90.vier geht auf Sendung

Neuer Radiosender für Ganderkesee

Der neue Sender 90.vier will mit regionalen Schwerpunkten sein Programm gestalten. Ein Garant für Erfolg soll eine enge Kooperation mit Unternehmern aus Ganderkesee werden.
04.01.2019, 18:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Struß

Die Region hat einen neuen Radiosender. Am Freitag beendete 90.vier um 12 Uhr den Testbetrieb und startete sein Programm. Das Motto „Die Region sind wir“ gibt die Richtung vor: Mit regionalen Informationen aus Ganderkesee, Delmenhorst und umzu will sich das frisch zusammengestellte Team eine treue Hörerschaft aufbauen. Der klassische Übertragungsweg ist die UKW-Frequenz 90,4; es gibt aber auch zum Beispiel eine App.

Damit hat eine lange Vorgeschichte nun ihr Happy-End, denn die Planungen laufen bereits seit 2014. Ein erster Anlauf in Oldenburg scheiterte zunächst, nun hat 90.vier sein Zuhause am Flugplatz Ganderkesee gefunden. Der Sender betreibt auch ein kleines Studio in Delmenhorst. Zur Eröffnungsparty kamen viele Vertreter aus der Politik, die sich allesamt über mehr Vielfalt in der regionalen Medienlandschaft freuten.

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Auch wenn während der Party zum Sendestart optimistische Worte den Ton prägten, erinnerte Andreas Fischer auch an eine große Herausforderung. Er ist der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, die dem Sender 90.vier die Lizenz erteilte. „Sie starten von Null, ohne Reichweite. Nun müssen sie erst mal eine Durststrecke überwinden“, sagte Fischer. Die Konkurrenz auf dem Werbemarkt sei groß. Doch Fischer sieht die Umgestaltung der Unternehmergesellschaft als kluge Entscheidung. Als Gesellschafter ist nämlich auch der Unternehmerzusammenschluss Gantermarkt an dem Sender beteiligt. „Das ist ein direkter Kontakt zu Werbetreibenden und könnte ein echtes Erfolgsmodell sein“, lobte Fischer.

Sender steht unter Erfolgsdruck

Jürgen Reinhard Grobbin, Geschäftsführer und Gesellschafter des Senders, ist sich des wirtschaftlichen Drucks bewusst. „Wir müssen innerhalb von einem viertel Jahr schwarze Zahlen schreiben“, sagt er. Optimistisch macht ihn, dass schon vor Sendestart Werbepartner gewonnen werden konnten. Genau wie die anderen Gesellschafter werde er sich zunächst keinen Lohn auszahlen, damit die Kosten gedeckt werden können.

Über den Erfolg von 90.vier werden wohl die Morgenstunden entscheiden. „Zwischen 5.30 und 9.30 Uhr schaltet die Masse der Hörer ein. Die Hörerschaft wechselt alle halbe Stunde, danach arbeiten die Menschen“, erklärte Grobbin. Sein Radiosender wolle mit lokalen Informationen die Hörer gewinnen. „Das wird keine klassische Morgenshow. Der Ton ist locker, aber die Moderatoren schreien nicht Hurra und lachen ununterbrochen“, sagte Grobbin. Man wolle auch vor Ort sein, wenn große Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt oder das „Knutschen“ viele Menschen anlocken. Die Nachrichten zur vollen Stunde bekomme der Sender aus Berlin zugeliefert, zur halben Stunde gebe es aber auch eigene Meldungen aus der Region.

Kooperation mit SV Atlas

Viele Hoffnungen setzt der Sender in die Kooperation mit dem SV Atlas. Neben Berichten und Interviews soll es auch Verlosungen für VIP-Tickets der Heimspiele geben. „Wir freuen uns, einen künftigen Bundesligisten an unserer Seite zu haben“, scherzte Grobbin vor den Gästen. Ein anderes Format richtet sich eher an das Partyvolk. Ein Mal pro Monat wird Wolfgang Axonoff das „La Palma“ wieder aufleben lassen. Die Delmenhorster Diskothek nannten viele auch nur den „Schuppen“. Axonoff war gemeinsam mit Helmut Hein das DJ-Duo und bastelt nun aus den Hits von damals für 90.vier regelmäßig eine dreistündige Radiosendung.

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Glückwünsche der persönlichen Art gab es von Rainer Lange, erster Gemeinderat von Ganderkesee. „In den 1960er-Jahren habe ich als Kind heimlich unter der Bettdecke Radio gehört“, berichtet er. Das alte Röhrenradio seiner Eltern aus der Nachkriegszeit würde noch immer in seinem Wohnzimmer laufen.

„Leider ist die Senderauswahl kaputt. Aber ich verspreche, es zu reparieren, damit ich auf 90,4 umschalten kann“, sagte Lange. Radio sei für ihn Kino im Kopf. Er hob auch die Bedeutung des Senders für die Medienlandschaft in Ganderkesee hervor. „Es berichten schon vier Zeitungen und nun kommt auch noch ein Radiosender dazu“, freut er sich. Trotzdem sei es wohl vermessen vom „Medienstandort Ganderkesee“ zu sprechen.

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