Schützenvereine im Corona-Jahr Genervt, aber trotzdem verständnisvoll

„Corona, du nervst“, steht an einer Strohpuppe, die der Schützenverein Bergedorf im Dorf platziert hat. Normalerweise wäre dort am Wochenende Schützenfest gewesen. Dennoch zeigen die Aktiven auch Verständnis.
31.08.2020, 16:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Kristina Bumb und Jochen Brünner

Der fünfte Sonntag im August ist traditionell jener Sonntag, mit dem im Ganderkeseer Schützenbund die Schützenfestsaison in Bergedorf zu Ende geht. Doch statt einer prächtigen Ehrenpforte, einem Festplatz mit Buden und Karussell sowie einer grün und weiß geschmückten Dorfstraße gab es in diesem Jahr lediglich eine traurige Strohpuppe, die die Stimmung vieler Schützen zum Ausdruck brachte: „Corona, Du nervst“, stand dort zu lesen.

Das ist auch die Meinung der Bergedorfer Damenkönigin Änne Stöver ein Jahr nach ihrer Proklamation. „Mir fehlen die Schützenfeste, ganz besonders unser eigenes, die Geselligkeit und der Spaß, den wir sicher gehabt hätten“, erklärt sie. „Aber Corona ist eben kein Spaß. Es ist wichtig, dass wir jetzt vernünftig sind, damit wir uns im nächsten Jahr alle gesund wiedersehen. Dann werden wir so richtig Gas geben und die Schützensaison umso mehr genießen. Darauf freue ich mich“, richtet sie ihren Blick bereits auf die Schützensaison 2021.

Die veranstaltungsfreie Zeit hat der Schützenverein Bergedorf aber nicht ungenutzt verstreichen lassen. So haben die Verantwortlichen damit begonnen, den veralteten Luftgewehrstand in der Schießhalle zu modernisieren und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Bei dem Umbau wird insbesondere auch auf Betriebssicherheit und Schallschutz geachtet. So werden zum Beispiel eine Kugelfangsicherung und schallabsorbierende Einrichtungen installiert. Die handwerklichen Arbeiten werden in Eigenleistung durch Vereinsmitglieder erbracht. Sie haben schon viel erreicht, aber die Baumaßnahmen sind noch lange nicht abgeschlossen. Der Verein plant außerdem, eine computergesteuerte Schießanlage für den Luftgewehrstand anzuschaffen, um die Nachwuchsschützen mit moderner Technik weiter zu fördern und so in die Zukunft zu investieren.

Mit dem Projekt bewirbt sich der SV Bergedorf übrigens beim Vereinsvoting der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO). „Wir finden, unsere jungen Schützen haben die größtmögliche Unterstützung verdient, denn sie sind die Zukunft des Vereins“, heißt es aus dem Vorstand über das Projekt. Vom 4. bis 23. September können Unterstützer online unter www.lzo.com/vereinsvoting oder auf der entsprechenden Facebookseite ihre Stimme abgegeben.

„Die Stimmung ist wegen des Shutdowns natürlich nicht so besonders“, bedauert auch die Falkenburger Schützenkönigin, Hannelore Lambeck. „Wir haben uns auf ein schönes Schützenfest 2020 gefreut, aber nun findet keinerlei Geselligkeit mehr statt“, sagt sie. Weil fast das gesamte Dorf im SV Falkenburg organisiert ist, ist das Bedauern umso größer, dass das Vereinsleben gerade vollständig ausgesetzt ist. „Wir dürften zwar jeder einzeln in der Schießhalle trainieren, müssten dann aber hinsichtlich der Hygienevorschriften einen extremen Aufwand treiben. Das würde sich nicht lohnen und erst recht keinen Spaß machen“, erläutert Schützenkönig Ohle Oltmanns. „Die Gesundheit geht vor. Da müssen wir jetzt einfach durch.“

In den vergangenen Monaten sind die Schützen aber nicht untätig gewesen und haben ihren Kleinkaliberstand umgebaut, wie Peter Abel, zweiter Vorsitzender des SV Falkenburg, berichtet. Drei Wochenenden hätten die Vereinsmitglieder gebraucht, um den Stand neu zu gestalten und etwa die Plätze mit größerem Abstand zu positionieren. Anlass für diese Maßnahme sind neue gesetzliche Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Auch für den Nachwuchs wurde eine neue Compuuteranlage installiert. „Wir schmieden zurzeit aber noch keine Pläne, wann es weitergehen soll. Noch ist das Gesundheitsrisiko einfach zu groß. Wir gehen lieber auf Nummer sicher“, sagt Peter Abel. „Aber wenn es endlich weitergehen kann, freuen wir uns natürlich.“

„Nachdem klar wurde, welche Ausmaße die Corona-Problematik annehmen würde, war das Vereinsleben schnell vorbei. Auch das Schützenfest hatten wir bald abgesagt. Seit Mitte März hat bei uns niemand mehr geschossen“, bedauert auch André Westermann, Vorsitzender des SV Urneburg. Die Mitglieder hätten alle verständnisvoll reagiert, so habe es auch keine Austritte gegeben.

„Mittlerweile mehren sich aber die Stimmen, die sich einen Neustart des Trainings und unserer geselligen Zusammenkünfte wünschen“, erzählt Westermann und schildert, dass man diesbezüglich in Gesprächen mit dem Landkreis Oldenburg sei. „Wir müssen ausloten, wie wir alle Vorschriften zur Gesundheitsvorsorge umsetzen können und ob wir die zeitnahe Wiederaufnahme des Schießbetriebs als Vorstand verantworten können“, sagt er. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen will er jedoch noch keine Prognose für die Zukunft des Vereinslebens wagen.

Für die Königstafel sind übrigens schon Aufkleber bestellt, die die leere Stelle in der Liste der Vereinsmajestäten im Jahr 2020 füllen sollen. „Corona“ soll darauf stehen. Das Königshaus mit Bernfried Westermann, Melanie Tönjes-Pleus, Sina Busch und Veith Renken regiert bis 2021. „Sie sind die ersten in der Geschichte, die die Königskette kampflos verteidigt haben und sie zwei Jahre tragen“, sagt André Westermann.

Die Aktiven des Schützenvereins Hoyerswege suchen derweil nach einem Termin, wann sie endlich ihre neue Schießhalle einweihen können. Mittlerweile müssen dort nur noch die Auffahrt gepflastert sowie kleinere Restarbeiten erledigt werden. "Wir werden das Ende der Herbstferien abwarten und dann weiter planen. Wir hoffen, dass wir bald in der neuen Halle durchstarten können“, sagt Vorsitzende Inge Holschen.

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