Freichlichttheater in Bergedorf „Ein Ort mit besonderer Energie“

Initiator Gerd Logemann hat für sein Bergedorfer Freilichttheaterprojekt „Der Brudermord“ einen hochkarätigen Bühnenbildner gewinnen können. Jetzt hat Georgios Kolios die Entwürfe für die Kulissen vorgestellt.
15.02.2020, 06:00
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„Ein Ort mit besonderer Energie“
Von Jochen Brünner

Die unschuldige „Engelswiese“ auf dem Hof von Gerd Logemann in Bergedorf wird sich schon bald in einen mittelalterlichen Dorfplatz mit Brunnen, Lagerfeuer, Zelten, mehreren rohen Holztischen sowie einer Schlossruine als Kulisse verwandeln. Der Hof Logemann ist bekanntlich Schauplatz des Schauspiels „Der Brudermord“, in dem der Landwirt den Mord an dem Oldenburger Grafen Christian nachspielen lässt, der sich im Jahr 1192 genau an dieser Stelle zugetragen haben soll. Und jetzt haben der Initiator, Regisseur Markus Weise und Bühnenbildner Georgios Kolios schon einmal den Entwurf des Bühnenbilds präsentiert.

„Jeder hat eine ganz eigene Vorstellung vom Mittelalter. Um die Fantasie der Besucher anzuregen, haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, nicht etwa ein komplettes Schloss aufzubauen, sondern es bei Versatzstücken zu belassen“, betont Weise. Wissenschaftler, die genau erklären könnten, dass dieses oder jenes Detail so aber nicht gewesen sein könne, seien da eher hinderlich. Ohnehin werde es erst einmal Aufgabe der Schauspieler sein, das Bühnenbild von der Gegenwart in die Vergangenheit zu bringen. Bestimmen zu Beginn noch Bauzäune das Bild, wandelt sich die Szenerie nämlich erst im Laufe des Stücks zu einem mittelalterlichen Dorf. So werde man auch viel mit integrierter Beleuchtung arbeiten, um nicht zu viel Technik sehen zu lassen.

„Mich begeistert das Projekt, weil es keine erfundene Geschichte ist, sondern auch eine historische Dimension hat“, erklärt Kolios. „Die Tatsache, dass es sich bei dem Gelände um einen realen Tatort handelt, gibt dem Ort eine ganz besondere Energie.“ Außerdem sei die Möglichkeit, ein Stück von Null bis zur Premiere zu begleiten, immer auch eine Erfahrung, die neue Einsichten bringe: „Da wollte ich unbedingt dabei sein.“

Mit Georgios Kolios hat ein ausgesprochen erfahrener Bühnenbildner die Kulissen entworfen. Gegenwärtig ist er Chef der Requisite am Oldenburgischen Staatstheater, zuvor hat der gebürtige Grieche, der am Donnerstag stolz seine Einbürgerungsurkunde in Empfang genommen hat, unter anderem in Athen und Hamburg gewirkt. Er arbeitete bereits mit Filmgrößen wie Wim Wenders und Fatih Akin, aber auch mit der Compagnie von Tanztheater-Legende Pina Bausch zusammen. Der Kontakt zu Regisseur Markus Weise kam zustande, als dieser vor drei Jahren in Oldenburg „Männerhort“ spielte.

Beim Freilichttheater gelte es, zahlreiche Aspekte zu beachten. Dazu zählen nicht nur die auf der etwa 40 mal 40 Meter großen Spielfläche vorhandenen Bäume, sondern auch mögliche Witterungseinflüsse. „Die Vögel machen, was sie wollen, Sonne und Wolken machen, was sie wollen. Ein großer Reiz des Freilichttheaters liegt auch darin, dass man vieles nicht beeinflussen kann“, sagt Weise und erinnert sich an eine eigene Schauspiel-Erfahrung, als mitten in einer Liebesszene plötzlich ein Schmetterling vorüber geflogen sei: „Also schöner geht's doch nicht.“

Die Kulissenteile werden in den Werkstätten der Ländlichen Erwachsenenbildung in Ganderkesee gefertigt. „Wir haben schon etliche Erfahrung mit großen Projekten, etwa für den Flugplatz Ganderkesee oder für den Park der Gärten in Bad Zwischenahn“, freut sich Werkstattleiter Edgar Ruhm auf die Aufgabe: „Als ich das Modell am Montag gesehen habe, fand ich das sofort klasse.“

„Bevor ich mir kreative Gedanken gemacht habe, kannte ich Ort und Kollegen“, erzählt Kolios. „Die Kulissen sind nicht kompliziert zu bauen, sehen aber trotzdem gut aus“, meint er. „Sie müssen natürlich stabil sein und dem Wetter standhalten, aber selbst Regen und Wind wird uns nicht maximal begrenzen.“ So sei geplant, gerade die Schlossruine schon Wochen vor der eigentlichen Premiere auf der Engelswiese zu installieren, damit sie ein bisschen Patina ansetzen kann. So sei es durchaus erwünscht, dass Efeu und Moos sich der Kulisse bemächtigen. Für die Musik beim „Brudermord“ werden übrigens die „Hyttis“ sorgen. Die in Bookholzberg beheimateten Spielleute Andreas und Carola Hüttenmüller ziehen üblicherweise mit Sackpfeife und Trommel über die Mittelaltermärkte der Region und sind in der Szene wohlbekannt.

Vom 23. Juli bis 23. August sind insgesamt elf Vorführungen des „Brudermords“ geplant. Die Rollen sind inzwischen alle besetzt, die Proben sollen am Montag, 16. März, beginnen. Weise plant auch, so viele Proben wie möglich in der Kulisse stattfinden zu lassen. „Die Bühne muss für die Schauspieler wie ein Wohnzimmer werden“, formuliert er das Ziel.

Die Gesamtkosten des Projekts hat Impressario Logemann auf rund 70 000 Euro beziffert. Die zum Einsatz kommenden Pferde seien feuer-, musik- und beifallsicher. Sogar eine Kuh aus dem heimischen Stall werde beim „Brudermord“ mitwirken.

Unterdessen hat auch der ehemalige Bürgermeister Hans-Heinrich Hubmann angekündigt, die Produktion unterstützen zu wollen. Er selbst habe 2010 die Passionsspiele in Oberammergau erlebt und bekennt sich als deren großer Fan: „Und Bergedorf ist ja auch ein geschichtsträchtiger Ort. Da kann man was draus machen“, kommentiert er. Zudem passe ein Freilichttheater gut ins Konzept der Gemeinde Ganderkesee.

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