Ernährungskolumne Iss' was – und gut Jeden Tag die Menge eines kleinen Pools

Rund 115 Liter Wasser verbraucht jeder Mensch statistisch gesehen pro Tag. Rechnet man das Wasser hinzu, das etwa für die Produktion von Lebensmitteln verwendet wird, sind es sogar mehr als 5000 Liter.
05.08.2019, 06:33
Lesedauer: 2 Min
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Jeden Tag die Menge eines kleinen Pools
Von Jochen Brünner

Ja, ich gestehe: Auch ich habe mich in diesem Sommer der frevelhaften Wasserverschwendung schuldig gemacht! Auch ich habe einen (kleinen) Swimmingpool, naja, ein Planschbecken, mit Leitungswasser befüllt in der Aussicht auf die heißen Tage, die da kommen würden. Oh oh weh, flau ist mir!

Rund 115 Liter Wasser, so propagiert es der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), verbraucht statistisch gesehen jeder Bürger in der Region jeden Tag: zum Duschen, für die Toilettenspülung und einen klitzekleinen Anteil auch zum Trinken. Der virtuelle Wasserverbrauch, also das, was Claudia Kay vom Regionalen Umweltzentrum Hollen (RUZ) den „Wasser-Fußabdruck“ nennt, ist dabei aber um ein Vielfaches höher. Danach verbraucht der Durchschnittsdeutsche täglich nämlich knapp 5300 Liter Wasser – das entspricht etwa der Menge von 25 gefüllten Badewannen oder einem kleinen Gartenpool. Täglich, wohlgemerkt. Im Vergleich dazu macht die Menge, die der OOWV kommuniziert, gerade einmal zwei Prozent aus.

Beim virtuellen Wasserverbrauch wird all das Wasser eingerechnet, das in einem Produkt oder einer Dienstleistung enthalten ist oder für deren Herstellung verwendet wird. Für ein normales Blatt Papier etwa werden zehn Liter Wasser benötigt, für ein Baumwoll-T-Shirt 2500 Liter und für die Produktion eines Autos sind es bis zu 400 000 Liter. So steht es in den Unterrichtsmaterialien des RUZ.

Beispiel Rindfleisch: In jedem Kilogramm Rindfleisch stecken etwa 15 000 Liter Wasser, unter anderem für das Futter, für die Reinigung der Ställe, und natürlich müssen die Tiere auch etwas trinken – etwa 60 bis 80 Liter pro Tag. Die Liste lässt sich beliebig verlängern: jedes Kilogramm Kaffee bedeutet 20 000 Liter Wasser, jedes Hühnerei, jeder Apfel, jede Banane und jedes Glas Milch jeweils 200 Liter Wasser. Selbst in einem kleinen Glas Bier (0,25 Liter) stecken 75 Liter Wasser. Auch wenn es dem Kollegen K. schwer fällt zu verstehen, dass man das Bier dann noch trinken kann. Da bewegt sich die Tomate mit 13 Liter Wasser noch am unteren Ende der Skala, eine Scheibe Brot benötigt schon wieder 40 Liter, ein Weizenbrötchen 80 Liter und ein 500-Gramm-Brot 650 Liter des wichtigsten Nahrungsmittels auf diesem Planeten überhaupt.

„Und da stellt sich der Wasserverbrauch noch einmal in einem ganz anderen Licht dar, wenn man bedenkt, dass nur ein Prozent des auf der Erde verfügbaren Wassers Süßwasser ist“, wie Claudia Kay erklärt.

Und die Moral von der Geschicht‘: Lebensmittel, die vor Ort wachsen oder produziert werden und der Saison entsprechen, verbrauchen wenigstens nicht noch zusätzliches Wasser und sorgen somit nicht für Wasserknappheit in anderen Teilen der Erde. „Deshalb gab es im RUZ in der vergangenen Woche auch jeden Tag Zucchini, in den verschiedensten Zubereitungsarten“, verrät Claudia Kay. Die sind nämlich gerade reif und gedeihen im hauseigenen Garten so gut, dass kaum dagegen anzuessen ist. Wobei auch Zucchini bei extremer Hitze gewisse „Stress-Stoffe“ entwicklen. „Wenn sie dann anfangen, bitter zu schmecken, sollte man sie lieber weg tun“, empfiehlt die Ernährungsexpertin.

Nachdem ich das gehört habe, hat sich mein schlechtes Gewissen bezüglich des Swimming-Pools schon wieder ein kleines bisschen gelegt. Denn seit dessen Befüllung habe ich – Ehrenwort – überhaupt gar kein Rindfleisch gegessen. Und habe zumindest virtuell mit jedem Verzicht auf ein 300-Gramm-Steak eine Swimming-Pool-Ladung Wasser nicht verbraucht. Darauf stoße ich an: Mit einem frisch gezapften Glas Leitungsheimer und in der Vorfreude auf den nächsten Regenschauer.

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