Geschäftsbericht aus Ganderkesee

Muskelkraft und Hirnschmalz

Sie können die Ärmel hochkrempeln und strategisch und zukunftsorientiert denken: Nico Mansholt und Eike Westermann wollen aus Umzüge Mansholt einen Global Player machen.
06.08.2019, 06:55
Lesedauer: 4 Min
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Muskelkraft und Hirnschmalz
Von Annika Lütje
Muskelkraft und Hirnschmalz

Nico Mansholt und Eike Westermann sind mit ihrem Umzugsunternehmen voll auf Expansionskurs.

Fotos: INGO MOELLERS

Ganderkesee-Immer. Jungunternehmer, Durchstarter, Business-Profis – eigentlich könnte man Nico Mansholt und Eike Westermann mit gutem Gewissen mit all diesen Begriffen bedenken. Denn die beiden Mittzwanziger haben aus dem schlicht normalen Umzugsunternehmen Mansholt in knapp fünf Jahren einen erfolgreichen, zukunftsorientierten Betrieb, einen echten Riesen gemacht. Doch wenn die zwei vor einem stehen – in Jeans beziehungsweise Shorts und T-Shirt – fällt einem vor allem ein Begriff ein: Macher.

1995 hat Thomas Mansholt das Umzugsunternehmen gegründet. Anstatt irgendwo auf der grünen Wiese zu bauen, kaufte er eine alte Molkerei in Immer und machte etwas draus. Sein Sohn Nico übernahm den Betrieb 2014. „Ich habe bei DHL Speditionskaufmann gelernt. Aber mit dem Herzen war ich eigentlich immer im elterlichen Betrieb“, erzählt er. Als die Arbeit dort immer mehr wurde, spürte er, dass er gebraucht wurde. Sein Sandkastenfreund Eike Westermann, ebenfalls gelernter Speditionskaufmann, stieß dazu. „Mit einem Bein war ich sowieso immer in der Firma“, sagt er. Nun ist er Nico Mansholts „rechte Hand“, wie die beiden es nennen. Neben seinem Studium zur Schifffahrtswirtschaft kümmert er sich um die Verwaltung.

Zurzeit haben die beiden – und der Rest der Belegschaft – allerdings richtig Stress. „Im Sommer ziehen die meisten Leute um, immer geballt zum Monatsende“, sagt Mansholt. Und dann haben am 1. August auch noch zwei Auszubildende in dem Unternehmen angefangen. Die Arbeit nimmt kein Ende, nur das Personal fehlt. „Wir könnten das Doppelte an Umzügen schaffen, das Potenzial haben wir“, sagt Westermann und ergänzt: „Aber uns fehlen die Mitarbeiter.“

Es herrscht dasselbe Problem wie überall: Fachkräftemangel. Oder besser gesagt: Kräftemangel. Denn wer einen Umzug meistern will, muss nicht nur beim Beladen des Lasters logisch und räumlich denken können und beim Einpacken von Omas Porzellan ein gewisses Fingerspitzengefühl beweisen, sondern auch anpacken können. Das Klavier bewegt sich schließlich nicht von allein. Doch vor allem Fahrer mit der Führerscheinklasse CE fehlen dem Betrieb. „Seitdem es die Wehrpflicht nicht mehr gibt, hat den kaum mehr jemand. Und so ein Führerschein kostet 7000 Euro und beinhaltet fünf Prüfungen. Wenn den jemand über die Firma macht, ist der erst mal eineinhalb Monate weg“, erklärt Westermann. Doch trotz der notgedrungen reduzierten Schlagzahl ist es mit dem Unternehmen eigentlich nur bergauf gegangen, wie Mansholt erzählt: „Seit 2014 haben wir jedes Jahr eine Umsatzsteigerung von 50 bis 60 Prozent. Der Hof platzt inzwischen aus allen Nähten.“ Eine Expansion musste her. Seit Anfang 2019 ist das Umzugsunternehmen eine GmbH, und an der Atlasstraße wird seitdem eine alte Immobilie für die Firmenvergrößerung umgebaut.

