Bürgerinitiative Zum Altengraben

Der Schrecken nimmt Gestalt an

Lange hat sich die Bürgerinitiative Zum Altengraben vergeblich für eine Änderung des Bebauungsplanes eingesetzt. Nun sehen sie die Folgen der Beschlüsse.
14.09.2021, 14:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
Der Schrecken nimmt Gestalt an

Die Vertreter der Bürgerinitiative Zum Altengraben können sich mit der Bebauung vor ihrer Haustür immer noch nicht anfreunden (von links): Hartmut und Bonte Rippena sowie Klaus Totzke und Sabine Schmöcker-Totzke.

INGO MöLLERS

Aus den Befürchtungen wird Realität: Mit den Fortschritten im Neubaugebiet an der Straße Zum Altengraben in Schönemoor zeigt sich für die Anwohner und Vertreter der Bürgerinitiative nun, dass die Häuser nicht wie angekündigt in die bestehende Struktur passen. „Das ist eine Farce: Uns wurde versichert, dass sich die Bebauung dem Ortsbild angleicht“, bemängelt Sabine Schmöcker-Totzke, wenn sie nun überblickt, was in ihrer unmittelbarer Nachbarschaft entsteht.

Den großflächigen, älteren Einfamilienhäusern auf der einen Seite steht nun ein Sammelsurium an dicht bebauten Häusern und Doppelhaushälften auf der anderen gegenüber. „Das ist ein Widerspruch hoch zehn“, sagt sie mit Blick auf die im Wahlkampf angepriesene behutsame Bebauung in der Gemeinde. Dabei sei das Gebiet in Schönemoor ein Außenbereich des Ortes, ländlich geprägt. So ein Fleck, so die einhellige Meinung der Eingesessenen, passe da einfach nicht hin.

Begeisterung hatten die Pläne ohnehin nicht ausgelöst. Mit einem eigenen Entwurf hatte die Bürgerinitiative jedoch versucht, ein aus ihrer Sicht passenderes Konzept einzubringen. „Wir haben zukunfts-, klimaorientiert und sozialverträglich geplant“, sagt Bonte Rippena. Doch erhärte sich der Eindruck, dass Politik und Verwaltung hier andere Interessen verfolgt hätten. Ob das geforderte Auffangbecken für Starkregen, der Erhalt der Streuobstwiese oder die Reduzierung um zwei Flächen, um großzügiger zu planen – mit den Vorschlägen sei die Initiative komplett abgeblitzt. „Hauptsache bauen“, so der Eindruck von Hartmut Rippena.

Wobei diese Aussage nur mit einer Einschränkung gültig sei, wie der Anwohner selbst einschränkt. Während bei den ersten Häusern bereits die Fassade weitgehend fertig sei und andere Tag für Tag weiter in die Höhe wüchsen, liege noch eine Fläche brach. „Bei den Sozialwohnungen hat sich noch nichts getan. Das Grundstück ist noch nicht einmal erschlossen“, sagt er und schmunzelt.

Fast unmittelbar an den Zaun des landwirtschaftlichen Betriebs reihen sich nun ebenfalls die Bauten. Hier hat die Bürgerinitiative immerhin einen kleinen Erfolg erzielt. Die Bauhöhen wurden auf 4,80 Meter beschränkt für die Flugschneise der Fledermäuse. Dass diese Vorgabe für die hinteren Häuser nicht mehr gilt, löst bei den Anwohnern jedoch noch immer Verwunderung aus. „Das gilt für die Häuser nebenan nicht?“, fragt Klaus Totzke ironisch mit Blick auf die vorgegebenen Flugwege. Zumal ohne den Einsatz der Bürgerinitiative noch mehr Bäume gefällt worden wären.

Wütend, sauer, enttäuscht – so beschreiben die Anwohner ihre Gefühlslage. „Den Leuten wurde Großes versprochen, und das wurde nicht gehalten“, bilanziert Bonte Rippena. Auch bei manchen der künftigen Nachbarn falle der Eindruck nun deutlich getrübter aus; nun, da sie ihr neues Zuhause nicht mehr nur auf dem Papier sähen, erzählt sie.

Umso verärgerter zeigen sich die Vertreter der Bürgerinitiative nun, dass sie sich von Mitgliedern des Gemeinderats und Mitarbeitern der Verwaltung nicht ernst genommen fühlten. „Teils wurden unsere Vorschläge nicht einmal zur Kenntnis genommen“, rekapituliert Bonte Rippena. Nun fühlten sie sich an die Köhlerwiese erinnert. „Die Unterschiede sind zu krass“, sagt Schmöcker-Totzke.

Von Bürgernähe oder Volksvertretern hätten sie während des gesamten Prozesses nichts gespürt. Kritik äußern die Anwohner hier vor allem an der CDU. Als einzige Partei sei die Partei nicht zu einem Termin vor Ort gewesen. Auf Nachfrage verweist der Fraktionsvorsitzende auf ein Treffen auf „neutralem Boden“ im Rathaus und weiteren telefonischen Kontakt. „Die Örtlichkeiten sind uns bekannt, ein Ratsmitglied wohnt dort“, sagt Ralf Wessel. Den Vorwurf, sich einem Gespräch verweigert zu haben, will er daher nicht gelten lassen: „Das war ein reger und intensiver Austausch.“ Am Ende habe man sich jedoch den von der Bürgerinitiative kritisierten Argumenten der Verwaltung und dem Gutachten angeschlossen.

Am Unmut der Bürgerinitiative ändert diese Einschätzung allerdings nichts. Auch wenn Beschlüsse gefasst und der Bebauungsplan schon lange rechtskräftig sind. „Wir müssen damit leben“, merkt Schmöcker-Totzke an – und nun sähen die Anwohner eben allmählich das Ergebnis dieser Vorgehensweise.

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