Fuhrenkamp-Schutzverein Naturschutz in Schlutter erfolgreich

Seit zehn Jahren kümmern sich die Aktiven des Fuhrenkamp-Schutzvereins um die Artenvielfalt in der Sandgrube Schlutter. Gerade haben sie wieder eine große Renaturierungsaktion gestartet.
12.09.2020, 06:53
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Lina Wentzlaff

Grabwespen, Wildbienen, Sandlaufkäfer und Grashüpfer – in der Sandgrube Schlutter gedeiht die Natur. In einer gemeinsamen Aktion mit dem Eigentümer der alten Sandaushebungsstätte hat der Fuhrenkamp-Schutzverein (FSV) diesen Sommer die Sandgrube aufbereitet. Erstmals waren auch zwei Biologieklassen des Gymnasiums Ganderkesee unterstützend dabei. Ziel der Maßnahme war vor allem, die Lebensbedingungen für Insekten zu verbessern. Am vergangenen Donnerstag präsentierten die Naturschützer die Ergebnisse.

„In der Gemeinde Ganderkesee sind die Lebensräume für Insekten durch Bebauung, Beforstung und landschaftlich genutzte Flächen sehr selten geworden. Die Sandgrube Schlutter ist eine strukturarme Fläche, die ideal für eine große Insektenvielfalt ist und gerade hoch spezialisierten Tierarten einen geschützten Lebensraum bieten soll“, erklärt Klaus Handke vom Fuhrenkamp-Schutzverein. Da Sandgruben allerdings schnell zuwachsen und dann für bestimmte Arten ihre Bedeutung verlieren würden, pflege der FSV seit über zehn Jahren zwei Sandgruben der Gemeinde. Zusammen mit anderen Vereinen und einem Landwirt versuchen die Aktiven so, die Wiederbesiedlung zu unterstützen.

Hintergrund der Aktionsreihe ist das große Artensterben der letzten Jahre. Neben Insekten sei es auch die Pflanzenwelt, die unter der Determinierung von Lebensräumen leide, erklärt Handke. Das dramatische Insektensterben liege neben offensichtlichen Gründen – wie dem zur Unkrautbekämpfung benutzten Mittel Glyphosat – an der schlechten Pflege der natürlichen Lebensräume. Die Vernachlässigung sei ein großer wunder Punkt des Artenschutzes. Denn innerhalb von zehn Jahren könne aus der Sandfläche schon eine Waldfläche entstehen. Viele Naturliebhaber würden dem Irrglaube erliegen, dass Aufforstung immer der beste Weg sei. Eher die Vielseitigkeit einer Region sichere die Artenvielfalt.

Erheblicher Arbeitsaufwand

Gerade nährstoffarme Regionen, wie Moore, Heiden und Sandlebensräume werden in Deutschland immer weniger. Zusätzlich zerstöre der hohe Stickstoffgehalt in der Luft die Artenvielfalt. „Das Wachsen von Brombeeren wäre in dieser Region vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen“, erinnert sich Klaus Handke, ehemaliger Vorsitzender des FSV, auf die riesigen Brombeerbüsche zeigend, die um die Sandgrube wachsen.

Um den offenen Sandzustand zu erhalten ist viel Arbeit nötig. Die wichtigsten Maßnahmen sind dabei das „Entkusseln“ – das heißt der Gehölzaufwuchs wird entfernt – und das Auflockern des Bodens. Die Vereinsmitglieder des FSV hatten im vergangenen März die Brutvogelerfassung gestartet, um bestehende Neststandorte nicht zu zerstören. Nach der Abholzung der nachgewachsenen Bäume und einer kleinen wissenschaftlichen Einführung trugen die Schüler der zwei Biologiekurse des Gymnasiums Ganderkesee die Gehölze zusammen, die dann geschreddert und abtransportiert werden konnten. Die Aufbereitung der Sandgrube erfolgte in enger Absprache mit Familie Schröder, Besitzer der Sandgrube, die den erheblichen Arbeitsaufwand durch Baggerarbeiten unterstützten.

Längerfristige Perspektive

„Das großartige Engagement der Schüler hat dazu geführt, dass die Sandgrube inzwischen wieder ein großflächiger Lebensraum für wärmeliebende Insekten geworden ist“, berichtet Handke. Bei einer Führung durch den sandigen Lebensraum zeigt er begeistert, dass die Arbeiten schon große Resultate zeigen. Das Schöne an dem Projekt sei, dass junge Leute an einem praktischen Beispiel gelernt hätten, wie Naturschutz aussehen könne. Auch Biologielehrer Michael Hauburger bestätigt, dass der Arbeitseinsatz für die Schüler trotz Regens eine tolle Erfahrung gewesen sei.

Durch regelmäßige Projekte könne das Zuwachsen auch auf Dauer verhindert werden. „Das heißt nicht, dass jedes Jahr eine so große Aktion realisiert werden muss“, betont Michael Müller, Vorsitzender des FSV. Nur ein fester Rhythmus sei für die Renaturierung entscheidend. Die Kosten der Aktion betrugen rund 850 Euro, was für einen kleinen Verein mit wenig Mitgliedern auch nicht jedes Jahr zu tragen sei.

Der Verein bittet darum, dass Hundehalter und andere Spaziergänger die Sandgrube nicht öffentlich nutzen, um die Artenvielfalt auch zukünftig zu erhalten. Außerdem wünschen sich die Naturschützer ein größeres Projekt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und anderen Initiativen. Bis jetzt hat Müller gute Rückmeldungen und Zuspruch von Seiten der Verwaltung zu einem nachhaltigen weiterführenden Projekt bekommen. Eine Idee sei beispielsweise, mehrere „Hotspots der Artenvielfalt“ zu eröffnen, die von verschiedenen Kooperationspartnern gepflegt werden könnten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+