Gewerbeschau Ganderkesee Gewerbeschau als Familienfest

Die Gewerbeschau in Ganderkesee hatte wieder Allerlei zu bieten. Das Spektakel auf dem Flugplatz inszenierte sich dabei als Familienfest.
26.05.2019, 18:14
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Wolff

„Darf er sich mal in das Auto setzen?“, fragte ein junger Mann am Stand des Technischen Hilfswerks (THW) und zeigte auf einen vielleicht zweijährigen Jungen, der wiederum hibbelig auf den riesigen, blauen Gerätekraftwagen deutete. „Er will sich in alle Autos setzen.“ Da hatten die beiden viel zu tun, denn die Gewerbeschau auf dem Flugplatz Ganderkesee bot am Wochenende mit ihrer Autoschau auch Autohäusern, Taxiunternehmen und anderen Betrieben rund ums Fahrzeug viel Ausstellungsfläche. Und Kinder, die sich nicht ausschließlich für Autos interessieren, konnten sich bei dem Familienfest auch auf den unterschiedlichsten Hüpfburgen auspowern.

Auch einige Aussteller fokussierten sich auf Kinder. Weniger der große, echte Gerätekraftwagen war für die Kleinen gedacht, sondern ein kleiner „Nachbau“ auf einem Holzbrett. „Hier können kleine Kinder Werkzeug angeln“, erläuterte Arne Wiechmann, Sprecher des THW-Ortsverbands Hude-Bookholzberg. Mit einem langen Stab nahm ein Mädchen einen Hammer von einem Haken, der an dem Gerätekraftwagenbrett angebracht war. „Größere Kinder können mit einem Spreizer einen Tennisball greifen“, fuhr Wiechmann fort. Gar keine so leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Spreizer dafür gedacht ist, Autotüren aufzubiegen, wenn die bei einem Unfall verklemmt sind und Insassen befreit werden müssen. „Es ist viel Feingefühl gefragt, wenn man mit dem Spreizer den Ball nicht zerdrücken will“, betonte der THW-Mitarbeiter. Deswegen hatten sie vorsichtshalber fünf weitere Tennisbälle in Reserve. Aber Wiechmann versicherte: „Das ist noch der erste Ball.“

Gleich nebenan stand noch so ein Trumm von Fahrzeug. Dort standen vier junge Frauen des Jugendrotkreuzes bereit, zu zeigen, wie ein Rettungswagen von innen aussieht: eine höhenverstellbare Liege, sehr viele Fächer und Schubladen mit Spritzen, Verbandsmaterial, Kühlmitteln und anderen Materialien, ein Beatmungsgerät und ein Defibrillator waren auf engstem Raum zu finden. Sogar kleine operative Eingriffe könnten die Mitarbeiter noch im Wagen vornehmen.

Ganz anders sah der Rettungswagen der Fachklinik für Orthopädie Stenum aus. „Ja, das stimmt“, bestätigte Daniela Wolff, Sprecherin der Orthopädie-Klinik, und lachte. Nur eine Liege im hinteren Teil des Wagens ließ erahnen, dass es sich bei dem verhältnismäßig kleinen, beigefarbenen Bulli um einen Rettungswagen handeln könnte. Vor gut einem Jahr hatte die Orthopädie-Klinik den Rettungswagen, Baujahr 1972, aus Brasilien geholt. Nicht, um Patienten zu befördern, sondern um ihn bei Gewerbeausstellungen oder Messen als Blickfang zu nutzen. „So kommt man über den Wagen ins Gespräch“, fuhr Wolff fort. Sie und ihre Kollegin zeigten sich am Sonntag zufrieden mit der Schau: „Das bewölkte Wetter ist genau richtig. Bei zu viel Sonne wären die Leute lieber in ihrem Garten. Aber so sind sie wahrscheinlich alle gleich nach der Wahl hierhergekommen.“

Weniger zufrieden waren die Aussteller, die einen Stand an der Straße zum Parkplatz bekommen hatten. Zwischen Straße und Grasfläche gäbe es für die Besucher zu wenig Platz, monierten sie. Zwar hatten die Veranstalter schon die Absperrung weiter Richtung Straße gestellt, aber viel geholfen habe das nicht, kritisierten einige der Aussteller dort. Die Absperrung gebe ihnen das Gefühl, „eingesperrt“ oder ein „Affe im Zoo“ zu sein.

Im Hangar sorgten dagegen Musik und Lesungen für gute Stimmung. Eine kleine Erfrischung gab es am Stand des Albertushofs aus Groß Ippener. „Seit vorigem Jahr haben wir eine eigene Mosterei. Unsere geistig behinderten Bewohner können aus den Äpfeln unserer 120 Bäume selbst Saft herstellen“, erzählte der stellvertretende Einrichtungsleiter Christof Naber, während er einen Becher mit Apfelsaft füllte. „Noch in diesem Jahr wollen wir auch, dass die Öffentlichkeit ihre Äpfel zur Verarbeitung bei uns abgeben kann. Das ist einfach ein tolles Erfolgserlebnis für unsere Bewohner, wenn morgens Äpfel ankommen und abends aus ihnen selbstgemachter Apfelsaft geworden ist.“

Hin und wieder zogen auch einzelne Flugzeuge über das Ausstellungsgelände – schließlich handelte es sich dabei um den Flugplatz Ganderkesee. Die Besucher konnten sich auch für 20-minütige Rundflüge für zwei Personen anmelden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+