Raumluft in Ganderkeseer Schulen Offene Fenster bleiben alternativlos

Um das Corona-Risiko in Klassenräumen möglichst gering zu halten, haben die Behörden angeordnet, regelmäßig die Fenster zu öffnen. Auch von der Politik geforderte Lüftungsgeräte würden daran nichts ändern.
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Offene Fenster bleiben alternativlos
Von Jochen Brünner

Die Luftqualität in Schulen ist in der Corona-Pandemie ein großes Thema. Zum einen sind die Verantwortlichen bestrebt, Schulen nach Möglichkeit offen zu halten – bei möglichst minimalem Infektionsrisiko. Der Rahmenhygieneplan des Landes Niedersachsen sieht für die Schulen das „20-5-20-Prinzip“ vor: Zwanzig Minuten Unterricht, fünf Minuten Lüften, zwanzig Minuten Unterricht. Damit die Schüler im Winter nicht frieren, haben mit Blick auf die Sitzung des an diesem Donnerstag tagenden Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen gleich drei Fraktionen im Ganderkeseer Gemeinderat Anträge eingebracht, die Schulen kurzfristig mit dezentralen Lüftungsgeräten auszustatten. Die behördlich verordneten offenen Fenster könnten diese jedoch nicht ersetzen.

Dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmetauscher, wie sie die Grünen favorisieren, würden Investitionskosten von rund 13 000 Euro nach sich ziehen, hat die Verwaltung ermittelt. Nachteile seien ein erhöhter Installationsaufwand sowie ein relativ hoher Geräuschpegel. Die SPD-Fraktion schlägt vor, kurzfristig vier mobile Luftreinigungsgeräte zum Einsatz in den beiden Oberschulen anzuschaffen. Diese wären laut Verwaltung für etwa 3500 Euro pro Stück zu haben. Sie seien prinzipiell auch leicht zu installieren, wobei der Transport in unterschiedliche Geschosse durch das hohe Eigengewicht ein Problem bleibe. Die CDU hat angeregt, bei Neubauten künftig von vornherein Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung und geeigneten Partikelfiltersystemen einzubauen.

Sowohl der Rahmenhygieneplan des Landes Niedersachsen als auch das Niedersächsische Kultusministerium machen deutlich, dass es zum intensiven Lüften der Räume derzeit keine Alternative gibt. „Der Einsatz von Luftfiltergeräten entbindet die Schule nicht davon, das verbindliche 20-5-20-Prinzip umzusetzen“, heißt es dort. Sollten die Schulen dieses Prinzip vernachlässigen, könne dies sogar rechtliche Konsequenzen zur Folge haben. Gleichwohl könne der Einsatz der Geräte in Verbindung mit einer Raumlüftung die Luftqualität in den Unterrichtsräumen hinsichtlich einer Virenbelastung verbessern.

Infrage kommen allerdings nur Geräte, die mindestens das fünffache Raumvolumen pro Stunde filtern sowie leiser als 35 Dezibel sind. Zudem müsse eine kontinuierliche Wartung sowie ein sicherer Austausch und die Entsorgung der kontaminierten Filter gewährleistet sein. Geräte mit Aktivkohlefiltern, elektrostatischen Filtern, UV-C-Technik sowie Luftbehandlung mittels Ozon, Plasma oder Ionisation lehnt das Umweltbundesamt für Schulen aus Sicherheitsgründen ab. „Eine verlässliche Reduzierung der SARS-CoV-2-Viren ausschließlich durch mobile Luftreinigungsgeräte in Unterrichtsräumen ist basierend auf dem derzeitigen Kenntnisstand nicht eindeutig nachgewiesen“, schreibt die Behörde von Kultusminister Grant Henrik Tonne.

Um bei der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Ergebnisse handlungsfähig zu bleiben und bei eventuellen Fördermöglichkeiten kurzfristig Zuschüsse beantragen zu können, schlägt die Verwaltung vor, prophylaktisch 50 000 Euro für Lüftungsgeräte an Schulen in den Haushalt einzuplanen. Über die konkrete Verwendung der Mittel können die politischen Gremien später entscheiden. Weitere 13 000 Euro will die Gemeinde in die Hand nehmen, um auch den neuen Werkraum der Grundschule Dürerstraße mit einer Lüftungsanlage auszustatten. Hiervon hatte die Verwaltung bislang „aus Kostengründen“ abgesehen. In einem weiteren Raum des Neubaus hatten die Planer eine Lüftungsanlage von vornherein vorgesehen, da dieser später gegebenenfalls als Schulküche genutzt werden soll.

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