Zwölfeinhalbtausend weitere Quadratmeter stehen dem Duo dann zur Verfügung. „Wir brauchen den Platz für die Ladebrücken und die Container, in denen Hausstände zwischengelagert werden. Der alte Standort in Immer soll erhalten bleiben – für Kunden, die Hausrat und Möbel einlagern. Weitere Hallen für die sogenannten Wechselkoffer hat das Unternehmen in Delmenhorst und Hude. Und eine zusätzliche Containerhalle steht schon auf der To-do-Liste.

Umzüge Mansholt betreut sowohl Privat- als auch Geschäftskunden. An einem Tag möchte eine Kleinfamilie ihr neues Zuhause beziehen, und dann soll ein Großunternehmen von einem Hochhaus ins nächste verlegt werden. Wenn Mansholt und Westermann vom Arbeitsalltag erzählen, strahlen ihre Augen. Die beiden packen nämlich selbst mit an und lieben es. „Jeder Umzug ist spannend, weil man jedes Mal andere Leute trifft und andere Möbel von A nach B bewegt“, erzählt Westermann.

Wenn der Normalbürger froh ist, wenn er einen Umzug lebend und ohne kompletten Nervenzusammenbruch überstanden hat, fängt der Spaß für die beiden Macher und ihre 40 Mitarbeiter wohl erst an. „Aber wir haben auch die richtigen Tragetechniken gelernt und haben technische Hilfsmittel wie Tragegurte, Sackkarren und Möbellifte“, sagt Westermann. Das scheint das Umziehen so reizvoll zu machen, dass Mansholt senior zwar regelmäßig zu seinem Sohn und dessen rechter Hand sagt: „Ihr seid verrückt!“ Aber es hält ihn nicht davon ab, selbst noch Europa-Touren zu fahren. Denn Umzüge Mansholt ist weltweit unterwegs. „Mit uns kann man überallhin umziehen. Schwierig sind nur Nordkorea und Kuba“, sagt Nico Mansholt. Dank eines internationalen Netzwerks aus Umzugsspeditionen kann Mansholt bereits auf eine Überseequote von zehn Prozent verweisen. Weitere zehn Prozent der Umzüge finden innerhalb Europas statt, die restlichen 80 Prozent in Deutschland. Im Inland hat das Unternehmen Rahmenverträge mit Großkonzernen, dem Auswärtigen Amt und der Bundeswehr in der Tasche. Dann heißt es schon mal: „Wir haben neulich einen General umgezogen“, was schon mal kurz für Verwirrung sorgt.

Zu einem Full Service-Umzug gehört, dass erst einmal ein Außendienstmitarbeiter das Umzugsgut in Augenschein nimmt und den Aufwand abschätzt. Ab dem Zeitpunkt kann sich der Kunde zurücklehnen. Denn die Umzugskräfte packen alles ein, fahren es zum Zielort und packen alles wieder in die Schränke. „Am Ende steht alles wieder wie vorher“, sagt Westermann. Im Rahmen von Projektumzügen sind sogar Schwertransporte möglich.

Manche Kunden finden das so entspannend, dass sie den Mitarbeitern die Schlüssel in die Hand drücken und in der Zeit des Umzugs in den Urlaub fahren. Andere sind nicht so entspannt: „Es gibt auch Kunden, die beinahe hysterisch werden und uns weiße Handschuhe in die Hände drücken“, sagt Westermann. Aber er könne das auch verstehen. Schließlich dringe man in die intimsten Bereiche anderer Menschen ein. Das könne durchaus auch mal zu kuriosen Situationen führen. Kurios wird es auch, wenn die Umzugskräfte mitten in eine Trennung geraten: „Dann steht dort das streitende Ex-Paar und da der Anwalt und mittendrin wir. Manchmal erleben wir echte Dramen“, erzählt Westermann.

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