Rotary-Club Ganderkesee Hilfe bei Lehrergehalt und Schulspeisung

Eigentlich hatte der Rotary-Club Ganderkesee sein höchst erfolgreiches Engagement in Togo 2018 bereits für beendet erklärt. Doch nun wird es eine Verlängerung für weitere drei Jahre geben.
21.05.2020, 16:35
Lesedauer: 3 Min
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Hilfe bei Lehrergehalt und Schulspeisung
Von Jochen Brünner

Seit mehr als 15 Jahren engagiert sich der Rotary-Club Ganderkesee nun schon im 3000-Einwohner-Dorf Bitoka Coté in Togo. In dieser Zeit haben die Rotarier unter anderem den Bau einer Schule auf den Weg gebracht und ein landwirtschaftliches Projekt angeschoben. Mit dessen erfolgreichem Abschluss 2018 sollte die Togo-Initiative eigentlich auch enden. Doch nun ergibt es sich, dass das Engagement noch einmal in eine dreijährige Verlängerung geht. Konkret geht es dabei um die Finanzierung von Lehrergehältern und die Sicherstellung der Schulspeisung.

„Der Direktor der Schule bekommt zwar Geld vom Staat, die anderen Lehrer sind aber in der Regel unbezahlt, sodass sich die Eltern um deren Bezahlung kümmern müssen“, erklärt Christian König, ehemaliger Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Wichernstift und Motor des Togo-Projekts. Mitunter würden sich Schüler auch durch Gartenarbeiten das Recht verdienen, den Unterricht zu besuchen. Um die Situation zu stabilisieren, hat der Club nun weitere finanzielle Hilfe zugesagt. Nur wenige Wochen habe es gedauert, um die erforderlichen „8000 Euro, die zumindest erst einmal für zwei Jahre reichen würden, zusammenzutragen“, berichtet die amtierende Rotary-Präsidentin Marina Becker-Kückens. Zur besseren Einordnung: In Togo bezieht ein Lehrer ein monatliches Gehalt von rund 50 Euro.

Ursprünglich sei das von den Rotariern errichtete Schulgebäude für drei Klassen à 80 Schüler ausgelegt gewesen. Inzwischen würden dort aber rund 500 Kinder in sechs Klassen unterrichtet, sodass mittlerweile auch eine Art offener Schuppen – zwar überdacht, aber ohne Wände – für den Unterricht genutzt werde, erzählt König. Bevor sich die Ganderkeseer Rotarier in seinem Dorf engagiert hatten, hätten nur etwa 25 Kinder und Jugendliche eine Schule besucht, hatte Dorfvorsteher Homba-Nimana Bitoka bei seinem Besuch vor etwa drei Jahren in Ganderkesee berichtet. Damals hatte die Schule bereits zehn Studenten hervorgebracht, die ihren Bildungsweg an der Universität in der Hauptstadt Lomé fortsetzten.

In die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes waren mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Rotary-Dachorganisation in mehreren Etappen mehr als 200 000 Euro geflossen. Inzwischen sei es gelungen, dass die Dorfbewohner Maniok, Soja, Mais, Cashewnüsse und verschiedene Gemüsesorten nicht nur anbauen, sondern auch ernten und selbstständig vermarkten würden. „Die Erträge sind erstaunlich gut, etwa 20 Menschen können dadurch finanziert werden“, freut sich König.

2016, als das landwirtschaftliche Projekt so richtig ins Rollen kam, hatten die Rotarier deshalb eine Schulspeisung angeregt, sodass die dort unterrichteten Schüler einmal am Tag eine gute Mahlzeit erhalten. Doch die stand nun aufgrund fehlenden Geldes auf der Kippe. „Lebensmittel stehen aus dem Projekt genug zur Verfügung, aber es braucht natürlich auch Personal, das diese zubereitet und verteilt“, sagt König. „Und da in Togo viele Kinder unter Eiweißmangel leiden, wollen wir das unbedingt aufrechterhalten.“

Im Augenblick ist die Schule aufgrund der Corona-Pandemie allerdings geschlossen. „Es gibt im ganzen Land offiziell zwar nur 250 Fälle, aber niemand weiß, wie viele es tatsächlich sind“, erklärt König. Deswegen befinde sich das Land auch in einem konsequenten Shutdown. Selbst Dorfvorsteher Bitoka, der sich zurzeit in Lomé aufhalte, dürfe die Stadt nicht verlassen und bemühe sich gerade um eine Ausnahmegenehmigung.

Angeregt durch den Erfolg der Ganderkeseer hat der Rotary-Club Vechta in einem benachbarten Dorf inzwischen ein ähnliches Projekt angeschoben. Als Kontaktperson vor Ort fungiert ebenfalls der umtriebige Homba-Nimana Bitoka. „Wir können zwar nicht ganz Afrika retten, aber unser kleines Pflänzchen soll weiter gedeihen“, beschreibt Schatzmeister Wilfried Wilkens den Anspruch der Ganderkeseer Rotarier.

Für den Herbst hatte Christian König eigentlich den nächsten Besuch in Togo geplant. Ob er tatsächlich stattfinden wird, steht zurzeit allerdings in den Sternen. Im Augenblick sind sämtliche Flüge nach Togo gestoppt.

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