Kulturprogramm in Ganderkesee

Das Füllhorn nach der Dürre

Nach der coronabedingten Dürre gestaltet sich das geplante Programm im Kulturhaus Müller im zweiten Halbjahr geradezu wie ein kulturelles Schlaraffenland. Insgesamt gibt es knapp 80 Angebote.
20.07.2020, 15:08
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Das Füllhorn nach der Dürre
Von Jochen Brünner

Das war schon bemerkenswert: Rund 25 Minuten referierte Kulturmanager Sven Poppe über das Kulturprogramm für das zweite Halbjahr in der Gemeinde Ganderkesee, und nicht ein einziges Mal fiel in dieser Zeit der Begriff Corona. Oder Pandemie. Und angesichts der Dürre der vergangenen Monate wirkt eine Zahl von knapp 80 geplanten Veranstaltungen in der Zeit von August bis Januar schon fast wie das kulturelle Schlaraffenland.

Vom Grundsatz her setzt Poppe im Kulturhaus Müller auf das bewährte Gerüst mit einigen Besonderheiten – so wie das Konzert von Matthias Monka und Olli Kronhardt am Donnerstag, 24. September, oder den Kulturabend mit der Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer, die am Dienstag, 15. September, unter dem Motto „Das wahre Leben ist doch anders“ eine rasante Liebeskomödie frei nach Anton Tschechow präsentiert.

Zu den „alten Bekannten“ gehört Amateurfilmer Bernd Vieregge, der viermal mit dem „Kulturkino“ vertreten ist. Er zeigt dabei unter anderem Reiseimpressionen aus dem Baltikum (31. August) und Südamerika (26. Oktober) sowie Filme, die in der näheren Umgebung entstanden sind wie Beiträge über die Eichen im Hasbruch (28. September) oder Hunderennen in Delmenhorst (30. November). Neu ist die Reihe „Müller-Movie“: Am Dienstag, 8. November, sowie am Donnerstag, 7. Januar, sind zwei Filmklassiker zum Nulltarif zu erleben. Was genau zu sehen sein wird, wollte Poppe zwar noch nicht verraten, ließ aber durchblicken, dass es im September einen Film mit Marilyn Monroe geben werde. In zwei Reisevorträgen informiert Ökologe Klaus Handke über Neuseeland sowie die Südseeinseln Fidschi, Samoa, die Cookinseln und Französisch Polynesien. Und auch die Poetry-Slammer Simeon Buß und Sebastian Butte werden am Freitag, 13. November, wieder eine Reihe von Dichtern um sich scharen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen Schauspielerin Margret Rink, die zwei Nachmittage auf Plattdeutsch anbietet, Jens Kohne, der sich in seinen philosophischen Vorlesungen in diesem Semester mit Platon und Ernst Cassirer beschäftigt, die Kunstschule „Akademie Klecks“ mit Ute Wessels und Ulrike Strauch-Goebel sowie Bärbel Schönbohm und Stefan Lindemann, die am Donnerstag, 26. November, wieder einen „Adventskalender“ als Reise durch Kunst, Musik und Literatur anbieten – auch das ein bewährter Klassiker im Kulturhaus Müller.

Neu ist das Konzept der Webinarreihe vhs.culture, in der die Besucher jetzt mit den Kuratoren großer Ausstellungen ins Gespräch kommen können. So etwa mit den Verantwortlichen der Impressionismus-Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam, der Anselm-Kiefer-Retrospektive in Mannheim, der George-Braque-Ausstellung in Hamburg oder einer Dürer-Schau in Aachen. In Kunstvorträgen vor Ort informieren die Kunsthistoriker Bernd Küster, Detlev Stein oder Jürgen Vits über den deutschen Impressionismus, David Hockney, Otto Pankok oder Henri de Toulouse-Lautrec.

Erst, als Poppe mit seinem Vortrag zu Ende war, warf VHS-Leiter Andreas Lembeck ein, dass die aktuelle Situation eben doch ein paar kleine Änderungen mit sich bringe. So gebe es bis auf Weiteres keine Abendkasse, allerdings könnten die Tickets bis kurz vor Beginn der Veranstaltung auch als PDF auf dem heimischen Drucker ausgedruckt werden. „Die Reservierungspflicht hilft uns dabei, den Auflagen zur Dokumentation nachzukommen“, erklärte Lembeck. Auch für die kostenlosen Angebote seien Anmeldungen daher zwingend erforderlich. „Außerdem sind alle Ortsangaben vorläufig“, betonte der VHS-Chef. „Bei großer Nachfrage behalten wir uns vor, gegebenenfalls in den Ratssaal oder in die Mensa am Steinacker auszuweichen. Wir müssen flexibel bleiben, sonst wird das nichts.“

Ergänzt wird das Kulturprogramm durch den Themenschwerpunkt zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, über den Lembeck aber gesondert und zu einem späteren Zeitpunkt informieren will. Auch die 4x4-Konzerte soll es Anfang Oktober wieder geben, wobei diese aufgrund der besonderen Situation in diesem Jahr vermutlich auf das Format 3x3 schrumpfen werden. Noch nicht abgeschlossen sind die Planungen für das Niederdeutsche Theater: „Wir sind optimistisch, dass wir wieder eine Aboreihe auf die Beine kriegen, aber im Augenblick können wir noch nicht absehen, ob alle Gruppen mit ihren Proben rechtzeitig fertig werden“, erklärte Poppe.

Das gedruckte Kulturprogramm soll in dieser Woche vorliegen und verteilt werden. Ab dann sind auch die Tickets erhältlich.

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