Gastronomie setzt auf Alternativen „Lieber ein bisschen Geld als gar keines“

Die Restaurants müssen weiterhin geschlossen bleiben. Die Gastronomen haben also Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man dieser Tage mit Lieferdienst und Take-Away trotzdem etwas Geld verdienen kann.
19.04.2020, 11:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Tobias Hensel

Während kleinere Geschäfte seit dieser Woche wieder öffnen dürfen und damit die Quarantänebestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie schrittweise gelockert werden, ist das Datum für die Wiedereröffnung der Restaurants und Bars weiterhin ungewiss. Die Gastronomie leidet unter den Regeln, aber auch die Stammkundschaft muss sich nach Alternativen umschauen.

Zwar scheinen angesichts der aktuell knappen Bestände an Mehl, Teigwaren und Backhefe in den Supermarktregalen große Teile der Bevölkerung am heimischen Herd zu stehen, doch auch die Ganderkeseer Gastronomen versuchen das Beste aus der Krise herauszuholen, damit, wie Tobias Porten vom Restaurant Beef & Beats es ausdrückt, „lieber ein bisschen Geld in der Kasse bleibt als gar keines“. Porten hat bereits vor der Corona-Pandemie an den Wochenenden einen Lieferdienst angeboten, seitdem der Schankraum aber geschlossen und die Servicekräfte in Kurzarbeit sind, liefert er täglich aus: „Unsere Mitarbeiter sind in diesen Wochen quasi zu Lieferfahrern umfunktioniert worden“. Und gemeinsam mit dem Außer-Haus-Verkauf sorgt der Lieferdienst für immerhin „erträglichen Umsatz“.

Ähnlich sieht es auch Olaf Stolle vom Ganderkeseer Traditionslokal Oldenburger Hof, der seinen täglichen Mittagstisch nun zur Abholung bereithält. „Reich wird man damit nicht, aber es spült wenigstens ein bisschen Geld in die Kasse“. Stolle hat seine Belegschaft in Kurzarbeit geschickt und arbeitet dieser Tage gemeinsam mit seiner Mutter Ute in der Küche, weshalb ein möglicher Lieferdienst für ihn nicht in Frage kam: „Das würden wir zu zweit nicht schaffen“, betont Stolle.

Der Elmeloher Grill am Stadtrand zu Delmenhorst nutzt seine drei Transporter, die er normalerweise für Catering-Lieferungen vorhält, für einen mittäglichen Lieferdienst: „Unsere Servicekräfte und einige Mitarbeiter aus der Küche sind in Kurzarbeit, die können die Zeit dann für die Essensausteilungen nutzen“, sagt Wirt Markus Brüning. Aber auch für ihn ist das Liefergeschäft nur ein kleiner Teil. „Maximal zwei bis fünf Prozent unseres Umsatzes holen wir damit wieder rein“, sagt Brüning.

Einige Stammkunden profitieren aber von der Möglichkeit, sich das Mittagessen nach Hause liefern zu lassen: „Wir haben Kunden, die beliefern wir fast täglich. Die bezahlen dann am Ende des Monats per Lastschrift“, berichtet Brüning weiter. Auch Olaf Stolle hat viele Stammkunden. Aber die Tatsache, dass nun viele Menschen im Home-Office sind und sich mittags nicht mehr in die Werkskantine begeben können, führe auch zu neuen Gästen im Oldenburger Hof.

Die Situation setzt vielerorts ein Nachdenken darüber in Gang, wie man trotz der Umstände noch leben und als Unternehmer überleben kann. Stolle, der vorher ganz auf seinen Mittagstisch, ein abendliches A-la-carte-Menü und den Saalbetrieb gesetzt hatte, verpackt seine Gerichte nun erstmals zur Abholung. Brüning, der seine Transporter gegenwärtig nicht für Catering-Lieferungen nutzen kann, bringt nun Mittagessen nach Hause und entdeckt eine neue Zielgruppe. Porten weitet seinen Lieferdienst auf die ganze Woche aus. Die häusliche Quarantäne verändert ein Stück weit das Gefühl für Raum und Zeit, und es stellt sich die Frage, was bleiben wird. Die Zeit nach Corona wird eine andere sein, auch für die Gastronomen in Ganderkesee.

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