Bürgerenergiegenossenschaft in Ganderkesee

Strom vom öffentlichen Dach

Die Gemeinschaft Klimaschutz Ganderkesee möchte eine Bürgerenergiegenossenschaft gründen. Ziel ist es, auf öffentlichen Gebäuden Fotovoltaikanlagen zu installieren und damit die eigenen Stromkosten zu senken.
06.06.2020, 06:25
Lesedauer: 3 Min
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Strom vom öffentlichen Dach
Von Jochen Brünner
Strom vom öffentlichen Dach

Gemeinsam Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden installieren und damit die eigenen Stromkosten senken – das ist die Grundidee einer Bürgerenergiegenossenschaft.

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Ganderkesee. Mehrere Bürger tun sich zusammen, kaufen und installieren eine Fotovoltaikanlage und sparen gemeinsam Stromkosten – das ist die Idee einer Bürgerenergiegenossenschaft, die es bald auch in der Gemeinde Ganderkesee geben könnte. „In den kommenden Jahren wollen wir für die Gemeinde Ganderkesee in diesem Bereich einiges entwickeln“, sagt Arne Renz, Initiator und Sprecher der Gemeinschaft Klimaschutz Ganderkesee (GKG). Stellt sich die Frage: Wo? Einstimmig haben die Mitglieder des Ausschusses für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz nun beschlossen, der Genossenschaft dafür grundsätzlich auch Dächer gemeindeeigener Gebäude zur Verfügung zu stellen.

Und das Angebot ist groß: Allein 19 Dächer öffentlicher Liegenschaften wären nach den Erkenntnissen von Klimaschutzmanager Lars Gremlowski für die Ausstattung mit Fotovoltaikanlagen geeignet. Darunter finden sich etwa die beiden Oberschulen, die Grundschulen Bookholzberg, Dürer Straße, Lange Straße und Heide, die Feuerwehren in Ganderkesee und Bergedorf, einige Kindergärten sowie die Jugendzentren Trend und Horst. Besonders fällt dabei die rund 5500 Quadratmeter große Dachfläche der Oberschule Bookholzberg ins Auge, auf der theoretisch bis zu 1,9 Millionen Kilowattstunden eingespeist werden könnten.

Interessant wird das Vorhaben vor allem dadurch, da eine EU-Direktive ins Haus steht, die bis Mitte 2021 in deutsches Recht umgewandelt sein muss. „Dann werden sogenannte Energy Communities möglich. Das heißt in einfachen Worten: Menschen können eine Fotovoltaikanlage gemeinschaftlich so nutzen, als wäre sie auf dem eigenen Dach“, erklärt Renz. Dies habe erhebliche Auswirkungen, weil künftig alle Bürger an der Energiewende partizipieren könnten, also auch Mieter, die das bisher nicht konnten. Über das einstimmige Votum der Politik hat er sich sehr gefreut. „Auf der einen Seite wollen wir die Dächer der Gemeinde nutzen, aber auch mit Handel, Gewerbe und Dienstleistern sind wir diesbezüglich im Gespräch“, will er das Projekt keinesfalls nur auf öffentliche Bauten beschränken. Nicht zuletzt hat die Initiative Kontakt mit dem Landkreis Oldenburg aufgenommen, da auch das Dach des Gymnasiums als potenzieller Standort für eine Fotovoltaikanlage infrage kommt.

Auch die Verwaltung begrüßt die Anfrage der GKG und sieht eine Win-Win-Situation für alle Seiten. „Für den Klimaschutz ist die Erzeugung von klimafreundlichem Strom auf vorhandenen Dächern – insbesondere bezüglich der Eigenstromnutzung – eine zentrale Stellschraube für die Energiewende“, führte Gremlowski in der Sitzung aus. Mit dem Haushalt 2020 hatte die Politik zudem einen deutlichen Ausbau der Fotovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Dächern beschlossen. So hat die Gemeinde bereits Gebäude ins Auge gefasst, auf denen sie selbst in den kommenden Jahren Fotovoltaikanlagen errichten könnten. Im Haushalt stehen dafür in diesem Jahr 150 000 Euro bereit, für die folgenden Jahre jeweils 40 000 Euro.

In anderen Kommunen hat sich inzwischen ein Modell bewährt, bei dem der Gebäudeeigentümer keine Pacht, sondern einen reduzierten Strompreis von einem Cent pro Kilowattstunde erhält. Wie das in Ganderkesee gehandhabt wird, muss die Politik zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, wenn die GKG ihre Planungen konkretisiert hat. „Wir laden alle Ganderkeseer ein, das Projekt mitzugestalten und Fotovoltaikanlagen auf die Dächer zu bringen“, betont Renz. Bislang gibt es in Ganderkesee drei Bürgersolaranlagen, die alle im Zeitraum zwischen Mai 2007 und Juli 2008 in Betrieb genommen worden sind. Sie befinden sich auf dem Klassentrakt der Oberschule Ganderkesee, der Turnhalle der Grundschule Heide sowie auf dem Gebäude der Oberschule Bookholzberg.

Maßgeblicher Motor war seinerzeit der damalige SPD-Ratsherr Ralf Eilers. Seit der sich aus der politischen Arbeit zurückgezogen hat, ist beim Thema genossenschaftlich genutzter Fotovoltaik allerdings nicht mehr viel passiert.

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