektar und Jahr für angemessen“, erklärt Daniel und fordert, im Haushalt erst einmal 10.000 Euro für das Projekt bereitzustellen. Möglich wäre auch, pro Kiebitznest mit Aufzuchterfolg einen festgelegten Betrag – etwa 50 Euro – zu zahlen.

Aber ist das Modell für Landwirte überhaupt attraktiv? „Es muss eben passen“, sagt Jürgen Struthoff, FDP-Ratsherr und selber Landwirt. „Für Nebenerwerbsbetriebe, die nicht auf den höchsten Ertrag angewiesen sind, könnte das durchaus etwas sein. Und wir wollen niemand in seiner Wirtschaftlichkeit einschränken.“

Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Drei bis fünf Quadratkilometer entsprechen 300 bis 500 Hektar. Zum Vergleich: Bei einer Gesamtfläche der Gemeinde Ganderkesee von rund 138 Quadratkilometern wäre dies ein Anteil von rund drei Prozent. Die „Bienenglück“-Fläche am Rande des Bürsteler Fuhrenkamps ist vier Hektar groß. „Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass eine große, zusammenhängende Fläche entwickelt wird. Es geht immer nur um Kleinflächen innerhalb eines abgegrenzten Bereichs“, betont Handke. Wobei es durchaus sinnvoll sei, Schwerpunkträume zu bilden: „ So verfährt auch die Gemeinde, wenn sie Ausgleichsflächen ausweist. Die befinden sich oft in demselben Gebiet.“

„Wir halten auch eine Expertise der Jägerschaft für sinnvoll, da der Hegering aufgrund seiner Kenntnis der örtlichen Situation bezüglich des Prädationsdrucks seine Einschätzung zu den Erfolgsaussichten auf den in Rede stehenden Flächen darstellen kann“, sagt Daniel. Der Prädationsdruck bezeichnet dabei das Verhältnis von Räubern und Beutetieren in einem Gebiet. Außerdem möge die Verwaltung prüfen, ob möglicherweise Fördergelder für eine Ausweitung des Projekts zur Verfügung stehen. Auch Handke hält es nicht für ausgeschlossen, dass für Flächen in Hohenböken oder Schönemoor auch mal „die richtig großen Fördertöpfe“ angezapft werden könnten.

Im nächsten Schritt müssen die politischen Gremien den Antrag diskutieren, und auch der Runde Tisch Natur wird sich des Themas annehmen. „Hier haben wir seit 2007 wirklich ein gutes Vertrauen zwischen Landwirten und Naturschützern entwickelt“, sieht Handke eine gute Gesprächsbasis.

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