Handball-Oberliga A-Junioren Kantersieg nach Galavorstellung

Die Nachwuchshandballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg haben einen eindrucksvollen Sieg eingefahren. Die Schützlinge von Stefan Buß ließen dem Tabellenführer keine Chance.
11.03.2019, 13:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik

Anderten. Ja, was war denn das? Der A-Jugend-Trainer des TSV Anderten war nach der 19:34 (11:13)-Klatsche in der Handball-Oberliga gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg völlig perplex. Kurz nach dem Abpfiff scharrte er seine Spieler um sich, er war aber offenbar kaum fähig, das Geschehene zu analysieren. Es schien so, als wäre das Epizentrum des meteorologischen Orkantiefs „Eberhard" mitten durch die Halle am Eisteichweg in Anderten getobt. Die Oldenburger Landkreisler hatten den Spitzenreiter in seine Bestandteile zerlegt. Dieses eindeutige Ergebnis brachte selbst den Grüppenbührener Trainer Stefan Buß auswärts zum ersten Mal zum Strahlen. Nein, er müsse sich ob der Demontage der Hannoveraner nicht kneifen. „Ich weiß ja, was meine einzelnen Spieler und alle zusammen als Team leisten können“, sagte er und lächelte nach dem ersten Auswärtssieg der Saison selig.

Durch diesen Erfolg springt die HSG mit nunmehr 7:7-Punkten auf Tabellenplatz drei. Für einen Augenblick trauerte Buß den unnötigen Punktverlusten in den Hinspielen gegen Anderten (21:22) und in Aurich (22:23) sowie das jüngste Unentschieden gegen den TSV Burgdorf II (25:25) nach. Wäre da die schwache Chancenverwertung nur einen Tick besser gewesen, hätte sich der ehemalige Bundesligist nur ein wenig cleverer angestellt, dann wäre er der Top-Anwärter auf den Meistertitel.

Dieses Thema piesackte den B-Lizenz-Inhaber aber nur kurz, dann richtete er den Blick sofort wieder nach vorne: „Wir müssen jetzt den Schwung mit in die nächsten Spiele nehmen“, sagte er und ergänzte: „Dann können wir es vorne vielleicht noch einmal spannend machen.“ Der Rückstand auf die Tabellenführung beträgt drei Punkte.

Die Vorzeichen für den Auftritt in Anderten waren im Vorfeld eigentlich wenig erbaulich. Schon unter der Woche hatte der HSG-Coach im Training nur fünf bis sechs Spieler beisammen, weil der Rest mit einer Grippe zu kämpfen hatte. Abwehrchef Norman Lachs musste sich für die Partie sogar komplett abmelden, während andere Spieler – wie Soheil Ramin, Jona Schultz und Sebastian Latz – mehr oder weniger stark angeschlagen in das Duell gegangen waren.

Zum Glück gestaltete sich der Bookholzberger Start ins Match nicht so schleppend wie seine Anreise, die aufgrund eines Staus wegen der Einrichtung einer Autobahnbaustelle rund 45 Minuten länger als gewohnt ausgefallen war. Nein, das Buß-Team war von Beginn an fokussiert und hatte seine stärkste Phase ab dem 8:8 in Minute 20, als die HSG innerhalb von sechs Minuten nur einen Gegentreffer kassierte und Jakub Anuszewski, Nico Hennemann sowie zweimal Henk Braun auf 13:9 erhöhten (27.). Der Pausenstand fiel mit 13:11 sogar etwas knapper aus als nötig.

„Wir hätten sogar noch ein paar Tore mehr machen können“, analysierte Buß, aber das entpuppte sich im Nachhinein als Jammern auf hohem Niveau. Denn seine Mannschaft startete großartig in den zweiten Spielabschnitt und netzte trotz personeller Unterzahl durch Torschütze Kian Krause zum 14:11 ein. Keine vier Minuten später war der Vorsprung nach Treffern von Hennemann, Ramin und Schultz auf 17:11 angewachsen (35.). „Das war der Knackpunkt“, urteilte der HSG-Übungsleiter.

Und der hatte seinen Ursprung in einer starken HSG-Abwehr, denn die 5:1-Formation mit Anuszewski an der Spitze verdarb vor allem den TSV-Halbangreifern die Lust am Spiel. Dadurch verpasste die HSG dem Gastgeber per schnellem Gegenangriff einen Nadelstich nach dem anderen. Auch die Trefferquote konnte sich bei den Gästen dieses Mal sehen lassen. „Wir haben endlich unsere ganzen Stärken ausgespielt, aus einer starken Abwehr heraus schnell nach vorne gespielt und auch im Angriff gute Lösung gefunden“, meinte Rückraumspieler Jona Schultz, der sechsmal erfolgreich war und gemeinsam mit Hennemann und Braun zu den treffsichersten Akteurin zählte.

Nach dem 19:14 rannte die HSG weiter auf 23:14 davon (43.) und verpasste dem gestürzten Spitzenreiter ausgerechnet in dessen Wohnzimmer die Höchststrafe. Denn die zweite Hälfte ging mit 21:8 eindeutig an den Gast aus dem Oldenburger Landkreis, dessen Feldspieler sich zudem allesamt in die Torschützenliste eintragen konnten. „Unsere Leistung war rundum gut. Ich hoffe, dass wir diese jetzt mit in die weiteren Spiele mitnehmen können“, wünschte sich der dreifache Torschütze Soheil Ramin.

Ob der Husarenritt der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg wirklich der Urknall für eine deutlich erfolgreichere Rückrunde ist, wird sich am kommenden Sonntag zeigen. Dann muss der Bundesliga-Absteiger um 11.15 Uhr beim Schlusslicht MTV Groß Lafferde antreten, in dessen Halle striktes Backeverbot herrscht. Aus diesem Grund haben sich auch die favorisierten Teams dort bislang recht schwer getan.

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