Europaweit einmaliges Projekt

Hecken-Zentrum nimmt Formen an

Die Gemeinde Ganderkesee will auf einem 1,4 Hektar großen Grundstück insgesamt 53 verschiedene Hecken- und Wallheckenformen zur Anschauung anlegen. Das Projekt ist auch eine Verbeugung vor Experte Georg Müller.
01.11.2018, 16:26
Lesedauer: 3 Min
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Hecken-Zentrum nimmt Formen an
Von Jochen Brünner
Hecken-Zentrum nimmt Formen an

Wallhecken-Experte Georg Müller freut sich sehr, dass das Hecken-Zentrum in Birkenheide nun realisiert werden soll.

Ingo Möllers

Ganderkesee. Auf den ersten Blick mag das Thema ein bisschen „Aprilscherz-Potenzial“ haben. Doch die Gemeindeverwaltung verfolgt die Einrichtung eines touristisch attraktiven „Hecken-Zentrums“ inzwischen als Leuchtturm-Projekt und mit dem nötigen Nachdruck. Sichtbares Zeichen dafür ist die Tatsache, dass die Gemeinde für das Vorhaben 400 000 Euro im Entwurf des Haushaltsplans 2019 eingeplant hat. Zum Vergleich: Der Umbau des Marktplatzes war billiger.

Realisiert werden könnte das Hecken-Zentrum auf einem 1,4 Hektar großen Grundstück nahe der Dummbäke in Birkenheide, dass sich bereits im Besitz der Gemeinde befindet. Laut Vorlage der Verwaltung könnten dort rund 250 laufende Meter Wallhecken in 17 unterschiedlichen Varianten sowie rund 920 laufende Meter Hecken (ohne Wall) in 46 unterschiedlichen Typen angelegt und dauerhaft unterhalten werden. Während die Wallheckenabschnitte jeweils 15 Meter lang sein sollen, sieht die Planung vor, die anderen Hecken in 20 Meter lange Abschnitte zu unterteilen. „Diese insgesamt 53 Heckenformen, ihre positiven Auswirkungen auf den Naturhaushalt, ihre kulturhistorische Bedeutung sowie umfassende Informationen zum Thema Feldeinfriedungen können vor Ort auf Informationstafeln dargestellt und auf einer eigenen Internetweite präsentiert werden. Weiterhin sind einige Schaukästen vor Ort vorgesehen, die mit wechselnden Inhalten bestückt werden sollen“, heißt es in der Vorlage. Eine umfassende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit soll das Projekt begleiten.

Das Vorhaben wäre eine Riesen-Wertschätzung für den Ganderkeseer Wallhecken-Experten Georg Müller, dessen zweibändiges Werk über die Feldeinfriedungen Europas für großes Aufsehen in der Fachwelt gesorgt hat. „Natürlich habe ich mich über die politische Zustimmung sehr gefreut. Ich bin in die Planung voll eingebunden und habe auch Zeichnungen der entsprechenden Hecken zur Verfügung gestellt“, erklärt Müller. Denn darum geht es ja gerade: Die unterschiedlichen Heckenstile eben nicht nur auf Bildern anzuschauen, sondern an realen Objekten erlebbar zu machen.

Insgesamt kalkuliert die Verwaltung mit Kosten von 550 000 Euro. Die fehlenden 150 000 Euro will die Gemeinde mit EU-Fördermitteln finanzieren. Des Weiteren können die Verantwortlichen im Rathaus auf einen Zuschuss von der N-Bank hoffen, über dessen Bewilligung allerdings erst im Frühjahr 2019 entschieden wird. Und auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat für 2018 und 2019 wieder einen Fördertopf zur Pflege und Sanierung von Wallhecken aufgelegt. In den Kosten ist insbesondere auch die verkehrliche Erschließung des Grundstücks enthalten. So müssten ja erst einmal eine Zufahrt sowie Parkplätze geschaffen werden. „Da das Grundstück bereits vorab als Tauschfläche erworben wurde, sind die Grunderwerbskosten in Höhe von 80 000 Euro bereits beglichen und müssen im Haushaltsplan nicht erneut berücksichtigt werden“, heißt es in der Vorlage. „Das ist gut investiertes Geld. Ein solches Hecken-Zentrum gibt es in ganz Europa nicht. Das wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde Ganderkesee“, sagt Müller. Er ist überzeugt, dass sich die Anlage innerhalb von fünf Jahren zu einem echten Erfolgsmodell entwickeln werde.

Während in der Verwaltungsvorlage davon die Rede ist, mit der Realisierung im kommenden Jahr zu beginnen, ist Georg Müller zuversichtlich, dass das Hecken-Zentrum im Sommer 2019 weitgehend steht. Zunächst ist die Anlage erst einmal nur als Anschauungsprojekt, also ohne den dauerhaften Einsatz von Personal geplant – abgesehen natürlich von der notwendigen Unterhaltung. Der Hecken-Experte hält aber auch eine Weiterentwicklung nicht für ausgeschlossen. Dies sei gegenwärtig aber noch Zukunftsmusik.

Der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz hatte dem Hecken-Zentrum im November 2017 mit neun Ja-Stimmen und vier Nein-Stimmen zugestimmt. Lediglich die CDU-Fraktion gab sich damals reserviert, stellte aber in Aussicht, ihre Haltung zu dem Projekt noch einmal zu überdenken.

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