Reitsport

Zurück im Sattel

Nach den Corona-Lockerungen beginnen unter strengen Regeln wieder Training und Unterricht.
17.05.2020, 15:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Bettina Gnaß
Zurück im Sattel

Sandra Auffarth nahm an einem Pilot-Turnier in Luhmühlen teil und zeigte sich von den Rahmenbedingungen angetan.

Ingo Möllers

Nach der offiziellen Lockerung der Corona-Beschränkungen öffnen die Reitvereine in der Region vorsichtig wieder ihre Pforten. Der Unterricht und das Training werden wieder aufgenommen und unter Einhaltung strenger Richtlinien finden sogar erste Pilot-Turniere statt. Sandra Auffarth und Rebecca Horstmann freuen sich über die Entwicklungen, sind sich aber des Ernstes der Lage weiterhin bewusst.

Training im Breiten- und Freizeitsport ist auf Sportanlagen an der frischen Luft wieder erlaubt, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. Dank des Beschlusses der Bundesregierung können nun auch Reitvereine und -ställe ihren Unterrichts- und Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Dabei werden zukünftig regional unterschiedliche Regelungen gelten, denn über konkrete Lockerungsschritte für den Sport entscheiden die Bundesländer. Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), erklärt dazu auf der FN-Internetseite: „Training und Unterricht sind in fast allen Bundesländern erlaubt. Die wichtigsten Regeln sind der Mindestabstand und die Einhaltung der Hygieneregeln. Darauf fußt alles, auch unsere Leitfäden und Handlungsempfehlungen, die wir für Vereine und Betriebe herausgegeben haben. Damit geben wir Rahmenbedingungen und Hilfestellung, wie sie sich organisieren können. Wir haben sechs Wochen lang Erfahrung gesammelt. Es wird leichter, es wird besser. Vor Ort wird viel davon abhängen, dass Pferdesportler weiter zusammenhalten, sich absprechen und solidarisch sind.“

Wie verantwortungsbewusst die Reitsportgemeinde anscheinend ist, zeigte sich bereits Ende April, als der Montagsclub unter strengsten Auflagen ein Youngster-Turnier für Berufsreiter in Luhmühlen veranstaltete. Bei der bis ins Detail organisierten Pilot-Veranstaltung hatte die Vermeidung von Kontakten oberste Priorität. Die Teilnehmer mussten eigene Verpflegung mitbringen und in großem Abstand zueinander parken. Es wurden verschiedene Abreitplätze eingerichtet, um sich aus dem Weg gehen zu können. In die Meldestelle durften nur Einzelpersonen und es herrschte natürlich Maskenpflicht. Zuschauer waren nicht erlaubt.

Für Sandra Auffarth ist das Pilot-Projekt trotz all der Auflagen rundum gelungen. „Ich bin dem Veranstalter sehr dankbar, dass dieses Pilot-Turnier angesetzt wurde. Meine Pferde konnten von den perfekten Plätzen, wie ich sie aus Luhmühlen nicht anders kenne, viel lernen. Die Veranstaltung war perfekt organisiert.“ Sie landete in der Springpferdeprüfung der Klasse A* mit ihren Nachwuchspferden gleich doppelt auf dem Treppchen: mit Vicarto Blue PS (Vivigran) auf Platz zwei und mit Kiritan auf Platz drei, den sie sich allerdings mit Harm Wiebusch (RV Fredenbeck) auf Snoopy teilen musste. Für die Spitzenreiterin des RV Ganderkesee hat das Turnier in Luhmühlen gezeigt, dass es möglich ist, gute Turniere vernünftig und mit Bedacht wieder zu veranstalten: „Natürlich hoffe ich sehr, dass die langersehnte Normalität schnellstmöglich zurückkehrt und wir wieder die normale Turnieratmosphäre genießen können. Bis dahin wäre ich allerdings sehr dankbar, wenn wir weiterhin die Möglichkeit bekommen, unsere Pferde auf sogenannten Geisterturnieren vorzustellen.“

Auch Rebecca Horstmann würde sich freuen, bald wieder an Turnieren teilzunehmen, weiß aber um den Ernst der Lage. „Ich bin zwiegespalten: Zwar hoffe ich, dass wir auch wieder zu Turnieren fahren können, und ich freue mich, endlich wieder loszukommen, meine Freunde zu treffen, mit Fridolin wieder in die schönen Vierecke einreiten zu können und auch die jungen Pferde mal mitzunehmen, um ihnen etwas anderes zu bieten und sie vorzustellen. Andererseits muss ich aber auch sagen, dass ich froh bin, dass das alles noch so vorsichtig geschieht, und ich denke auch, dass man jetzt nichts übereilen sollte.“

