Grüne Garde wieder mit Major

Ohne Wertungsrichter aufs Parkett

Eine schwer zu besetzende Personalie ist ausgefüllt: Der 27-jährige Tanzlehrer Bo Loyall heuert ab sofort bei der Grünen Garde des Ganderkeseer Faschings als Gardemajor an.
07.01.2019, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Ohne Wertungsrichter aufs Parkett
Von Jochen Brünner

Bisher war Bo Loyall eher auf dem – mit Verlaub – feineren Parkett zu Hause. Nun aber freut er sich auf eine kochende Halle, die eher mit der Atmosphäre bei einem Dart-Turnier vergleichbar ist. Der 27-jährige Tanzlehrer wird ab sofort die Grüne Garde des Ganderkeseer Faschings als Gardemajor verstärken. Mit Isabell Hillmann präsentiert die Gruppe bei den diesjährigen Büttenabenden gleichzeitig auch ein neues Funkenmariechen. Die 20-Jährige, die in der Saison 2017/2018 als Ehrendame noch zur Riege der Majestäten gehörte, löst Mandy Würdemann ab, die in den vergangenen sechs Jahren Vortänzerin der Grünen Garde war.

Zum Tanzen ist Bo Loyall durch zwei Schulfreundinnen gekommen. Mit 14 hat er in der Bremer Tanzschule Renz seine ersten Schritte gemacht, zwei Jahre später wechselte er zum Turniersport. Später war er als Formationstänzer auf semiprofessionellem Niveau unter anderem beim Grün-Gold Club Bremen (2. Mannschaft) und für die TSG Bremerhaven aktiv und hat als Leistungstänzer auch an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Ein großes Publikum ist ihm also keineswegs fremd. Doch vor einigen Jahren hat er mit dem Turniersport aufgehört und eine Ausbildung zum Tanzlehrer absolviert. Gegenwärtig arbeitet er in dieser Funktion in der Tanzschule von Jacek Lenard in Delmenhorst.

Wobei Bo Loyall gesteht, dass er nicht gleich Hurra geschrien habe, als die Anfrage gekommen sei. „Ich habe mir das schon zwei Wochen lang gründlich durch den Kopf gehen lassen“, erzählt er. Denn mit Fasching hatte er bislang eher gar nichts zu tun, und auch der Gardetanz unterscheidet sich natürlich ganz erheblich vom Standard-und-Latein-Alltag. „Ich gehʼ da aber ganz offen ran. Jeder Tanz hat seine Reize“, sagt Bo Loyall. Eine Herausforderung sieht er vor allem in den Akrobatik-Elementen und den Hebefiguren: „Die sind so im Formationstanz gar nicht erlaubt.“ Damit zur Büttenabend-Premiere alles sitzt, legen er und Isabell Hillmann gegenwärtig Extra-Schichten ein. Ein spezielles Krafttraining hält der neue Major dagegen nicht für erforderlich: „Die Hebefiguren sind vor allem eine Frage der Technik, des Timings und der richtigen Hebepunkte“, erklärt er. Auch wenn in der Festhalle am Steinacker keine Wertungsrichter vor der Bühne sitzen, stellt Bo Loyall hohe Ansprüche an sich selbst. „Natürlich habe ich den Ehrgeiz, keine Fehler zu machen“, sagt er.

Einmal mehr war es das Netzwerk von Büttenabend-Regisseurin Kirstin Rohlfs, das den Weg zu dieser Personalie geebnet hat. Entsprechend groß ist die Freude bei Garde-Trainerin Annika Müller, dass die schwer zu besetzende Position nun doch kurzfristig wieder ausgefüllt werden konnte. Zuletzt war Jannek Leiske 2017 als Major der Grünen Garde im Einsatz. Er stieg nach einer Saison allerdings bereits wieder aus, weil er nicht die nötige Zeit zum Training fand. So mussten die 17 Tänzerinnen ihre Auftritte im vergangenen Jahr erstmals ohne Mann in ihrer Mitte absolvieren. 2016 war der langjährige Major Stefan Maß im zarten Alter von 44 Jahren noch einmal eingesprungen, weil sich Malte Bross kurzfristig verletzt hatte. Zuletzt aber waren sämtliche Aufrufe in den sozialen Netzwerken erfolglos geblieben, wie Garde-Chefin Annika Müller berichtete.

Schließlich mussten die Büttenabend-Termine auch mit den Arbeitszeiten des neuen Majors in Einklang zu bringen sein. Und die enden für den Tanzlehrer in der Regel erst um 21.30 Uhr. Doch das ist inzwischen geklärt, wie er versichert. Als Musik hat sich die Grüne Garde für diese Saison übrigens den Bonnie-Tyler-Hit „Holding Out For A Hero“ ausgesucht. Ein Titel, der passender nicht sein könnte.

Beim sogenannten „Casting“ am Sonntag hatte die Büttenabend-Regie um Kirstin Rohlfs und Jens Hambach auch alle anderen Tanzgruppen noch einmal in Augenschein genommen. Dabei ging es aber nicht mehr darum, eine Auswahl für das Programm zu treffen, sondern sich nur über den aktuellen Stand der Proben zu informieren. Erstmals nach zehnjähriger Pause ist wieder eine RockʼnʼRoll-Formation des TV Deichhorst unter der Leitung von Nicole Buck am Start. Weiterhin dabei sein werden die Lolly Pops, die Gruppe Temptation, die Gruppe First Try, die „Büttflicker“ sowie die bekannten Garden. Die Büttenabende gehen an den Wochenenden 15. und 16. sowie 22. und 23. Februar über die Bühne.

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