Festumzug in Ganderkesee

„He geiht“: 3500 Narren feiern bei bescheidenem Wetter

Bei Regen und Wind sind am Sonnabend rund 3500 Narren beim Ganderkeseer Fasching um den Ring durch den Ortskern der Gemeinde gezogen. Völlig unpolitisch war der Umzug in diesem Jahr aber nicht.
23.02.2020, 06:15
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„He geiht“: 3500 Narren feiern bei bescheidenem Wetter
Von Jochen Brünner
„He geiht“: 3500 Narren feiern bei bescheidenem Wetter

Die Handballnarren hatten wettertechnisch den besten Riecher.

INGO MOELLERS

Der Faschingsumzug in Ganderkesee, das haben die Verantwortlichen der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) immer betont, ist kein politischer Umzug. Mottowagen wie in Köln, Düsseldorf oder Mainz, die mit politischen Akteuren wie Donald Trump oder Angela Merkel ihre Pappmaché-Späße treiben, sucht man beim Umzug um den Ring vergeblich. Der rechtsextreme Terror in Hanau hat allerdings dafür gesorgt, dass es in diesem Jahr nicht völlig unpolitisch zuging. So verzichteten sowohl Landrat Carsten Harings als auch Bürgermeisterin Alice Gerken auf ihre üblichen gereimten Begrüßungsansprachen und nutzten die Bühne, um in deutlichen Statements jegliches extremistisches Handeln zu verurteilen.

„Wir können nach Hanau nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Rassismus ist abscheulich und widerlich, und wir wollen kein extremes Gedankengut, nicht links und nicht rechts“, erklärte Harings. Extremismus sei ein Geschwür, das es mit Schlüsseln wie Toleranz und Nächstenliebe zu entfernen gelte. „Wir stehen entschlossen für ein friedfertiges Leben in unserem Land“, betonte Gerken, die auch ganz bewusst auf den üblichen Faschingsschlachtruf „Ganderkesee hinein und he geiht“ verzichtete.

Narren feiern im Regen

Ansonsten war der Höhepunkt der 69. Faschingssaison eher ein Umzug für Hartgesottene. Zwar hatten die stürmischen Böen die Umzugsstrecke am Vormittag weitgehend trocken geweht, doch kaum hatten die Moderatoren Rainer Schwarting und Stephani Keltsch die 110 Gruppen mit ihren rund 3500 Teilnehmern auf die Reise geschickt, gingen auch wieder heftige Schauer auf die Narren nieder.

Angesichts des tristen Wetters waren die Besucher an der Strecke für jegliche Farbtupfer dankbar – etwa von der Gruppe Happy Feet, die mit einem rollenden Obstkorb als Vitaminspender um den Ring zogen. Oder von den Likörellis, die sich unter dem Motto „Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt“ als bunte Pinsel ausstaffiert hatten. Wettertechnisch passend präsentierten sich die Handballnarren als Fischer, deren Friesennerze an diesem Nachmittag Programm waren.

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Die großen Festwagen in Ganderkesee sind zwar nicht politisch motiviert, was den künstlerischen Aufwand betrifft aber nicht weniger akribisch gestaltet als die Wagen in den rheinischen Karnevalshochburgen. Mit dem Hausmänner-Stammtisch und dem SV Urneburg (and Friends) hatten sich diesmal gleich zwei Gruppen das Thema Außerirdische gewählt. Während die Urneburger eine mit Tausenden Krepprosen verzierte Rakete um den Ring schossen, setzten die Hausmänner auf fliegende Untertassen.

Adelheider aus Neptuns Reich

Weitere Kandidaten für einen der vorderen Plätze bei der großen Festwagen-Prämierung, die traditionell beim Frühschoppen an diesem Sonntag stattfindet, sind die Adelheider. Die Gruppe, die schon mehrfach die Wagenwertung des Bremer Freimarktumzugs gewonnen hat, hatte sich diesmal in „Neptuns Reich“ begeben. Vorne grüßte ein veritabler Klabautermann, und im hinteren Teil hatte eine große Krake das von Haien durchzogene Schiffswrack fest im Griff. Zu den „üblichen Verdächtigen“ gehört auch der Ortsverein Schlutter-Holzkamp-Hoyerswege: Die Gruppe um Enno
Vosteen hatte in diesem Jahr einen American Diner gebaut. Die Landjugend Sandersfeld schließlich, die ebenfalls seit vielen Jahren aufwendige Festwagen baut, hatte sich von Peter Pans Nimmerland inspirieren lassen.

Fasching 2020

Die Adelheider kommen diesmal direkt aus Neptuns Reich

Foto: INGO MOELLERS

Aufmerksamkeit verdiente aber auch der Wagen der Landjugend Dötlingen-Hatten, die für den Umzug 2020 eine Schokoladenfabrik entworfen hatten. Gleiches gilt für die Madagaskar-Strandbar der „Fass-zinierten“, die an diesem Tag die Sehnsucht nach besserem Wetter thematisierte. Etwas kleiner, aber mit viel Liebe zum Detail gestaltet, war auch der „Kiosk zum Seemanns
eck“ der Familie Poggensteert.

Ein bisschen politisch wurde es bei der Fußgruppe der „Fernbe­dienten Spacken“, die an den Brexit erinnerten und als Bye-Bye winkende Bobbys aufmar­schierten. Die Faschingsgemeinschaft Immer-Bürstel thematisierte mit ihrem Motto „Immer im Bienenglück“ zumindest mittelbar das Insektensterben. Was aber dem besonderen Engagement von Landwirt Onnno Osterloh in dieser Sache geschuldet ist, der in der Gruppe mitlief. Dabei verteilte die Gruppe statt Bonschen frische Tulpen an die Besucher(innen).

Bis zum frühen Abend meldeten weder die GGV noch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) größere Zwischenfälle. Angesichts des Wetters werde man sich aber noch auf die eine oder andere Unterkühlung einstellen, erklärte DRK-Sprecher Roar Abel.

Insgesamt 3500 Narren nahmen an dem Faschingsumzug in Ganderkesee teil.

Insgesamt 3500 Narren nahmen an dem Faschingsumzug in Ganderkesee teil.

Foto: INGO MOELLERS
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