Situation in der Partnerstadt Pu?tusk

„Die Menschen haben die Pandemie satt“

Auch in Ganderkesees polnischer Partnerstadt Pu?tusk gelten harte Beschränkungen für das öffentliche Leben. Wobei die Stadt noch besser durch die Pandemie kommt als umliegende Regionen.
19.04.2021, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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„Die Menschen haben die Pandemie satt“
Von Jochen Brünner
„Die Menschen haben die Pandemie satt“

Musiker mit Maske: Selbst die Statue zur Erinnerung an den aus Pu?tusk stammenden Musiker und Komponisten Krzysztof Klenczon (1942-1981) mahnt zur Vorsicht.

Piotr Kazimierczak

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Deutschland im Griff. Auch in Ganderkesees Partnerstadt Pu?tusk gelten spürbare Beschränkungen für das öffentliche und private Leben. „Dabei hat es das Nachbarland hart getroffen: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag um Ostern knapp unter 500, inzwischen liegt sie bei 395“, berichtet Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Die Infektionsrate der Bevölkerung ist mit 6,9 Prozent fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Fast 60.000 Menschen seien in Polen an oder mit SARS-CoV-2 gestorben – bei nur rund 37,8 Millionen Einwohnern.

„Seit dem 31. März haben wir in Polen einen fast vollständigen Lockdown“, schildert Agnieszka Niesiob?dzka, die in der Verwaltung von Pu?tusk für Städtepartnerschaften zuständig ist, die Lage. Die Regierung habe die Maßnahmen gerade bis zum 25. April verlängert. Was durchaus nachvollziehbar ist: „Wir haben einen Rekord-stand bei den Verstorbenen.“ Am 14. April seien 803 Menschen mit oder an einer Corona-Infektion gestorben, an einzelnen Tagen waren es sogar noch mehr. Vor Ostern zählten die Behörden über 35.000 neue Infektionen pro Tag, aktuell noch rund 21.000.

Pu?tusk selbst ist dabei allerdings weniger stark von der Pandemie betroffen als umliegende Regionen. Vor allem im 60 Kilometer entfernten Warschau sind die Infektionszahlen sehr hoch. Im Landkreis Pu?tusk, zu dem auch die Stadt gehört, gab es etwa am 7. April 15 neue Infektionen. „Bei uns ist die Situation aber wie im Rest des Landes, es gelten die gleichen Regeln“, erklärt Niesiob?dzka. „Wir in der Verwaltung arbeiten online. Alle geplanten Vorhaben und Investitionen haben weiter Bestand.“

Auf den Alltag hat der Lockdown jedoch große Auswirkungen. Friseure, Kosmetiker, Einkaufszentren (mit Ausnahmen für den Lebensmittelhandel), aber auch Schulen, Kindergärten, Kinos und Theater sind zurzeit geschlossen. Gleiches gilt für Sportanlagen, auch Tennisplätze. Ebenso Möbelhäuser und Baumärkte mit mehr als 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche sind betroffen. Geschäfte, Banken und Tankstellen dürfen nur mit extra bereitgestellten Handschuhen oder nach dem Desinfizieren der Hände betreten werden. Verstöße gegen Corona-Regeln können in Polen mit 5000 bis 30.000 Zloty Strafe geahndet werden. Das entspricht etwa 1100 bis 6700 Euro.

Trotz Abstandsauflagen seien die Kirchen zu Ostern gut besucht gewesen, erklärt Piotr Kazimierczak, der im Krisenmanagement der Stadt Pu?tusk eingesetzt ist. „Die traditionelle Essenssegnung fand jedoch unter freiem Himmel statt.“ Impfungen gibt es bislang in Gesundheitszentren und Kliniken. „Aktuell werden die Menschen über 80, über 70 und dann über 60 geimpft“, berichtet Kazimierczak. „Außerdem sind die Beschäftigten im Gesundheitsbereich, die Polizei, Feuerwehrleute und chronisch Kranke impfberechtigt.“

Zurzeit bereiten die Behörden ein Zentrum für Massenimpfungen vor, dass am 19. April seine Arbeit aufnehmen soll. Die Impfquote für Polen wird aktuell mit 15,41 Prozent angegeben. 5,65 Prozent sind bereits zweifach geimpft – ähnliche Werte wie in Deutschland. „Auch angesichts der großen Anzahl an Erkrankten und trotz der geltenden Regeln geht das Leben irgendwie normal weiter“, erzählt Kazimierczak. „Die Menschen haben die Pandemie aber satt“, hat er festgestellt. „Einige haben Angst, viele jedoch auch Langeweile.“

Der ursprünglich für 2020 geplante Besuch einer Reisegruppe aus Pu?tusk in Ganderkesee kann aufgrund der Pandemiesituation auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Ein neuer Anlauf ist für 2022 angedacht.

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