Kirchenmusiktage in Ganderkesee

Chorklang mit ungehobenen Schätzen

Mit einem ungewöhnlichen Programm mit zeitgenössischen Kompositionen aus Skandinavien und dem Baltikum hat der Bremer Frauenchor „apart“ die Kirchenmusiktage in Ganderkesee eröffnet.
28.10.2018, 16:32
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Von Günter Matysiak
Chorklang mit ungehobenen Schätzen

Mit einem ungewöhnlichen Programm mit zeitgenössischen Kompositionen aus Skandinavien und dem Baltikum hat der Bremer Frauenchor "apart" die Kirchenmusiktage in Ganderkesee eröffnet.

INGO MöLLERS

Ganderkesee. „So klingt Kirche“ lautet die Überschrift der Kirchenmusiktage 2018 des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Delmenhorst/Oldenburger Land. Und wie Kirche klingt, konnte man beeindruckend beim Eröffnungskonzert am Sonnabend in der St.Cyprian und Corneliuskirche erleben. Dort sang der Frauenchor „apart“ aus Bremen ein geistliches Programm unter der Überschrift „Er ist der ganzen Welte Licht“. Es war ein ungewöhnliches Programm, denn der Laienchor, der auf ambitioniertem, durchaus professionellem Niveau singt, kümmert sich in seinem Repertoire intensiv darum, „ungehobene Schätze“ der Musik für Frauenstimmen des 16. bis 21. Jahrhunderts zu entdecken.

Am Sonnabend ging es eine knappe Stunde lang um zeitgenössische skandinavische und baltische Musik. Kreiskantor Thorsten Ahlrichs beruhigte in seiner Begrüßung das Publikum in der gut gefüllten Kirche mit dem Hinweis, neue Musik müssen nicht immer „schräg“ klingen oder schwer zu verstehen sein. Neu war diese Musik schon insofern, als es im Publikum wohl kaum einen gegeben haben wird, der sie schon einmal gehört hätte. Und „neu“ ist sie, obwohl sie sich traditioneller Mittel bedient, die nie avantgardistisch-umstürzlerisch sind.

Das Programm, das hier ausschnittsweise rezensiert werden soll, begann mit dem 2012 komponierten „Morgengesang“ von Simon Waver, den ein Blick ins Internet übrigens als deutschen Komponisten ausweist, und der hauptsächlich für Chormusik schreibt. Das sechzehnköpfige, also in Kammerchorgröße unter der Leitung von Carsten Krüger singende Ensemble, horchte den „Morgengesang“ aus auf seine irisierende, dissonante Harmonik und eine organische, den melodischen Verlauf unterstützende dynamische Gestaltung.

Dynamische Geschmeidigkeit, die sehr atmende Melodien zur Folge hat, zeichnet grundsätzlich das Singen von „apart“ aus. Rihard Dubras „Laudate Dominum“ mit seinem effektvollen Halleluja-Glissando erfuhr eine bewegte Ausdrucksgestaltung des eindringlich wiederholten „Laudate“-Rufs, die im freudig raschen „Shout with Joy“ von Svein Erik Gundersen zu espressivem Sopranjubel wurde. Waldemar Ahlens „Sommarpsalm“ aus dem Jahre 1934 ist seine populärste Komposition geworden, taugte sogar zu einer Filmmusik. „Apart“ sang das als innigen Volksliedsatz, zeigte dabei alle Chortugenden als da etwa wären Klanghomogenität und Klangbalance. Dieser ausdrucksstarke Klang, das große Pianissimo, das über große Melodiebögen hinweg trägt, war auch zugegen in Hugo Hammarströms „Kyrie“. Michael Bojesens „Gloria“ war eines der Stücke, in denen „apart“ für beste kontrapunktische Durchhörbarkeit im fugierten Stil sorgte.

Als Orgel-Intermezzo spielte Thorsten Ahlrichs dann Justin Vickerys drei folkloristisch getönte „Orgelstykker“ aus einem norwegischen Dorf: „Dans“, ein tänzerisch bewegtes Rondo mit Bordun-Orgelbass, „Seljefloyten“ ein naturhaftes Flötenstück mit ganz sinnlich tönendem Flötenregister der so vielseitigen Schnitger-Orgel, die auch dem „Hochzeitsmarsch“ seine farbige Bildhaftigkeit gab.

Der estnische Komponist Arvo Pärt gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Sein „Peace upon you, Jerusalem“ erfuhr eine dichte, die feinen Strukturen zwischen klanglicher Statik und feinster kontrapunktischer Bewegtheit hörbar machende Wiedergabe, ließ das Stück zu einem die wichtigsten des Abends werden, natürlich auch wegen seiner Friedensbotschaft. Unter den vielen unbekannten Komponisten des Programms war Gustav Holst einer der Bekannteren. Das doppelchörige „Ave Maria“ des englischen Spätromantikers zeigte, wie nahe er der traditionellen Moderne des 20. Jahrhunderts steht – und damit diesem Programm sehr zugehörig. Für den langen Beifall bedankte sich der Frauenchor apart mit einer Wiederholung des so schönen „Sommarpsalms“.

Ein ansprechend gestaltetes Programmheftchen in leuchtendem Orange, das bei den Veranstaltungen ausliegt, weist auf die weiteren Veranstaltungen der Kirchenmusiktage hin – unter anderem auf „Wort und Musik zum Reformationstag“ am Mittwoch, 31. Oktober, um 18 Uhr in St. Cyprian, wenn Fabian Boreck (Violoncello) und Thorsten Ahlrichs (Orgel) unter anderem Werke von Bach spielen. Sprecher Christian Bormann wird Texte zu den Grundsätzen der Lehre Luthers lesen. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

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