Grünland-Diskussion in Elmeloh

Naturschutz bremst Bauplätze aus

Die Ganderkeseer Gemeindeverwaltung würde auf einer 2,5 Hektar großen Fläche im Bereich Elmeloher Straße/Am Holz gern Bauplätze entwickeln. Doch erst gilt es, die Schutzwürdigkeit des Grünlands zu klären.
04.02.2019, 18:32
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Naturschutz bremst Bauplätze aus
Von Jochen Brünner
Naturschutz bremst Bauplätze aus
Gemeinde Ganderkesee

Seit etwa 20 Jahren diskutieren Politik, Verwaltung und der Heimat- und Ortsverein (HOV) Elmeloh-Almsloh nun schon darüber, auf einer etwa zweieinhalb Hektar großen Fläche im Bereich Elmeloher Straße/Am Holz weitere Bauplätze zu entwickeln. Jetzt stand das Thema im Ausschuss für Gemeindeentwicklung erneut auf der Tagesordnung. Doch weil der naturschutzrechtliche Status des Areals zumindest ungeklärt ist, meldete ein Großteil der Fraktionen weiteren Beratungsbedarf an. Zudem musste sich Fachbereichsleiter Peter Meyer einige Kritik gefallen lassen, warum die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage überhaupt nicht auf die Schutzwürdigkeit des „mesophilen Grünlands“ hingewiesen hat.

In der aktuellen Vorlage ist der Hinweis zwar nicht noch einmal aufgeführt, allerdings verweist die Verwaltung dort explizit auf ihre Ausführungen aus dem Jahr 2017: So hätten Untersuchungen ergeben, dass es sich bei einem Großteil der Fläche um sogenanntes „sonstiges mesophiles Grünland (GMS)“ handelt. Das genießt unter den verschiedenen Grünlandtypen zwar den geringsten Schutzstatus, stellt ab einer Flächengröße von etwa einem Hektar aber dennoch einen gesetzlich geschützten Landschaftsbestandteil im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes dar. Was bedeutet, dass die Beseitigung sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung führen können, grundsätzlich verboten sind. „Soll ein solcher geschützter Landschaftsbestandteil zum Zwecke der Siedlungsentwicklung im Zuge einer verbindlichen Bauleitplanung beseitigt werden, so ist sein Ersatz zu regeln, das heißt, es muss sichergestellt werden, dass im räumlichen und funktionalen Zusammenhang die verloren gehenden Eigenschaften für den Naturhaushalt an anderer Stelle wiederhergestellt werden“, heißt es weiter. Aufgrund der Hochwertigkeit der Flächen sei hierbei von einem erheblichen Kompensationsbedarf und damit einem größeren Flächenbedarf für die Herstellung eines gleichwertigen Ersatzlebensraumes zu rechnen. „Und deshalb hatten wir damals auch empfohlen, lieber die Finger von der Fläche zu lassen“, erklärt Meyer.

Insbesondere die stetige Nachfrage nach geeigneten Flächen für die Wohnbebauung habe die Verwaltung nun aber veranlasst, die Fläche Elmeloher Straße/Am Holz noch einmal aus der Schublade zu holen. Außerdem steht dafür bereits ein Investor in den Startlöchern. Die entstehende Bebauung sollte jedoch den Siedlungsrand nicht weiter nach Norden hinausschieben, sondern sinnvoll abrunden. Näheres sollen entsprechende Festsetzungen im Bebauungsplan regeln. Auch in diesem Baugebiet legt die Verwaltung Wert auf Mehrfamilienhäuser. „Gerade im Ortsteil Elmeloh ist das Angebot in diesem Segment bislang sehr gering, der Bedarf jedoch ebenso vorhanden“, heißt es in der Vorlage. Zudem würden Baumöglichkeiten entlang der Elmeloher Straße in zweiter Reihe dem Grundstücksmarkt nicht zur Verfügung stehen, da die Eigentümer nicht zum Verkauf bereit sind. Und sämtliche Grundstücke des 2016 ausgewiesenen Baugebietes Agnes-Miegel-Straße seien mittlerweile belegt.

Reinhard Siemer, Vorsitzender des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Almsloh, wünscht sich weiterhin ein „moderates Wachstum“ in Elmeloh, beharrt aber gar nicht unbedingt auf der Fläche Elmeloher Straße/Am Holz. Ebenso gut könnte er sich Bauplätze in der Umgebung des neuen Netto-Marktes vorstellen. „Die Hauptsache ist, jetzt mal eine konkrete Ansage zu machen und das Thema endlich zu einem Abschluss zu bringen“, sagt Siemer.

„Wenn wir das Problem mit dem Grünland nicht hätten, wäre die Fläche Am Holz für eine Bebauung gut geeignet“, sagt Meyer. Anders als das Areal in der Netto-Nachbarschaft: „Das ist ein völlig anderer Siedlungszusammenhang, der schon sehr in den Außenbereich hineinragt“, erläutert der Fachbereichsleiter. Um den ökologischen Nachteil konkreter bewerten zu können, will die Verwaltung die Angelegenheit jetzt noch einmal genauer prüfen und in einer der nächsten Sitzungen über das Ergebnis berichten.

Die Diskussion im Fachausschuss zeigte aber auch, dass sich im Bereich der Baulandpolitik die Gräben zwischen SPD und CDU auf der einen und den kleinen Parteien auf der anderen Seite zu vertiefen scheinen. Zwar stimmte nun auch die CDU dafür zu prüfen, was es mit dem mesophilen Grünland auf sich hat, grundsätzlich ist die Fraktion einer Bebauung an dieser Stelle aber keineswegs abgeneigt. Bei dem umstrittenen Baugebiet in Altengraben (wir berichteten) gibt es exakt die gleichen Mehrheitsverhältnisse.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+