Sprachlerncamp im Umweltzentrum Hollen Hühner helfen beim Deutsch lernen

24 Kinder aus Migrantenfamilien kommen in dieser Woche wieder im Regionalen Umweltzentrum Hollen (RUZ) zusammen, um beim Feriensprachcamp auf naturnahe Weise ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.
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Hühner helfen beim Deutsch lernen
Von Jochen Brünner

Als das Feriensprachcamp für Kinder mit Migrationshintergrund 2015 seine Premiere am Regionalen Umweltzentrum (RUZ) Hollen erlebte, war die Aufregung groß: Für die Initiatoren, das RUZ und die Bürgerstiftung Ganderkesee, bedeutete die Organisation einer solchen Aktionswoche völliges Neuland. Bei der vierten Auflage, die in dieser Woche in bewährter Form stattfindet, haben sich alle Beteiligten eingegroovt. Der Betreuungsaufwand ist zwar weiterhin hoch, aber die Abläufe sind eingespielt – was vor allem den Kindern zugutekommt.

In diesem Jahr nehmen 24 Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis neun Jahren aus fünf der sechs Ganderkeseer Grundschulen am Feriensprachcamp teil. Die Kinder kommen aus Deutschland, dem Irak, der Slowakei, Syrien, der Türkei und Weißrussland. Jeden Morgen werden sie je nach Wohnort vom Schulbus oder vom Bürgerbus an einer vereinbarten Haltestelle abgeholt und zum RUZ gefahren. Nachmittags um 15.30 Uhr bringen die Busse die Kinder dann wieder nach Hause.

Ziel der Woche ist es natürlich, die individuellen Sprachkenntnisse zu verbessern. Das läuft aber nicht über schnödes Vokabelpauken, sondern über ein vielfältiges, naturnahes Aktionsprogramm. So gehen Worte wie „Streuobstwiese“ oder „Löwenzahn“, die im Arabischen vielleicht nicht so geläufig sind, bald schon locker und leicht von den Lippen. Die Herstellung von Apfelsaft gehört ebenfalls zum festen Programm wie eine Schatzsuche im Wald, ein Besuch auf dem benachbarten Bauernhof oder das große Abschlussfest, zu dem am Sonnabend sämtliche Familien eingeladen sind. „Und auch die Miethühner, die in diesem Jahr erstmals Bestandteil des Camps sind, kommen bei den Kindern hervorragend an“, hat RUZ-Projektleiterin Claudia Kay festgestellt. „Die Kinder entdecken immer wieder neue Dinge und lernen dabei immer neue Worte kennen“, erklärt sie. „Insbesondere trauen sie sich von Tag zu Tag mehr zu und werden dadurch auch in ihren Persönlichkeiten für den weiteren Schulweg gestärkt“, weist sie zudem auf einen wichtigen sozialen Aspekt hin.

„Integration funktioniert nur von Mensch zu Mensch“, erklärt Astrid Fuchs, die das Projekt bei der Bürgerstiftung betreut, wie wichtig es ist, ein Vertrauensverhältnis zu den beteiligten Familien aufzubauen. So würde sie immer wieder feststellen, dass die Eltern selbst wenige Tage, bevor es los geht, gar nicht so genau wissen würden, was das Feriensprachcamp eigentlich ist. „Die Kinder sind da meistens besser informiert“, sagt Fuchs. So sei das Camp mit einer Menge individueller Aufklärungsarbeit verbunden. „Wir würden unsere Kinder ja auch nicht einfach so in einen Bus einsteigen lassen“, ergänzt Katja Wille, Koordinatorin für Flüchtlingsangelegenheiten im Schulverbund Ganderkesee. Wenn sie die Familien im Vorfeld besuchen, zeigen sich Astrid Fuchs und ihre Kollegin Anne Gehrmann immer besonders beeindruckt von der dort herrschenden Gastfreundschaft. „Da sind die Türen gleich offen, das ist deutlich anders als in deutschen Familien“, haben die beiden festgestellt. Die Kinder, die in diesem Jahr das Camp besuchen, sind zwar alle erstmals dabei, einige kennen die Aktionswoche aber bereits von ihren Geschwistern.

„Diese Woche ist nicht nur für die Kinder effizient, sondern auch für die beteiligten Pädagogen“, betont Astrid Fuchs. Denn durch die im Feriensprachcamp gesammelten Erfahrungen würden die Lehrerinnen und Lehrer einen anderen Blick für den Umgang mit Migrantenkindern entwickeln, den sie als Multiplikatoren auch im regulären Unterricht an ihren Schulen einbringen würden. Und wie gut den beteiligten Pädagogen die Arbeit im Feriensprachcamp gefällt, zeige die Tatsache, dass das Team seit der Premiere 2015 weitgehend konstant geblieben ist.

Schließlich muss das Sprachcamp immer neu finanziert werden, wozu trotz des ehrenamtlichen Engagements jedes Mal etwa 10 000 Euro für Honorare, Fahrtkosten und Verpflegung benötigt werden. Während in den ersten drei Jahren die Lotto Sport Stiftung den Löwenanteil des Geldes bereit stellte, kommt die Förderung in diesem Jahr vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Das RUZ-Camp ist Teil des Programms „500 Landinitiativen“, das ehrenamtliches Engagement zur Integration von Flüchtlingen unterstützt. Inzwischen ist die Aktionswoche so etabliert, dass das RUZ in den Sommerferien erstmals einen Ableger in Hude organisiert hat. Das Ganderkeseer Camp soll 2019 seine fünfte Auflage erleben. „Die Finanzierung ist zwar noch nicht gesichert, aber wir arbeiten daran“, erklärt Astrid Fuchs.

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