Gemeinderatswahlen in Ganderkesee

CDU jetzt stärkste Fraktion im Rat

Für die CDU in Ganderkesee war es ein erfolgreicher Wahlabend: Nicht nur Bürgermeisterkandidat Ralf Wessel konnte überzeugend punkten, auch die Ratswahl entschied die Partei klar zu ihren Gunsten.
13.09.2021, 16:28
Lesedauer: 4 Min
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CDU jetzt stärkste Fraktion im Rat
Von Jochen Brünner
CDU jetzt stärkste Fraktion im Rat

Der neue Ganderkeseer Gemeinderat hat eine völlig veränderte Zusammenstellung. Von 36 gewählten Ratsmitgliedern sich 18 neu dabei.

Gemeinde Ganderkesee

Bis um 2 Uhr in der Nacht wurde gezählt, doch am Ende eines langen Wahlabends in der Gemeinde Ganderkesee stand eine eindeutige Gewinnerin. Mit einem Stimmenzuwachs von 3,76 Prozent erreichte die CDU 33,5 Prozent der Stimmen und hat die SPD damit als stärkste Fraktion im Ganderkeseer Gemeinderat abgelöst. Die Sozialdemokraten verloren ihrerseits 4,5 Prozent und kamen nur noch auf 27,4 Prozent. Die Grünen konnten einige Stimmen hinzugewinnen und landeten bei 15,06 Prozent. Die FDP blieb zwar knapp unter der Zehn-Prozent-Marke, konnte ihre vier Sitze im Rat aber verteidigen. Sowohl die Freien Wähler (6,15 Prozent) als auch die UWG (5,7 Prozent) verloren ein Mandat und sind künftig nur noch mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten. Die Linke (1,95 Prozent) gewann leicht hinzu und ist auch im neuen Rat mit einem Sitz dabei.

So verfügt die CDU künftig über zwölf Sitze im Rat, zwei mehr als bisher. Die SPD verliert dagegen einen Sitz und kommt auf zehn Mandate. Das gute Ergebnis der CDU lag auch an Bürgermeisterkandidat Ralf Wessel, der mit 2437 Stimmen das beste Einzelergebnis aller Kandidaten einfuhr. Auch der Bookholzberger Apotheker Heinke Wübbenhorst konnte mit 1649 Stimmen im Gemeindenorden für die CDU stark punkten. SPD-Urgestein Christel Zießler sammelte 2200 Stimmen, Anika Hoffmann war mit 914 Stimmen das stärkste Zugpferd der Grünen. Hoffnung machen kann sich noch CDU-Kandidat Manfred Bartsch, obwohl er kaum Stimmen für seine Person gewann. Sollte Ralf Wessel aus der Bürgermeister-Stichwahl am 26. September als Sieger hervorgehen, wäre er der Nachrücker auf der Liste. Der Neu-Ganderkeseer und CDU-Bundestagskandidat Philipp Albrecht schaffte übrigens per Direktwahl den Sprung in den Rat. 

Der neue Gemeinderat, der am Mittwoch, 10. November, zur konstituierenden Sitzung zusammenkommt, wird ein völlig anderes Gesicht haben als der alte. Exakt die Hälfte der 36 Ratsmitglieder sind neu, wobei es mit Konrad Lübbe (FDP), Renate Drieling (SPD) oder Andreas Kowitz (Linke) auch einige Wiedereinsteiger gibt. Mit zehn Frauen ist deren Anteil im Ortsparlament unverändert geblieben.

In den Reihen der CDU war die Stimmung am Wahlabend prächtig. "Für uns war es schon eine Überraschung, dass Ralf Wessel bei der Bürgermeisterwahl so weit vorn liegen würde", sagte Cord Schütte, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindeverbands. Und auch bei der Ratsarbeit könne die Fraktion nun mit breiter Brust auftreten: "Wir hoffen, dass uns die beiden zusätzlichen Mandate helfen, politische Mehrheiten zu finden, ohne uns verbiegen zu müssen", meinte Schütte. "In zwei Wochen darf es gerne so weiter gehen."

