Das Porträt aus Ganderkesee

Kostümbörse mit Smiley-Garantie

Elfriede Meyer ist eine Frohnatur und hat das passendste Ehrenamt, das man sich nur für sie vorstellen kann: Sie ist die Leiterin der Kostümbörse des Ganderkeseer Faschings.
06.02.2019, 15:38
Lesedauer: 4 Min
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Kostümbörse mit Smiley-Garantie
Von Annika Lütje
Kostümbörse mit Smiley-Garantie

Wenn sie mal nicht lacht, muss es wirklich schlimm stehen: Elfriede Meyer, Verantwortliche für die Kostümbörse, ist eine Frohnatur.

Ingo Möllers

Elfriede Meyer hat für die kommenden zwei Wochen eine andere Adresse als sonst: Kostümbörse, Rathausstraße 19. Jedenfalls könnte man das meinen. Denn an diesem Freitag beginnt dort der Verkauf. Für Elfriede Meyer, die Leiterin der Kostümbörse, und ihre Mitstreiterinnen bedeutet das viel Arbeit. Bis es losgeht, müssen noch die Umkleidekabinen fertig gebaut und die vielen Kostüme thematisch sortiert werden. Und wenn dann die ersten Narren auf der Suche nach der ultimativen Verkleidung die Börse stürmen, heißt es, zu beraten und die passenden Teile zur Hand zu haben.

Ihre eigene „Dienstkleidung“ für die Verkaufswochen hat sich Elfriede Meyer schon ausgesucht: ein Smiley. Und der ist für sie so passend wie wohl kaum ein anderes Kostüm. Lebenslustig, fröhlich, optimistisch sind die Eigenschaften, mit denen man die 68-Jährige am besten beschreiben kann. „Ich nehme Situationen eben einfach so, wie sie sind. Und wenn sie mir nicht gefallen, finde ich einen Weg, um sie zu ändern“, sagt sie.

Ihre positive Einstellung überträgt sich automatisch auf ihre Mitmenschen. Und mit denen umgibt sie sich gern. Elfriede Meyer ist ein absoluter Team-Player, Fairness ist ihr ein hohes Gut. „Ich finde einfach, dass man seinen Mitmenschen mit Ehrfurcht und Respekt begegnen sollte. Keiner kann alleine durchs Leben gehen, man braucht immer jemanden“, sagt sie. Vielleicht hat sie diese Einstellung aus ihrer Kindheit, mutmaßt sie. Ihre Eltern hatten einen Hof in Dingstede. Sie kommt aus einer großen Familie – zwei Schwestern und ein Zwillingsbruder. „Klar, dass man da füreinander da ist“, sagt Meyer.

Sie selbst wurde Buchhalterin und zog 1977 mit ihrem Mann nach Ganderkesee. „Bis dahin hatte ich überhaupt keine Verbindung zum Fasching“, erzählt sie: „1978 wurde ich von einer Bekannten dann gleich zum Büttenabend mitgenommen.“ Als sie kurz darauf in eine Gymnastikgruppe eintrat, stellte sie fest, dass die Leiterin auch für das Faschingsballett zuständig war, „und im Jahr darauf, stand ich mit auf der Bühne“. Seitdem hat sie der Faschingsvirus nicht mehr losgelassen.

Sie machte zehn Jahre in der Tanzgruppe „Lollypops“ mit – „inklusive Umzugsteilnahme, ist ja klar!“ –, legte dann aber eine Pause ein – natürlich nur eine Pause von der aktiven Beteiligung. Ganz ohne Fasching geht es in Ganderkesee ja gar nicht: „Wenn man im Ort wohnt und am Umzugstag schon morgens aus allen Richtungen die Musik der Wagen hört, juckt es unter den Fußsohlen. Dann muss man einfach zum Umzug gehen.“ Und dann packte es sie doch wieder. Durch Freunde geriet sie in die Umzugsgruppe „Schimmelreiter“, in der sie auch zehn Jahre blieb, bis sie wieder passiv pausierte.

„Aber beim Fasching nur an der Straße zu stehen, geht auch nicht“, stellte Meyer schnell fest und stieß in deren zweitem Jahr zur Kostümbörse dazu. Allein könnte sie das Ganze aber gar nicht stemmen, betont sie: „Wir sind zu dritt, und anders ginge es auch gar nicht.“ Gemeinsam mit Brigitte Ewald und Christa Rediske begibt sie sich Jahr für Jahr in die fantastische Welt der Fabelwesen, Cowboys, Prinzessinnen, Vampire, Elfen und vielen mehr. Die Arbeit beginnt schon Anfang des Jahres mit dem Entwurf der Fyler, den Terminsetzungen und der Pressearbeit. Und dann müssen ja auch noch die Kostüme angenommen und gekennzeichnet werden, bevor es mit dem Verkauf losgehen kann. In diesem Jahr kam zudem eine große Spende rein. „Der Wohltäter möchte aber nicht genannt werden. Daran halte ich mich, das habe ich versprochen. Alles andere wäre unfair“, sagt Meyer.

Die Kostümbörse ist zwar „nur ein saisonales Hobby“, aber zeitweise scheint sie ein zweiter Teilzeitberuf zu sein. Die viele Arbeit macht Meyer aber nichts aus – im Gegenteil: Sie liebt es, durch die Reihen der Kleiderstangen zu streifen und die Kostüme zu bewundern. Vor allem die selbst geschneiderten liegen ihr am Herzen. Viele erkennt sie von den Umzügen wieder, weiß oft noch, wer sie wann getragen hat.

Was sie selbst in diesem Jahr beim Fasching trägt, ist weniger fantasievoll, dafür aber um so ehrenvoller. Denn auf ihrem Haupt wird die Ehrenkappe für außerordentliches Engagement für den Ganderkeseer Fasching thronen, die ihr im vergangenen Jahr verliehen wurde. Dafür wird sie für den Umzug einen Frack heraus holen, der ihrer Aufgabe in der Umzugsjury die nötige Würde verleihen wird.

Was macht Elfriede Meyer, wenn der Faschingstrubel vorbei ist? Dann hat sie wieder mehr Zeit für die Sterbebegleitung im ambulanten Hospizkreis Ganderkesee-Hude. Das klingt sehr gegensätzlich, „aber in der Sterbebegleitung wird auch viel gelacht“, sagt sie. Warum sie das alles macht? „Das kann ich gar nicht beantworten. Vielleicht ist das ein Gegenpol zu den vielen Zahlen in meinem Beruf“, überlegt Meyer und fügt hinzu: „Ich habe schon als Jugendliche verschiedene Ämter und Verantwortung übernommen. Dabei geht es ja auch um die sozialen Kontakte, und die wollen und müssen gepflegt werden.“

Info

Zur Sache

Die Kostümbörse hat für den Verkauf an folgenden Tagen geöffnet:

Freitag, 8. Februar, 17 bis 20 Uhr,

Sonnabend, 9. Februar, 11 bis 14 Uhr,

Montag, 11. Februar, 17 bis 19 Uhr,

Freitag, 15. Februar, 17 bis 19 Uhr,

Sonnabend, 16. Februar, 11 bis 14 Uhr,

Montag, 18. Februar, 17 bis 19 Uhr,

Freitag, 22. Februar, 17 bis 19 Uhr,

Sonnabend, 23. Februar, 11 bis 14 Uhr.

Die Auszahlung und Rückgabe findet am Montag, 11. März, von 18 bis 19 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es bei Elfriede Meyer telefonisch unter 01 51 / 12 40 03 85 und per E-Mail an kostuemboerse@fasching-ganderkesee.de.

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