„Brudermord“ in Bergedorf „Mehr als nur Dorftheater“

„Freilicht-Theater ist ein Erlebnis, das schon vor dem Eingang anfängt“, sagt Regisseur Markus Weise. In diesem Sinne will er 2020 den Bergedorfer „Brudermord“ als großes Mittelalterspektakel inszenieren.
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„Mehr als nur Dorftheater“
Von Jochen Brünner

Ganderkesee-Bergedorf. „Freilicht-Theater ist immer ein Erlebnis, das schon vor dem Eingang und dem eigentlichen Stück anfängt“, sagt Markus Weise. Und in diesem Sinne will der Regisseur im Sommer 2020 auch den Bergedorfer „Brudermord“ als großes Mittelalterspektakel inszenieren.

Die Geschichte, die sich im Jahr 1192 exakt dort zugetragen haben soll, wo die Familie Logemann heute ihren Hof hat, ist hinlänglich bekannt: Graf Moritz I. von Oldenburg hat seinen Bruder Christian bei dessen Rückkehr vom Kreuzzug kaltblütig ermorden lassen – und zwar eine Nacht, bevor dieser nach dreijähriger Abwesenheit die heimische Burg erreicht haben würde. Das um diese Handlung gestrickte Theraterstück macht sich nun vor allem auf die Suche nach den Motiven: Warum musste Graf Christian sterben? Welchen Grund hatte Moritz I., den Bruder zu beseitigen? Ist ähnlich wie beim biblischen Brudermord von Kain an Abel auch Missgunst im Spiel? Welchen Einfluss hatte ihre Mutter Kunigunde auf die Tat? Und was wird Moritz‘ Verlobte Salome von Hochstaden-Wickrath zu dieser Tat kurz nach der Hochzeit sagen? Weise kündigt ein großes Bühnenereignis um Mord, Liebe und Intrigen an.

„Das ist nicht nur Dorftheater“, sagt Ideengeber und Initiator Gerd Logemann, auf dessen Hof das ganze Spektakel über die Bühne gehen soll. Die Liste mit interessierten Schauspielern werde immer länger, freut er sich. „Im Landvolk-Zelt bei den Landtagen Nord habe ich gute Beute gemacht und vier weitere Zusagen eingeholt“, berichtet Logemann. Allerdings gibt es auch großen Bedarf. So gilt es allein 32 Sprechrollen zu besetzen, darunter die Grafenfamilie, die vier Kinder von Moritz I. und Salome, Dorfbewohner sowie einige Menschen aus der Gegenwart – wobei auch einige Doppelrollen angedacht sind. Hinzu kommen Statisten: Junker, Frauen, Kinder, Bauern, Handwerker, Diener des Erzbischofs, Scharfrichter, Fotografen sowie orientalische Frauen.

Für Komödien-Fachmann Weise ist es nicht nur die erste Regiearbeit bei einem Open-Air-Theater, sondern seinen eigenen Worten zufolge auch das erste „ernste Stück“, das er inszeniert. „Die Herausforderung ist, so viele Leute auf der Bühne gut aussehen zu lassen“, sagt der Regisseur, der bei einer „Dschungelbuch“-Inszenierung an der Niederdeutschen Bühne Brake schon einmal mit einem ähnlich großen Ensemble zusammengearbeitet hat. „Man muss sich einfach trauen und sich auch mal komplett aus seiner Komfortzone herauswagen“, liegt für ihn darin aber auch ein gewisser Reiz der Aufgabe.

Um Bühnenbild, Ausstattung und Kostüme wird sich Georgios Kolios kümmern. Der Grieche ist Produktionsleiter am Oldenburgischen Staatstheater und hat aber auch bereits Opern in Athen ausgestattet. Nach seinen Entwürfen werden Langzeitarbeitslose, die in einem Projekt der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Ganderkesee tätig sind, die Kulissen bauen.

Um die Kooperation mit derartigen sozialen Projekten möglich zu machen sowie auch an Fördertöpfe heranzukommen, hat Logemann im Sommer den Verein zur Förderung der Dorf- und Kulturgemeinschaft Bergedorf gegründet. Der Vorstand ist neben ihm selbst vornehmlich mit Familienmitgliedern besetzt, so Bruder Herwig Logemann und Tochter Diana Stolle. Um die Finanzen kümmert sich Manfred Radtke.

Insgesamt 40 Proben hat der Regisseur ab Anfang/Mitte April 2020 angesetzt. Geprobt wird jeweils montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 19 bis 22 Uhr in der Gaststätte „Bergedorfer Krug“, in der Woche vor der Premiere wird täglich geprobt. Ein Casting ist am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. November, jeweils in der Zeit von 10 bis 15 Uhr geplant. Je nach Bedarf könnte Anfang Januar gegebenenfalls ein dritter Termin hinzukommen, erklärt Weise.

Zwischen der Premiere am 23. Juli und Anfang September 2020 stehen insgesamt elf Aufführungen auf dem Programm, wobei der Spielbetrieb während der Sommerferien (und der Olympischen Spiele) etwa drei Wochen ruhen werde, wie Logemann ankündigt.


Ambitionierte Amateurschauspieler, die Interesse haben, im Sommer 2020 beim „Brudermord“ in Bergedorf mitzuspielen, können sich an Gerd Logemann unter Telefon 0 42 22 / 82 93 oder per E-Mail an logemann.g@web.de wenden.

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