"Wir hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass wir einige Stimmen verlieren würden, auf der anderen Seite haben wir gehofft, dass uns der Bundestrend ein bisschen Rückenwind bescheren würde", kommentierte Stephan Bosak, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ganderkesee, das Ergebnis. Seine Partei habe vor der schwierigen Situation gestanden, dass viele erfahrene Ratsmitglieder wie Heinz-Peter Häger, Fred Molde oder Rolf Oetken nicht wieder angetreten seien. "Insofern sind wir stolz darauf, dass wir einige junge Leute in der Fraktion etablieren konnten. Wir haben den Generationswechsel vollzogen, den andere Fraktionen noch vor sich haben", erklärte Bosak.

"Natürlich möchte man immer gerne noch mehr, aber wir haben den Gemeinderat etwas grüner gemacht", zeigte sich Grünen-Vorsitzende Carola Hüttenmüller mit dem Abschneiden ihrer Partei grundsätzlich zufrieden. Insbesondere im Dialog mit den Landwirten sieht sie eine Menge Arbeit auf die Fraktion zukommen. "Das ist eine komplizierte Lage, und wir müssen noch viel deutlicher artikulieren, was wir eigentlich wollen", kommentierte sie.

FDP-Vorsitzende Marion Vosteen ist zufrieden, dass die Fraktion ihre vier Mandate verteidigen konnte. "Auch wir haben zwar auf den Bundestrend gehofft, aber kommunal ist eben immer etwas anderes", sagte sie. Die Stimmung sei gut, und in der FDP gebe es inzwischen viele junge Mitglieder, die ehrgeizig seien und Perspektiven hätten. In der neuen Ratsfraktion ist der Bergedorfer Landwirt Jürgen Struthoff das einzige Mitglied, das auch in dieser Wahlperdiode Mitglied des Kommunalparlaments war. Nach dem Rückzug von Marion Daniel und Hans-Jürgen Hespe im Gemeindenorden ziehen Axel Konrad und Eike Brakmann für die Liberalen in den Rat ein. Im Gemeindesüden gelang Konrad Lübbe dank des Spitzenplatzes auf der Liste die Rückkehr.

Angesichts der Tatsache, einen Ratssitz verloren zu haben, zeigte sich Freie-Wähler-Vorsitzender Arnold Hansen enttäuscht. "Das lag auch an dem neuen Auszählverfahren, das die kleinen Parteien eher benachteiligt", analysierte er. Bitter sei das Ergebnis insbesondere für Volker Schmidt, der den Einzug in den Rat trotz eines Ergebnisses von 413 Stimmen verpasst habe. Hansen wurde mit 415 Stimmen direkt in den Rat gewählt. Hätte Schmidt also nur drei Stimmen mehr auf sich vereinigt, wäre er im Rat geblieben und Hansen raus gewesen.

Carsten Jesußek von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Ganderkesee (UWG) bekannte, das Wahlziel von vier Mandaten deutlich verfehlt zu haben. Wichtig sei ihm aber, dass sich die UWG weiterhin auf Augenhöhe mit den Freien Wählern bewege. Zwar sei es schade für Hella Dietz, dass sie es nicht erneut in den Rat geschafft habe, aber auch Neuzugang Michelle Gerlach werde viele starke Themen setzen, verspricht Jesußek: "Die wird den Laden rocken."

Zur Sache

Der neue Rat in Ganderkesee

CDU: Ralf Wessel (D), Stephan Neitzel (D), Günter Westermann (D), Philipp Albrecht (D), Ilda Grüttner (L), Gerd Logemann (L), Heinke Wübbenhorst (D), Cord Schütte (D), Hillard Bley (D), Timo Spille (D), Nadja Lampe (L), Gerd Hanken (L).

SPD: Christel Zießler (D), Renate Drieling (D), Kimberly Knaupe (D), Sukrü Aras (D), Ulf Moritz (L), Udo Klose (L), Marina Münstermann (D), Marcel Dönike (D), Stephan Bosak (L), Edith Ohlenbusch (L)

Grüne: Volker Schulz-Berendt (D), Annegret von Essen (L), Anika Hoffmann (D), Jens Volbert (L), Martin Faqeri (L),

FDP: Jürgen Struthoff (D), Konrad Lübbe (L), Axel Konrad (D), Eike Brakmann (L)

Freie Wähler: Arnold Hansen (D), Felix Laukart (D)

UWG: Michelle Gerlach (D), Carsten Jesußek (D)

Die Linke: Andreas Kowitz (L)

D=Direktwahl, L=Listenwahl

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