Ernährungskolumne Iss' was – und gut Nichts anbrennen lassen

Um den Thermomix hat sich ein wahrer Kult entwickelt. Das Küchenwunder kann fast alles, vom Babybrei bis zum Glühwein. Es brennt nichts mehr an, preist RUZ-Ernährungsexpertin Claudia Kay als einen der Vorteile.
01.10.2018, 15:26
Lesedauer: 3 Min
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Nichts anbrennen lassen
Von Jochen Brünner

Es gibt Haushaltsgeräte, von denen die Menschheit bis vor ein paar Jahren noch gar nicht wusste, wie sehr sie sie braucht. Smartphones natürlich. Oder Saug- respektive Mähroboter. Oder den Thermomix. Die Technik ist zwar schon einige Jahre alt, doch zuletzt hat sich ein wahrer Kult um das Küchenwunder entwickelt. Seine Aura entfaltet der Thermomix nicht zuletzt dadurch, dass Eingeweihte seine Zauberkräfte zunächst in geschlossenen Zirkeln preisen, aus denen sich bei den Jüngern ein immer stärkerer Sog des Habenwollens, des Brauchens, des Ohne-nicht-mehr-leben-Könnens entwickelt.

Wie weit das inzwischen gediehen ist, zeigt die Tatsache, dass die Geräte, die vor einiger Zeit im Onlineshop einer großen deutschen Supermarktkette angeboten wurden, innerhalb von wenigen Minuten nach Verkaufsstart vergriffen waren. Und auch der Marktführer verdankt seine Umsatzsteigerungen in den vergangenen Jahren maßgeblich dem Thermomix. Und jetzt hat es auch Claudia Kay, Ernährungsexpertin des Regionalen Umweltzentrums Hollen, erwischt: „Bis vor drei Monaten fand ich das total dämlich, weil ich mir viele Funktionen gar nicht vorstellen konnte. Aber dann habe ich eher zufällig eine Vorführung erlebt.“ Und schwupps, war's um sie geschehen.

Ich lerne: Das Gerät funktioniert zunächst einmal nach dem Prinzip „Wenn meine Küche schon nicht groß ist, ist sie immerhin hoch.“ Im Thermomix passiert nämlich alles übereinander. Auf dem Heizsystem steht ein mit einem Mahlwerk versehener Topf, der sowohl rühren als auch pürieren (und noch viele andere Dinge) kann, je nachdem in welche Richtung sich das Mahlwerk dreht. Gegebenenfalls können die Nutzer einen Einsatz in den Topf hängen, um etwa Gemüse im Dampf zu garen. Und auf den Topf lässt sich bei Bedarf noch eine Kasserole schnallen, um etwa Fisch zu dünsten. „Fleisch scharf anzubraten ist damit allerdings schwierig“, sagt die Ernährungsexpertin.

Legendenstatus genießt bei den Thermomix-Adepten etwa der Brokkolisalat mit Pinienkernen. Aber auch für Babybrei, alle Arten von Teigen bis hin zu Milchreis oder Glühwein ist das Gerät vielfältig verwendbar. Die eingefügten Zutaten werden automatisch gewogen. „Und das Eis ist der absolute Hammer“, sind sich Claudia Kay und RUZ-Hauswirtschafterin Seher Hamdan einig. Gerade haben sie innerhalb von neun Minuten ein Glas Pflaumenmus eingekocht und loben die perfekte Temperaturkontrolle: „Da brennt nichts mehr an.“ Selbstredend hat der Thermomix nicht nur sämtliche Rezepte der einschlägigen Kochbücher gespeichert, sondern er ist auch in der Lage, Einkaufslisten, Wochenpläne und viele weitere nützliche Dinge zu erstellen. „Guided Cooking“, nennt sich das Prinzip auf Neudeutsch.

Und noch ein Argument: Der Thermomix spült sich nach Gebrauch selbst. Einfach ein bisschen Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel rein, Mahlwerk an, fertig. Und mit einem Handtuch im Topf trocknet sich das Gerät auch selbst ab. „Ehe man sich eine neue Küche kauft, würde ich mir jedenfalls erstmal einen Thermomix anschaffen“, sagt Claudia Kay mit einem schelmischen Augenzwinkern. Auch wenn das Gerät etwa nicht in der Lage ist, einen Backofen zu ersetzen. Den benötige man schon noch. „Vor allem für Berufstätige und für kleinere Haushalte eignet sich ein Thermomix“, findet Seher Hamdan. „Den nutzt man auf jeden Fall häufiger als einen Kugelgrill“, ist Claudia Kay überzeugt. „Das stimmt definitiv nicht!“, provoziert diese Aussage beim Kollegen K. aus der Sport- und Grillredaktion augenblicklich den schärfsten Widerspruch. Für ihn ist der Grill Thermomix genug. Und der kann schließlich sogar Pizza.

Das Gerät sei zwar nicht in der Lage, Kochkompetenz zu ersetzen, doch könne es damit durchaus gelingen, etwa technikaffinen Kochmuffeln wieder den Weg in die Küche zu weisen: „Mein Vater zum Beispiel hat noch nie gekocht, und jetzt macht er voller Begeisterung Brötchenteig“, nennt die RUZ-Ernährungsexpertin ein Beispiel und resümmiert: „Gesund kochen wird damit sehr einfach.“

Fragt sich nur, welches technische Wunderwerk die Branche als nächstes entwickelt: Wahrscheinlich die nährstoff-, vitamin- und kolorienperfektionierte Mahlzeit aus dem Drei-D-Drucker. Und zwar ohne jegliche Kochkenntnisse. Lecker!

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