Die Ganderkeseerin trifft die Absage der Turniere besonders, da sie mit Fridolin bei den ersten Qualifikationsturnieren für den Piaff-Förderpreis im Mai hätte starten sollen. „Ich bin schon traurig, dass die wundervollen Turniere wie die des Piaff-Förderpreises, die ich dieses Jahr hätte reiten können, abgesagt wurden.“ Doch es besteht Hoffnung, denn Evi Eisenhardt, Vorstandsmitglied der Liselott-Schindling-Stiftung zur Förderung des Dressursports, hat in einem Interview mit dem Internetportal „Dressursport Deutschland“ verlauten lassen, dass sie Ersatzveranstaltungen für die ausgefallenen Turniere der Piaff-Reihe finden will. Natürlich werden die Ersatzlösungen nicht mit den Originalturnieren zu vergleichen sein, weiß auch Rebecca Horstmann: „Ich kann es gar nicht einschätzen, welche Maßnahmen da jetzt getroffen werden, weil ich denke, dass so eine Turnieratmosphäre immer auch von den Zuschauern getragen wird. Im Moment ist es ja nicht möglich, dass Zuschauer bei den Turnieren dabei sein dürfen, und selbst wenn Veranstaltungen wieder stattfinden, wird das auf jeden Fall ein anderes Gefühl beim Reiten.“

Auf dem Horstmann’schen Hof selbst ändert sich durch die offiziellen Lockerungen der Beschränkungen dagegen nicht allzu viel. „Wir haben ja das Glück, dass wir unsere eigene Anlage hier vor Ort haben, das heißt, ich konnte die ganze Zeit weiter zu meinen Pferden und sie versorgen. Und mit unseren Einstellern bleiben wir immer noch bei unseren Zeiten. Wir haben das so geregelt, dass jeder seine Slots hat, in denen er zu seinem Pferd kann, sodass wir nicht zu viel beziehungsweise unnötigen Kontakt haben.“

Auch das Training der jungen Dressurreiterin läuft vorerst so ruhig weiter wie in den vergangenen Wochen. „Dadurch, dass in nächster Zeit ja leider noch kein Turnier in Sicht ist, ist es so, dass wir immer noch nicht zu stark ins Training einsteigen, das weiter locker und entspannt sehen und viel mehr Abwechslung im Training haben und noch nicht wirklich Prüfungsvorbereitung reiten.“ Allerdings kann Rebecca Horstmann dank der Lockerungen immerhin wieder bei ihren externen Trainern vorbeischauen. „Ich fahre aber noch nicht so viel zu den anderen Trainern, auch wenn ich mich sehr freue, dass ich zwischendurch ab und zu wieder loskann und meine Trainer wie Jonny Hilberath und Oliver Oelrich sozusagen über Fridolin und mich drüber schauen und Tipps geben können.“

Die 20-jährige Horstmann ist momentan vor allem froh, dass sie nicht in der Haut der Politiker oder FN-Beauftragten steckt und über Lockerungen sowie Vorsichtsmaßnahmen entscheiden muss. „Es ist eine super schwere Entscheidung, weil einem ja zwei Herzen in der Brust schlagen. Bei allen Lockerungsmaßnahmen sollten wir uns immer vor Augen führen, dass das Virus nicht weg ist, nur weil die Zahlen vielleicht runtergehen, und dass die genauso schnell wieder ansteigen können, wenn wir jetzt unvorsichtig werden“, betont sie.

Für die Reiterin aus Ganderkesee gilt es jetzt, einen anderen Rhythmus zu finden und sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, statt einfach zur alten Normalität zurückzukehren. „Wir müssen das weiterhin ernst und nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern auch auf diejenigen weiter Rücksicht nehmen, die dadurch besonders in Gefahr sind. Ich bin immer noch der Meinung, dass die Gesundheit vorgeht und dass es nichts Wichtigeres als die Gesundheit gibt. Ich würde mich zwar riesig freuen, wenn wir wieder loskönnen, aber dafür müssen einfach gewisse Voraussetzungen geschaffen werden.“

Durch vorsichtige Lockerungen zu einem vernünftigen Umgang mit der Situation und einer neuen Normalität zu gelangen, ist auch das Ziel der Vereine in der Region. So sind zum Beispiel seit vergangenem Montag die Außenanlagen des Reitvereins Ganderkesee auch für auswärtige Vereinsmitglieder wieder freigegeben. Der Spring- und Dressurplatz kann täglich genutzt werden und auch der Reit- und Springunterrichtsbetrieb wird unter Auflagen wieder aufgenommen. Dabei sind stets klare Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, und alle Anwesenden müssen sich in Listen eintragen, um etwaige Kontakte nachvollziehen zu können.

Beim RV Grüppenbühren werden die Maßnahmen ebenfalls vorsichtig gelockert. Ab sofort können auch hier Mitglieder, die ihre Pferde nicht auf der Anlage untergebracht haben, zumindest die Außenanlage wieder nutzen. Die Pferde dürfen allerdings nur im Freien bereit gemacht werden, denn die Stallgasse ist für externe Pferde weiterhin gesperrt. Überall gilt: Die Kontakte sollen trotz der Lockerungen weiterhin so gering wie möglich gehalten werden.

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