Bürgermeisterkandidat

Vom Kirchenbüro ins Rathaus

Der Ganderkeseer Udo Heinen geht mit Unterstützung der Grünen und SPD in die Bürgermeisterwahl 2021. Beide Parteien hatten sich auf den gemeinsamen Kandidaten geeignet, auch weil er Verwaltungserfahrung hat.
15.10.2020, 17:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Siemer
Vom Kirchenbüro ins Rathaus

Der Ganderkeseer Udo Heinen stammt gebürtig aus Oldenburg und studierte in Hamburg Rechtswissenschaften.

INGO MÖLLERS

Die Kandidatenrunde für die Wahl des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin in Ganderkesee komplettiert sich langsam. Am Mittwochnachmittag stellte sich mit dem Volljuristen Udo Heinen der dritte Bewerber vor. Heinen, Vorsitzender des Ganderkeseer Ortsverbandes von Bündnis90/Grüne, wird von seiner Partei und zudem von der SPD unterstützt.

Für die Grünen war früh klar, mit einem eigenen Kandidaten in die Bürgermeisterwahl 2021 zu gehen. Schon 2014 hatten die Grünen mit Jens Gause einen Bewerber gegen die amtierende Bürgermeisterin Alice Gerken ins Rennen geschickt. Gause kam auf 20 Prozent, ein Achtungserfolg, mehr nicht. „Das wollten wir nicht nochmal“, sagte Volker Schulz-Berendt, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Ganderkeseer Gemeinderat. Man suchte deshalb Kooperationspartner. „Und wir waren froh über die Gespräche mit der SPD, die unserem Parteiprogramm am nächsten kommt“, sagt Schulz-Berendt.

Denn auch die Sozialdemokraten waren auf der Suche nach Partnern für einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. „Wir haben uns schon im Januar Gedanken über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin der amtierenden Bürgermeisterin gemacht, unabhängig davon, ob sie noch mal antritt oder nicht“, erklärte Stephan Bosak, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Im kleinen Kreis hätten dann die Spitzen der Grünen und der SPD die Kriterien für einen gemeinsamen Kandidaten festgelegt. „Für uns waren sachliche Kriterien eine Verwaltungserfahrung, Führungserfahrung, Erfahrungen in der Kommunalpolitik und vor allem ob es Ideen für das Amt gibt“, sagte Bosak. Der letzte Punkt sei besonders von Bedeutung. „Ein Bürgermeister hat auch einen Gestaltungsauftrag“, betonte Bosak.

Nachdem mehrere Kandidaten aufgrund der erwähnten Anforderungen ausschieden, habe man sich auf Udo Heinen fokussiert. „Warum machst du das nicht“, wurde der heutige Kandidat dann gefragt. Heinen erbat sich Bedenkzeit. Sagte dann aber zu. „Ich hatte das Gefühl, noch einmal etwas Neues zu machen“, erklärte Heinen seinen möglichen Wechsel aus dem Büro des Oberkirchenrats in das Ganderkeseer Rathaus. Die Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins stimmte der Nominierung am vergangenen Freitag mit großer Mehrheit zu. Bei den Grünen erfolgte die Kandidatenkür per Akklamation.

Für das Amt sieht sich Udo Heinen gut gerüstet, auch weil sein Lebenslauf auf die Verwaltungsarbeit zugeschnitten ist. „Ich möchte Hauptverwaltungsbeamter werden und das Rathaus mit seinen 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen“, kündigt Heinen an. In der Führungsebene der Verwaltung stehen in absehbarer Zeit mehrere Veränderungen an, die er mitgestalten möchte.

Und er möchte mehr Transparenz in die Verwaltungsarbeit bringen: „Dazu gehören transparente Sitzungsvorlagen. Wir müssen die Digitalisierung voranbringen.“ Der Klimaschutz ist für ihn dagegen eine Selbstverständlichkeit im Verwaltungshandeln: „Wir müssen jede Beschlussvorlage dahingehend überprüfen, welche Finanz- und Klimaauswirkungen sich dadurch ergeben.“ Das Rathaus müsse nicht gläsern sein, aber offene Fenster haben. Sein oberstes Ziel ist es deshalb auch, eine professionelle Verwaltung aufzustellen. „Dafür bringe ich viel Lebens- und Berufserfahrung mit“, erklärte Heinen.

Gestalten möchte er auch einen erfolgreichen Übergang aus der derzeitigen Corona-Situation in die sich dann entwickelnde Nachfolgezeit. „Wir müssen um jeden sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz kämpfen“, sagte Heinen. Auch müsse man darauf achten, dass das Vereinsleben in Ganderkesee nicht komplett kaputt geht. Unter dem Motto „Lad den Heinen ein“ will er bis zum Wahltag Gespräche in den vielen Vereinen führen: „Ich möchte wissen, was die Vereine bewegt und aufzeigen, dass es für jeden Verein eine Perspektive gibt.“ Das Vereinsleben kennt er aus eigenen Erfahrungen. Jahrelang engagierte er sich als Handballtrainer im TSV, war Schriftführer im Ganderkeseer Tennisverein.

Heinen, am 19. März 1963 in Oldenburg geboren, ist seit dem 1. Dezember 1997 als Kirchenjurist beim Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg beschäftigt. Das Studium der Rechtswissenschaften absolvierte er zwischen 1986 und 1990 in nur acht Semestern an der Universität Hamburg und beendete dieses mit dem ersten Staatsexamen. Es folgte ein Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht. Heinen besuchte zudem während seiner Ausbildung die Verwaltungshochschule in Speyer und bekam eine Verwaltungsempfehlung durch die damalige Bezirksregierung Weser-Ems. Das zweite Staatsexamen folgte am 21. Oktober 1994. Nach der Tätigkeit als Rechtsanwalt wechselte Heinen 1997 in den Kirchendienst. Udo Heinen lebt seit 21 Jahren mit Ehefrau Angela Roß-Heinen, einer gebürtigen Ganderkeseerin, in der Gemeinde. Der 23-jähriger Sohn Tammo und die 19-jährige Tochter Freya studieren.

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