Christine Kittel im Porträt

Das Comeback der Christine Kittel

Schwimmerin Christine Kittel ist nach neunjähriger Pause zurück und eilt direkt wieder von Titel zu Titel. Bei den Norddeutschen Meisterschaften stellte sie sieben Vereinsrekorde für den SV Ganderkesee auf.
29.03.2019, 12:56
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Von Niklas Johannson
Das Comeback der Christine Kittel

Die Schwimmerin Christine Kittel blickt auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück und peilt nach ihrem Comeback die nächsten Erfolge an.

INGO MÖLLERS

Hude. Schulter an Schulter mit der ehemaligen Weltklasseschwimmerin Sandra Völker. Dieser Traum ging für die 33-jährige Christine Kittel bereits 1999 in Erfüllung. Damals trafen in der 2. Bundesliga die SG Hamburg und die SG Weser-Ems aufeinander. Die Huderin und die zwölf Jahre ältere Völker duellierten sich auf der 100 Meter Freistil Distanz. „Ich war total nervös“, erinnert sich Kittel noch genau an dieses denkwürdige Erlebnis. Und obwohl Kittel eine neue persönliche Bestzeit ins Wasser kraulte, verlor sie das Aufeinandertreffen gegen ihr damaliges Vorbild knapp. „Es war trotzdem eine tolle Erfahrung“, ist Kittel dankbar, die erst mit zwölf Jahren mit dem Schwimmen angefangen hat, sodass eine Profi-Laufbahn nie in Frage kam. „Ich habe zu spät begonnen und war auch nicht gut genug“, erklärt die 33-Jährige, die in jungen Jahren das Rettungsschwimmen bevorzugte.

Den größten Erfolg ihrer noch laufenden Karriere feierte sie 2005 bei den World Games in Duisburg, als die in Leer geborene Kittel im Mannschaftsmehrkampf-Wettbewerb für Deutschland die Silbermedaille gewonnen hatte, vor Australien und hinter den Niederlanden. „Das ist meine wichtigste Medaille. Besonders bleibt mir die Abschlussveranstaltung im ausverkauften Fußballstadion des MSV Duisburg in Erinnerung“, betont Kittel, die in ihrer bisherigen Laufbahn schon über 500 Medaillen gesammelt hat.

Insbesondere beim Rettungsschwimmen räumte die 33-Jährige in der Vergangenheit zuverlässig ab. Zwischen 2004 und 2008 schmückte sie sich in Mannschaftswettbewerben bei Welt- und Europameisterschaften mit unzähligen Medaillen. Den größten Coup bejubelte Christine Kittel in Melbourne (Australien), wo sie mit dem Team Weltmeister wurde. „Es war eine ewig lange Anreise, die sich gelohnt hat. Heute würde ich sie aber nicht mehr antreten“, sagt Kittel lächelnd. Auch im Einzel feierte sie als Rettungsschwimmerin große Erfolge, holte beispielsweise bei Europameisterschaften drei Silber- und drei Bronzemedaillen. Außerdem kürte sie sich bei den Junioren nach Topleistungen in Italien (Viareggio), Frankreich (Valenciennes) und Bulgarien (Sosopol) zur fünffachen Europameisterin. Dazu kamen zwei silberne und drei bronzene Medaillen.

Kittel eilte von Sieg zu Sieg, von Medaille zu Medaille, doch 2009 war dann plötzlich Schluss – sie zog sich aus dem Wettkampfsport zurück und entschied sich, ein Studium in Osnabrück zu beginnen. „Dort hat sich das Schwimmen einfach nicht ergeben“, sagt die 33-Jährige, die Pflegewissenschaften und Sport studierte. Im vergangenem Jahr zog es die Medizintechnikerin beruflich nach Ganderkesee und die Gier nach Erfolgen war wieder da. „Im Nachhinein habe ich es schon vermisst, jetzt habe ich wieder richtig Lust“, betont Kittel, die sich zum Ende des Jahres dem SV Ganderkesee anschloss und seitdem dreimal wöchentlich mit ihrem neuen Coach Marco Loewenstein trainiert, um an die alten Erfolge anzuknüpfen. Loewenstein lobt seinen Schützling in den höchsten Tönen: „Christine lässt sich gut quälen. Und wenn man die Technik hat, ist man schnell wieder drin.“

Ihre besonderen Fähigkeiten stellte sie kürzlich bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Hannover und bei den Norddeutschen Meisterschaften auf der Langstrecke in Braunschweig unter Beweis. Während sie in der Landeshauptstadt in der Altersklasse 30 zwei Goldmedaillen abräumte, holte sie bei den Norddeutschen gleich sieben Titel und zauberte nach neun Jahren Pause sieben Vereinsrekorde ins Wasser. Sie triumphierte über die 50, 100 und 200 Meter Freistil, 50 und 100 Meter Rücken, 100 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagen. „Nur Brust kann ich leider überhaupt nicht, dazu fehlte mir schon immer das Talent“, erklärt sie.

In Braunschweig schwamm sie sogar die Pflichtzeiten für die Deutschen Meisterschaften und die Weltmeisterschaften in Korea. Doch bei beiden Saisonhöhepunkten wird Kittel nicht teilnehmen können. „Es werden nicht die letzten Deutschen Meisterschaften sein, ich trauere dem nicht hinterher“, sagt sie und ergänzt: „Korea ist zu weit weg und zu kostenintensiv“. Die nächste Chance auf eine Medaille hat sie bei den Deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen. „Dort möchte ich unbedingt gewinnen.“

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